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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-24 · Heft 30 (24.7.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 30 (24.7.1883)
Date
1883-07-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis merteljährig 3 Mar!. Abonnei ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig Philippsou in Bonn. Gzepeöitiorr: Leipzig, Woßpkcrtz 18. | In redaktionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr.L. Philivpson in! i Bonn direct, in allen übrigen an die l BerlagSbandlung. Beilagen (Gebühr I 12 M.) sind gleichfalls an letztere ein- > zusenden. ' 47. Jahrgang. Leipzig, den 24. Juli 1883. No. 30. Inhalt. Leitende Artikel: Kundgebungen der jüdischen studirenden Jugend. — In den Angelegenheiten der russischen Juden. VI. — Die Schlußverhandlung im Tißa-Eßlarer Proceß. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. — Oesterreich-Ungarn: Wien. Preßburg, Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. —Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Ein harmloses Seitenstück zum Fall zu Tißa-Eßlär. — Gerhard Rohlfs über die Falaschas. und auf seinem Standpunkt beharrt. Da ist es aber auch Qrtiüel'. folgerichtig, daß, wer da sagt: Ich bin Jude und bleibe Jude! sich dann auch nach innen kehrt, und sich fragt: was Bonn, 18. Juli. Lun-getmugen der jüdischen studirenden Jugend. Der lebenskräftige Bestand einer Religion beruht auf der Jugend. Die Männer der Gegenwart gestalten in ihrer Weise die obherrschende Phase und prägen der Zeit ihren Stempel auf. Aber das zukünftige Geschlecht hat diese Erbschaft anzutreten und von ihm hängt es ab, ob es sie weiter tragen, weiter entwickeln und beleben will. Auf dem Zeitpunkte, auf welchem wir jetzt stehen, wirken zwei Momente kräftig auf die jüdische Jugend ein und beginnen den Jndifferentismus zu zerstreuen, der sich in religiöser Beziehung ihrer bemächtigt hatte: einerseits die wissenschaftliche Durcharbeitung des Judenthums, die der aufstrebenden Jugend den Boden geebnet hat, für die Intelligenz vielfache Anknüpfungspunkte bietet und durch die Schätze der Geschichte und Literatur weitere Forschung und Entwickelung ermöglicht; andererseits aber die ungeahnte Feindseligkeit, die sich in großen Maßen selbst bei den civilisirten Völkern gegen die Juden, welcher Art auch die Individuen, welcher Bildung, welches Strebens und Schaffens sie auch seien, kundgegeben und kundgiebt und die auch in socialer Beziehung abstoßend sich äußert. Hiergegen bäumt sich das Gefühl jedes seiner bewußten Juden auf und weckt in ihm den Mannesstolz, der unverdienter Mißachtung gegenüber sich muthig aufrichtet bin ich als Jude? Die intelligente Jugend wird sich deshalb dem Streben zuwenden, das Judenthum zu erkennen, dessen geschichtlichen Verlauf und Entwickelung, dessen welthistorische Bedeutung und Aufgabe sich wissenschaftlich klar zu machen. Daß dieser Proceß wirklich vor sich geht, dafür haben wir heute zwei Kundgebungen vor uns. In Berlin und Wien sind zu gleicher Zeit Vereine unter der jüdischen akademischen Jugend entstanden, der zu Berlin nennt sich: „Akademischer Verein für jüdische Geschichte und Literatur"; der zu Wien: „Akademischer Verein Kadimah". Es liegen uns die gedruckten Statuten beider Vereine vor, aber auch Berichte der betr. Vorsitzenden, die wir hier wörtlich wiedergeben , weil sie so das unmittelbarste Zeugniß des Geistes geben, der diese Vereine ins Leben gerufen hat. Berlin, 4. Juli 1883. Wie bisher unter allen Stürmen der Geschichte das Grundelement des Judenthums dasselbe geblieben ist, wie trotz unausgesetzter Assimilation an die Sitten und geistigen Bestrebungen der Culturwelt ein selbständiger Kern mit eigener stolzer Geschichte und Literatur sich erhalten hat, so ist auch das im Vertrauen auf das gute Recht und die innere Wahrheit des Judenthums basirende Selbstbewußtsein in der Gegenwart stark genug gewesen, um aus allen Ge-. fährden unbeirrt hervorzugehn und dem jüdischen Stamnie 30

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