Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1883)
- Date
- 1883-07-17
- Page
- Seite 468 (sequence 6)
- Language
- German
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468 für heute fehlt mir die Zeit dazu. Nur zwei ganz besonders | kleiner Bruder Samu habe die Mordgeschichte von ihm gecynische Ausdrücke will ich erwähnen. Als wir gestern nach! hört, und dabei vergaß, daß Samu im Dorse ja erzählte, Sitzungsschluß den Saal verließen, schrie einer dieser Herren Moriz habe beim Schlachten das Opfer am Beine gehalten." mitten in die Gruppe der Hauptangeklagten, noch in der »Nach der Pause folgte die Vernehmung des Debrevollen Wuth über die Niederlage Peczely's, hinein: „Ihr cziner Sicherheit^ Commissärs Daniel Barcza, der als Bomöget thun, was Ihr wollt, gehenkt werdet ihr doch!" Und lontär aus Liebe zum Fache, übrigens mit Genehmigung als heute davon die Rede war, daß der Entlastungszeuge! hoher Autoritäten auf eigene Faust nach Entdeckungen in der Danek wegen einer Ausschreitung im Arrest sitze, ries man:!Affaire ausging. Barcza ist eine etwas ercentrische Erschei- „Ja freilich, gegen diesen Kerl hat der Schandmensch —! nung in ungewöhnlicher Kleidung: Glanzstiefel und kurze lies: der Staatsanwalt -- keine Conduiteliste in der Tasche,! blaue Jacke, dicht mit Metallknöpfcn besetzt; ein elastischer, wie gegen den „armen" Peczeln!"! wetterharter Sechziger. Er verkehrte auf seiner Suche mit „Uebrigens brachte das heutige Verhör den Knaben! Recski, Peczelp, Henter und Anderen. — Dabei brachte er Moriz zur Enthüllung einer Reihe von Daten über seine! heraus: Henter, der Kastellan, habe ihm selber einmal seine Erziehung, seinen Unterricht, seine Lebensweise re. seit den Zweifel darüber geäußert, daß die Juden schuldig seien; Pe- 13 Monaten seiner Administrativ - Versorgung. Auch in czelp habe dem Knaben die Aussage aufoctroyirt, späterhin mehrere fatale Widersprüche und sichtliche Unwahrheiten ver-; habe Moriz, als er wieder einmal seine Lection aussagte, sich wickelte er sich; die bedeutendste der letzteren ist, daß er wieder versprochen und gesagt, Esther sei bei ihrer Ermordung in in gewohntem, flüssigem, unaufhaltsamem Rezitativ zu nicht rothem Kleide gelegen, aus Henter's Einwendung corrigirte geringer Erheiterung der Bertheidiger erzählte, wie er im! er sich sofort dahin, sie sei im Hemd gelegen; endlich habe Comitats-Archiv, unter den zu reponirendcn Acten kramend, Moriz selbst einmal gesagt: „Alles, was er erzählt habe, sei das Ministerial'Reskript fand und las, welches seine Ver-! nicht wahr." —Barcza's Vernehmung machte auch die neuersorgung von Staatswegen decretirt. Offenbar hatte man . liche Vorrufung Recski's, Peczclps, Moriz' und endlich Hennicht gewagt, ihm einzutrichtern, daß die Mähr von diesem ters nöthig. Namentlich des Letzteren Verhör war belang- Erlasse gestern officiell dementirt wurde. Man riskirte lieber! reich. Seine Anschauungen über Macht und Omnipotenz des die Blamage, als daß man den Knaben stutzig gemacht hätte, wohledlen Comitats und des gnädigen Herrn Vicegespans, Denn die Möglichkeit, den Knaben auf den Weg der Wahrseine Ausschlüsse über die Haltung des Knaben in den letzten heit zu führen, wenn er nur dem unseligen Einflüsse entzogen 13 Monaten, so beispielsweise über seine Lectüre: „Függelwird , dem er jetzt unterliegt, ist trotz Allem nicht ausgeschlossen, dafür hatten wir heute einen augenfälligen Beweis: drei Bertheidiger führten ein Kreuzverhör mit dem Knaben; Heumann meinte: Wie kann Dir's doch nur einfallen, daß die Inden Dich, weil Du die Wahrheit sagst, umbringen würden? Ich selber bin doch auch Jude. Ich rede doch lenseg", „Budapest", Nqirvideki Közlöny" und zwei katholische Gebetbücher — erwiesen der Bertheidigung bessere Dienste, als das schönste Plaidoycr. Uebrigens kann Herr Henter auch grob und protzig sein, insbesondere wenn er nicht recht weiß, wie er antworten soll, ohne sich oder die Seinen zu compromittiren. Alle Zeugen dieser Kategorie auch immer die Wahrheit und mich schlägt doch Niemand leugnen gegen die Aussagen Barcza's natürlich Stein und todt? Der würdige Funtak stellte seine außerordentlich gut Bein. Herr Peczeln dcponirt endlich mit scheinheilig verkonzentrirtc Frage in außerordentlich herzlichem Tone und drehten Augen, Barcza habe ihn bestechen wollen, auch der endlich kam Eötvös mit einem Appell an Herz und Kopf, an Comitatsdiener Bvbak könne das bestätigen. Barcza will Seele und Gewissen — und der Knabe wurde auffällig still, einfach gesagt haben, wenn er die für die Auffindung ausauffällig düster. Wenn Eötvös noch wenige Minuten hätte gesetzten 500o fl. erlange, solle Jeder, der ihm geholfen, sprechen dürfen, Niemand vermag zu sagen, ob dem Burschen einen Antheil haben. Die Berufung Bobak's, der ganz aus nicht gar eine Thräne ins stiere Auge getreten wäre und dem Stegreif von seiner Hausarbeit weg rasch zur Zeugenwer weiß, ob nicht unter der Wärme einer solchen ersten schast berufen wurde, veranlaßte Eötvös, vom Präsidenten Thräne die Eisrinde, mit der man das Herz des Knaben die Schließung der Saalthüren zu erwirken; die ganze Zeuumpanzert hat, geschmolzen wäre! Indessen, der Präsident genschaft Bobak's sei erst während des Verlaufes der Verentschied, der Bertheidiger habe Fragen zu stellen, Ermah- Handlung improvisirt worden. nungen zu ertheilen sei seine Sache und dann sprach er zum Nun, die Eingangsthür schließen, ist etwas: die Haupt- Knaben: Antworte Du, was Du weißt, und weißt Tu nicht, fache aber wäre doch, die Thür des Nebensaales hinter dem was Du antworten sollst, so sagst Du einfach: „Das weiß Gerichtssitze zu sperren. Die Damen haben diese „Loge" ich nicht!" Damit war manche Klippe umschifft, nur die verlassen, aber dafür sind die Herren dort cingerückt und der eine nicht, daß Moriz unbedachter Weise behauptete, sein Präsident, in dessen Hand die höchste und einzige Disciplinar-