Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1883)
- Date
- 1883-07-17
- Page
- Seite 474 (sequence 12)
- Language
- German
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474 Herrn A. Kornitzer jede Qualmcation mangle, ein so wichtiges Amt, wie es unzweifelhaft der Rabbinerposten der Stadt Krakau ist, mit Nutzen und zum Wohle seiner Glaubensgenossen zu bekleiden. Derselbe wohne hier seit 22 Jahren und habe noch nicht die Muße gefunden oder es der Mühe werth erachtet, die polnische Sprache zu erlernen; es fehle ihm nicht nur an jeder wissenschaftlichen Befähigung, sondern er besitze selbst auf talmudischem Gebiete kein hinreichendes Wissen. Daß die „Chassidim" ihn unterstützen, sei daraus zu erklären, daß sie die unter der Führung des sel. Schreibers unternommene Campagne gegen den Fortschritt weiter zu führen gedenken, wodurch nur die Kluft, die zwischen den Juden und Christen in nationaler Hinsicht noch besteht, erweitert werden würde. In seiner Erwiderung gab Bürgermeister Dr. Weigel seiner Befriedigung über die vernommene polnische Ansprache Ausdruck. Es diene ihm dies als Beweis, sagte er, daß die orthodoxe Judenschaft in nationaler Beziehung bedeutende Fortschritte gemacht habe welche auf eine endgiltige nationale Assimilirung hoffen lasse Er kenne genau die Vorgänge im Lager der orthodoxen Judenschaft und werde gewiß das Seinige dazu beitragen daß die Hoffnung der Partei der „Chassidim" nicht in Erfüllung gehe." Dänemark. Kopenhagen, im Juni. Der 50jährige Bestand unserer schönen Synagoge ist mit großer Feierlichkeit begangen worden. Berlingske Tidende berichtet darüber: „Schon im vorigen Jahrhundert existirten in unserer Stadt Synagogen, aber die zuletzt bestehende wurde bei der großen Feuersbrunst im Jahre 1795 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Als Herr Wolff im Jahre 1829 zum Großrabbiner der Gemeinde unserer Stadt gewählt wurde, war sein erster Gedanke der Wiederbau einer Syagoge, der Gottesdienst wurde bis dahin bald in dem einen, bald in dem andern Hause abgehalten. Sein Unternehmen glückte ihm und im Jahre 1833 wurde das Gebäude vollendet, dessen 50jähriges Bestehen jetzt geverstorbenen Frau zu heirathen, die Bill bereits genehmigt sahen, haben sich einer Täuschung hingegeben. Bei der dritten Lesung verwandelte sich die frühere Mehrheit von fünf Stimmen in eine Minderheit von sieben Stimmen und die Bill ist verworfen. Rechtsverbesserungen gehen in England sehr langsam vor sich, und wenn das Bedürfniß noch so dringend ist. Jndeß ist bereits eine Liga für die Reform des Eherechtes in der Bildung und wird in eine lebhafte Agitation eintreten. — Auch die „Morning Post" hat sich über den Tißa-Eßlarer Proceß geäußert und denselben entschieden verurtheilt. Sie sagt unter Anderem: „Es ist zu bedauern, daß, wie es scheint, in Ungarn kein Gesetz von der Art existirt, wie es sich in Irland so nützlich erwiesen hat, ein Gesetz, welches es ermöglicht, ein Proceßverfahren aus einem Districte, in welchem heftige Borurtheile oder Leidenschaften existiren, an irgend einen andern Ort zu verlegen, wo beffere Aussichten für die Sicherung eines ruhigen, unparteiischen Verfahrens vorhanden sind. Oder, wenn solch ein Gesetz in Ungarn existirt, dann ist es noch mehr zu bedauern, daß es in dem Falle von Tißa- Eßlar nicht zur Anwendung gebracht worden ist. Obwohl es allerdings in Tißa-Eßlar keine Jury giebt, welche durch populäre Strömungen oder Drohungen beeinflußt werden könnte und wiewohl anzunehmen ist, daß die Richter zu hochgestellt und auch zu hochherzig sind, um in einer oder der andern Art die Leidenschaften der Menge zu theilen, so ist es doch schwer zu glauben, daß in der den Zielen der Justiz bestdienlichen Art Klarheit gegeben und festgestellt werden kann angesichts der lärmenden, erregten Menge, welche täglich innerhalb und außerhalb des Gerichtshauses, in dem die Juden sich gegen eine Anklage auf Tod und Leben zu vertheidigen haben, ihr Treiben fortsetzt. Allem Anscheine nach wird von der Bevölkerung der Umgebung des Gerichtsortes die Schuld der Juden als festgestellt angesehen. Selbst unter gewöhnlichen Umständen würden die heftigen Vorurtheile der Menge das Walten einer exacten Justiz mehr als sonst erschwert haben. Die Situation ist jedoch noch mehr feiert worden. Derselbe Rabbiner, der sie eingeweiht, hat | complizirt worden durch die Bemühungen einer notorisch poin den jüngsten Tagen der Gedächtnißfeier präfidirt. Fünfzig | litischen Partei, welche aus der Affaire ihren Bortheil zu Dienstjahre, das ist schon eine rühmliche Würde für den vr.! ziehen bemüht ist. Es giebt in Ungarn wie in Deutschland Wolff. Um halb sieben Uhr Morgens fand die Gedächtnißeine politische Fraction, die an Zahl und an Einfluß in den feier statt. Die Synagoge war glänzend erleuchtet, die Feier! gebildeten Claffen außerordentlich schwach ist, die aber eine sehr ergreifend und trotz der frühen Stunde die Bersammj gewisse Autorität über die niederen Schichten erlangt hat und lung sehr zahlreich: selbst viele Damen waren dazu erwelche die Judenverfolgung zum Ziele ihrer öffentlichen Acschienen. tion gemacht und in der grausamen Anklage gegen die Juden . von Tißa - Eßlar einen neuen Borwand sucht für ihre FortDrotzbrrtanmen. derung, die auf die Ausweisung sämmtlicher Juden aus London, 29. Juni. Diejenigen, welche auf die Ab-: Ungarn abzielt. Zwei Führer dieser antisemitischen Partei stimmung des Oberhauses in der zweiten Lesung der Bill, j nehmen ihre Plätze im Gerichtssaale ein und geben durch welche einem Wittwer gestatten sollte, die Schwester seiner, ihre Haltung, zeitweilig auch durch ihre Worte das Signal