Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1883)
- Date
- 1883-07-17
- Page
- Seite 472 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Justizrath Dr. Horwitz, der als Christ geboren worden, dessen Borfahren aber dem Judenthum angehörten, candidirt um eine Abgeordnetenstelle in der Provinz Sachsen. Die Gegenpartei erhebt in Wort und Schrift ein großes Geschrei: man solle keinen Juden wählen! Die Versicherung, daß Dr. Horwitz \a ein Christ sei, verfängt nicht und die Schaar seiner Anhänger vermindert sich täglich. Bonn, 5. Juli. (Privatmitth.) Es wurde bereits in diesem Blatte bemerkt, daß in dem französischen Städtchen Montdidier (Sonnen) ein Blättchen zu erscheinen begonnen hat, ..L’Anti - Semitiqtie“. Die Redaction hat die Unverfrorenheit gehabt, uns 4 Nummern desselben zuzusenden. Meint sie, daß wir für sie Propaganda machen, uns mit ihr in Streit einlassen oder ihre Schmähartikel nur berücksichtigen werden? Dazu giebt der Inhalt nicht einmal Veranlassung. Wer nur das Programm durchlieft und das unsinnige Geschwätz gewahrt, daß daselbst über Deutschland, England und die Türkei ausgekramt wird, verliert die Lust, auch nur eine Spalte mehr zu lesen. Das Ganze müßte eigentlich „Anti- Rothschild" heißen, denn gegen dieses Haus richtet sich der ganze Sturm, und die Juden werden dann mit ihm identisicirt. Hoffentlich werden unsere Glaubensgenossen sich ein- Er ist seiner Sache so gewiß, daß er sich bereit erklärt, nach Nyiregyhaza zu kommen und die Wahrheit seiner Mittheilung eidlich zu erhärten. Aber er delirirt. Der Fanatismus macht ihn blind. Eine Stelle, welche sagt, was er dem Herrn Onody einredet, existirt in der gesummten jüdischen Literatur nicht. Wehe mir, wenn ich Thatsächliches vertuschen wollte! Aber die obige Empfehlung des Jungfrauenmordes ist eine plumpe Erdichtung verbündeter Unwissenheit und Böswilligkeit. Kein Eidschwur kann das ändern. Leipzig, am 28. Juni 1883. Prof. Franz Delitzsch. Colmar i. E., 1. Juli. Am 28. Juni war der Bezirksschulrath für Oberelsaß in Colmar versammelt, um über die Wiedereinführung der confessionellen Schulen in letztgenannter Stadt sein Votum abzugeben. Die genannte Versammlung, in der u. A. ein Delegirter des Bischofs von Straßburg und verschiedene höhere deutsche Beamte Sitz und Stimme haben, wurde von dem Bezirkspräsidenten Timme geleitet. Da die Beamten und der Bezirkspräsident gemäß! höherer Weisung sich für confessionelle Schulen aussprachen, so ging die Wiedereinführung derselben mit allen gegen die mal von der Neugierde verleiten lassen, das Blatt in die zwei Stimmen des Pfarrer Schäfer und Oberrabbiner Hand zu nehmen oder darauf zu abonniren. Nur eine kleine Weil in Colmar durch. Bemerkung. Das Blatt stellt unter seinen Titel das Motto: Minden (Westfalen), 3. Juli. (Privatmitth.) Nach „Der Jude soll nicht übermäßig Silber und Gold aufhäufen".! einer Verfügung des Kreisschulinspectors, veranlaßt seitens der Regierung, sollen keine jüdischen Schüler am Sabbath vom Besuche der Schule dispensirt werden. Auf diese Weise ist es der jüdischen Schuljugend unmöglich, dem Gottesdienste am Sabbath beizuwohnen, und daß sie auf diesem Wege sich (5 Mos. 17,17.). Das Citat ist gefälscht, denn in dem angeführten Verse ist nicht vom „Juden" die Rede, sondern von dem später etwa zu wählenden Könige von Israel. Solch' kleine Fälschung macht einem Antisemiten keine Sorge. Aber gesetzt, das Citat wäre richtig, erinnern sich diese! des Gottesdienstes für das ganze Leben entwöhnt, ist ein- Skribler nicht der Stellen des Neuen Testamentes, wo den j Reichen das Himmelreich abgeurtheilt wird, wo Jesus seine Anhänger auffordert, sich ihres irdischen Gutes zu entäußern uud es an die Armen zu vertheilen? Nun, wie steht es j hiermit in der christlichen Welt? Auch in der christlichen! Kirche selbst, wo Pomp und Reichthum entfaltet werden? j Leipzig, 1. Juli. Prof. Dr. Delitzsch tjat an die! Redaclion des „Pester Lloyd" folgende abermalige Erklärung | gerichtet: Verehrliche Redaction! Trotz meiner Erklärung in Nr. 75 dieses Jahres hat Prof. Rohling den Reichstagsabgeordneten Gsza Onody in einem Briefe vom 19. Juni benachrichtigt,' sichtlich. Der Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde Liepmannsfohn wurde deshalb gegen diese Verfügung vorstellig, erhielt aber unter dem gestrigen Datum folgende Antwort: „Der Herr Regierungs- und Schulrath hat mir auf Befragen die Auskunft ertheilt, daß er vorläufig nicht in der Lage sei, mich zu ermächtigen, die Kinder jüdischer Religion des Sonnabends vom Schulunterricht behufs Theilnahme am Gottesdienst zu beurlauben. Eine etwaige Beschwerde Ihrerseits würde ihre amtliche Erledigung finden. Hiernack stelle ich Ihnen Weiteres ergebenst anheim. Ergebenst Jenetzky, Kreisschulinspector. Es versteht sich. daß Herr Liepmannssohn sich hierbei daß sich in einem Buche, welches mit Subvention Sir Moses i nicht beruhigen, sondern die weiteren gesetzlichen Schritte Montesiore's 1866 in Jerusalem gedruckt fei, eine Stelle thun werde. Derselbe hatte auch an das hiesige Garnisonsinde, welche sage, commando das Gesuch gestellt, den Soldaten jüdischer Con- „daß Vergießen nichtjüdischen jungfräulichen Blutes für - fession am ersten Sabbathe jeden Monats den Besuch des den Juden eine außerordentlich heilige Handlung sei und daß so vergossenes Blut dem Himmel sehr angenehm sei und dem Juden himmlisches Erbarmen erwirke." Gottesdienstes zu gestatten, wenn dies nicht den Interessen des Dienstes zuwiderliefe. Zu dieser Eingabe fühlte L. sich bewogen, weil schon seit Jahren außer an den Feiertagen