Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1883)
- Date
- 1883-07-24
- Page
- Seite 485 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zugeständniß gemacht hat. Es ist eine Forderung der Geschichte, daß seine ganze Aussage hier wörtlich wiedergegeben wurde. Angeklagter Vogel: Man führte mich nach Eßlar in das Haus einer Gräfin. Der Untersuchungsrichter sagte zu mir: „Vogel! Sie sind in Kerecseny gelandet." Ich stellte dies! in Abrede, ich hätte 24 Zeugen darauf, daß ich nicht gelandet,. aber der Untersuchungsrichter sagte, es sei so gewesen, ich! leugnete es, dann fragte der Untersuchungsrichter, ob ich j Smilovics kenne; ich erwiderte, daß ich ihn dem Namen nach! nicht kenne, ihn aber vielleicht erkennen würde. „Kennen Sie | ihn unter dem Namen Jankel?" Vielleicht, aber unter dem Namen Smilovics nicht. Darauf wurde Smilovics hereingerufen und erzählte, was ich ihm in Kerecseny aufgetragen hätte; er sagte mir aus Ungarisch ins Gesicht, daß ich in Kerecseny gelandet sei, und daß er mir auch 80 Gulden übergeben habe; ich sagte: „es ist nicht wahr", woraus der Untersuchungsrichter sagte, cs fei ja wahr, ich aber sagte wieder, es sei nicht wahr. Darauf ging der Staatsanwalt hinaus und er gab mir eine Ohrfeige. Heumann: Wer? Angekl.: Der Untersuchungsrichter. Hcumann: Wer war drin? Angekl.: Der Untersuchungsrichter und Karancsay. Präs.: War auch der Staatsanwalt dabei? Angekl.: Nein, er war schon vorher hinausgegangen. Daun schickte er mich in den Garten der gnädigen Gräfin Kallay, dort sagte Karancsay. ich solle -die Wahrheit gestehen, ich würde 2 bis?> Wochen sitzen, und dann nachhause gehen; auch Smilovics werde nachhause gehen, nachdem er die Wahrheit gesagt hat. Ich antwortete, dieser wisse nichts, er könne nichts sagen. Nach zwei Stunden rief mich der Untersuchungsrichter wieder hinein und inquirirte mich: „Sag' die Wahrheit mit Smilovics." Ich leugnete. Smilovics wurde hereingerufcu behufs Konfrolltiruug. Dort sagte Smilovics, er sei von Eßeny nach Kcrecsenn gegangen und habe 80 | Gulden erhalten, um die Leiche nach Eßlar zu bringen. Bor dem Untersuchungsrichter leugnete ich wieder, worauf er befahl, daß inan mir ein Glas Wasser geben solle. Das trank ich,; und dann trank ich wieder ein Glas Wasser. Ich wurdei dann in den Garten geführt, von dort wurde ich am Abend nach Tißa-Lök, dort wurde ich in einen Hühnerstall gesperrt, in welchem Hühner waren. Dann wurde ich auf Befehl des Untersuchungsrichters in ein Gartenzimmer gebracht, er forderte mich auf, die Wahrheit zu sagen, doch sagte ich, ich wisse nichts. Verhören Sie meine 24 Zeugen. Darauf meinte der Untersuchungsrichter: „Tu mußt die Wahrheit gestehen!" und gab mir wieder eine Ohrfeige, dann ging er hinaus, Karancsay blieb drin und es trat auch ein Sicherheits-Kommissär ein, ein hochgewachsener rother Mensch, der fragte mich, ob ich wisse, wer er sei; darauf erwiderte ich: ich wäre fremd und kenne ihn nicht. Er sprach darauf: Ich bin der Sicherheits-Kommissär und habe die Vollmacht vom Gerichtshof, Dich zu prügeln, wenn Du nicht die Wahrheit sagst. Ich erwiderte, ich wüßte nichts. Man solle die 24 Zeugen vernehmen. Der Sicherheitskommissär forderte mich hierauf auf, ihm in die Augen zu sehen und als ich aufschaute, schlug er mir dreimal die Kinnlade in die Höhe, so daß mir das Blut im Munde zusammenlief, darauf gab er mir Wasser und sagte, ich soll mir den Mund ausfpülen; hernach sagte er wieder: Sagen Sie die Wahrheit, Vogel, sonst prügle ich Sie. Er ließ sodann einen Krug Wasser holen und hieß mich trinken. Karancsay gab mir ein Glas und ich trank, während dessen fiel der Krug auf die Erde herab und zerbrach. Der Sicherheits-Kommissär bemerkte: „Das macht nichts! Bringen Sie ein Schaff Wasser." Und auf Befehl trank ich soviel, daß ich zur Erde fiel, um das Wasser wieder von mir zu geben. Hierauf führte man mich > wieder in das Zimmer zum Kommissär und forderte mich j wieder auf die Wahrheit zu sagen. Ich leugnete, denn ich; wußte nichts. Darauf gab man mir drei bis vier Glas Bitterwasser. Der Sicherheits-Kommissär war sehr zornig i und trank zwei Glas Schnaps. Auch mir bot er ein Gläschen an, doch trank ich's nicht. Nun forderte mich der Sicherheits-Kommissär neuerdings auf, die Wahrheit zu gestehen; ich erwiderte, ich weiß nichts, ich werde nichts Anderes sagen, als was ich weiß. Hierauf band er mir mit Spagat die Hände auf den Rücken, und der Sicherheits-Kommissär faßte eine meiner Seitenlocken, und Karancsay die andere, und sie zogen stark daran, so daß ihnen auch Haare in den Händen blieben; fie ließen mich dann los und hießen mich gestehen. „Ich weiß nichts", gestrenger Herr, „Sie verlangen Etwas von mir, was nicht wahr ist, ich werde nur die Wahrheit sagen." Nun befahl der Sicherheits-Kommissär, daß ich mich entkleiden soll; ich legte den Rock ab; er befahl aber, daß ich mich ganz nackt ausziehen solle; er führte mich dann in'S Nebenzimmer, dort lag Stroh. Als ich schon ganz entkleidet war, befahl der Kommissär, daß ich mich auf das Stroh lege und die Wahrheit gestehen solle, da man mich sonst bei den Füßen in die Höhe ziehen würde. Er zog mich aber nicht und sagte nur, ich solle mich aufsetzen. Er ließ mich ankleiden, man führte mich hinaus, ein Karren stand schon bereit, darauf war ein Hajduk und Karancsay, daneben war ein berittener Pandnr, es wurde mir befohlen, bis Eßlar mitzulaufen, und so trieb mich der Pandur vor dem Rosse her bis Eßlar, und es war doch sehr warm. Am 21. Juli kamen wir in Eßlar an; dort wurde ich wieder in den Garten geschickt, es war am Abend. Dann wurde ich wieder 1 auf's Gemeindehaus und nur Smilovics, Mendelovies, Martin Groß und Ignaz Klein nach Nyiregphaza gebracht.