Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1883)
- Date
- 1883-07-24
- Page
- Seite 480 (sequence 2)
- Language
- German
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seinen Fortbestand zu sichern. Daß aber dasselbe Gefühl in Wien, 29. Juni 1883. der zukünftigen Judenheit, der jetzigen Jugend Wurzel fasse Stammesgenoffen'. und in ihr zur mächtigen Entwickelung und Entfaltung Seit achtzehn Jahrhunderten, seitdem das jüdische Volk komme, das mag einerseits in Hinblick auf die vielfachen seine nationale Selbständigkeit verloren hat, ist es unaufsympathischen Kundgebungen aus deren Mitte, so wie auf hörlichen Verfolgungen ausgesetzt, deren Ziel der Untergang die Thatsache, daß hier an der Berliner Friedrichs Wilhelmsdes Judenthums ist. In diesem Bestreben werden unsere Universität von Studenten ganz aus sich selbst heraus ein Verein zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur gebildet worden ist, wie auch ein ähnlicher in Wien bestehen soll, mit großem Rechte erhofft, mit vieler Zuversicht erwartet, aber auch andererseits erst noch durch Bekämpfung der weiteingerissenen Lethargie angestrebt werden. Dieses hat sich nun der erwähnte am 23. Februar nach längern Vorbereitungen ins Leben getretene Verein zur Aufgabe gestellt, sowohl, wie es in seiner Ankündigung am schwarzen Brette heißt, das Interesse für jüdische Geschichte und Literatur in allgemeine und besonders studentische Kreise zu verbreiten, als auch selber objectiv und unbefangen das Wesen des Judenthums zu studiren und den vielfachen Borurtheilen in Betreff desselben zur Qrientirung näher zu treten. Darum hat sich der Verein von vornherein auf keinen politischen oder tendenziös einseitigen Standpunkt gestellt, sondern allen Richtungen unter seinen Mitgliedern eine Stätte zur wissenschaftlichen Erörterung gewährt. | Möge er auch auf andere Universitäten anregend wirken! j Von dem Wirken des Vereins wird ein Semesterbericht Nachricht geben, hier nur die kurze Angabe, daß derselbe trotz seines kurzen Bestehens eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder ausgenommen und sonst auch Sympathien besonders bei den Dozenten der hiesigen Hochschule des Judenthums gefunden hat. Bon den Statuten heben wir im Auszuge folgende hervor: § 1. Zweck des Vereins ist Förderung des Interesses für jüdische Geschichte und Literatur. § 2. Zu diesem Zwecke finden allwöchentliche Sitzungen statt, welche zerfallen in einen geschäftlichen, wissenschaftlichen und gemüthlichen Theil. § 3. Der wissenschaftliche Theil wird durch Vorträge und Referate, an die sich eine Debatte knüpfen kann, ausgefüllt. § 4. Mitglied kann nur ein auf der hiesigen Universität innnatrikulirter Student werden. 8 6. Gäste haben nach dem geschäftlichen Theile stets Zutritt. Es sei noch erwähnt, daß auf diese Fassung der Statuten, besonders aber auf den § 4 der Wille des akademischen Senats von beschränkendem Einflüsse gewesen ist, sodaß von der Zuziehung auch außerordentlicher Mitglieder Abstand genommen werden mußte. Feinde leider nur zu sehr von unseren Stammesgenofsen selbst unterstützt. Der Jndifferentismus im Innern des Judenthums wetteifert mit den Feindseligkeiten von Außen in der Bemühung dieses Ziel zu erreichen. Unseren Feinden gegenüber können wir uns nur defensiv verhalten: dem Jndifferentismus aber muß entgegengewirkt werden. Dieser Aufgabe hat sich der in Wien neugebildete akademische Verein „Kadimah" unterzogen, der zum Zwecke hat, die geistigen Güter des jüdischen Volkes zu erhalten und zu pflegen. Denn nur aus den reichen Schätzen der jüdischen Literatur wird die Jugend Liebe zum jüdischen Volke gewinnen und nur aus den unerschöpflichen Quellen der Geschichte des Judenthumes wird sie nützliche und fruchtbringende Lehren für die Zukunft des jüdischen Volkes ziehen können. Zur Erlangung dieses erhabenen Zweckes bedarf aber der junge Verein der moralischen und materiellen Stütze Aller, in deren Brust noch ein jüdisches Herz schlägt. Stammesgenossen! Reichet uns Eure hilfreiche Hand in der festen Ueberzeugung, daß Ihr zu einem großen und erhabenen Zwecke beigetragen habet, zur Regeneration der jüdischen Nation. stud. me«l. M. T. Schnirer, dz. Präses, stud. juv. N. Birnbaum, stud. phil. I. Kopelovitz, d. Z. Schriftsührer i. deut. Spr. d. Z. Schriftführer i. hebr. Spr. Auszug aus den Statuten: tz 9. a) Personen, welche dem Vereine einen einmaligen Beitrag von 50 fl. leisten, werden zu Stiftern; b) Personen , welche einen jährlichen Beitrag von mindestens 2 fl. leisten, werden zu Förderern ernannt. Iu den Angelegenheiten -er russischen Juden. VI. Die Erfahrung lehrt durch unzählige Fälle, daß, sobald eine Reaction bis zum Aeußersten gelangt ist, sie durch die Verhältnisse selbst gezwungen wird, umzukehren und abzuwiegeln. Auch in Rußland geschieht dies jetzt. Wir geben über diesen ersten Schritt eine Corresp. der „V. Z." aus Petersburg vom 2. Juli. „Bor einigen Tagen legte die Regierung das öffentliche Bekenntniß ab, daß sie nicht Willens sei, in der Judenfrage die Bahnen Jgnatiew's zu wandeln. Allerdings geschah das nicht etwa in einem Communiqud oder einem Erlaß, der die allgenreine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken im Stande