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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-17 · Heft 29 (17.7.1883) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 29 (17.7.1883)
Date
1883-07-17
Page
Seite 466 (sequence 4)
Language
German
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466 die Versammlung schlug, spottet jeder Beschreibung; Angst, Scham, Abscheu, Entsetzen auf allen Gesichtern ohne Unterschied» und um der fürchterlichen Spannung ein Ende zu machen, legt der Staatsanwalt ein Entlassungs-Zertifikat! der Gefangenhaus - Direction Jllava auf den Gerichtstisch nieder, welches Herrn Peczely, der in diesem Kapitalproceste I die wichtige Bertrauensrolle eines Schriftführers und officiellen! Zeugen inne hatte, kurz und trocken bestätigt, daß er zwölf! von seinen fünfzehn Jahren redlich abgesefien und den Rest! wegen guten Benehmens geschenkt bekommen hat. j Der Präsident verfärbte sich, das Papier zitterte in! seinen Händen, er las es halblaut wiederholt durch, als j vermöchte er den Inhalt absolut nicht zu begreifen und zu! glauben und legte es schließlich lautlos vor sich hin. Eine Weile sah man auch dem Peczely an, daß ihn die Erinnerung an jene Zeit überwältige, da er selber dem Hochgerichte so nahe gestanden, welchem er die vier Juden auf der Anklagebank mit solchem Eifer zu überliefern trachtet; allein er ermannte sich alsbald leidlich wieder und antwortete im weiteren Verlaufe des Verhörs auf alle Fragen grob und brüsk, mit der vollen unqualifizirbaren Frechheit eines Menschen, der nun doch nichts weiter mehr zu maskiren und zu riskiren hat. Das Auditorium aber fand es heute, sobald man sich von dem ersten Schlage wieder ein wenig erholt hatte, für gut, feinen Sympathien und Antipathien fast so ausgiebig die Zügel schießen zu lasten, wie in den schönen ersten Berhandlungstagen, die Bertheidiger zu höhnen und dem Staatsanwalt ein .gyaläzat“ um das andere zuzurufen. Eindruck machen übrigens diese Jnterjectionen bei den Adressaten durchaus nicht. Es versteht sich von selbst, daß ich Ihnen die Depo-! sitionen des heutigen Tages dem vollen Wortlaute nach übermitteln laste. Ich meinerseits will nur ein Ergebniß der! Vernehmung Peczely's besonders markiren: Eötvös stellte ihn j vor das Dilemma, wie er denn am 22. Mai krank in Nyire-! gyhaza gelegen sein wolle, da doch ein, das Datum Tißa- Eßlar tragendes Protokoll von ihm gefertigt ist? Was da; nun falsch sei, wollte der mit beängstigender juridischer! Schärfe drängende Examinator wisten: — das amtliche Pro tokoll oder die gerichtliche Aussage? Schließlich kam heraus, daß Peczely bei den Vernehmungen zumeist gar nicht anwesend war, sondern jedesmal, so oft wieder ein Stoß solcher Berhörsprotokolle fertiggestellt war, sich eine Stunde Zeit nahm und das Ganze der Reihe nach unbesehen mit seiner amtlichen Unterschrift als Protokollführer Unterzeichnete. Auf Peczely — Recski! Eine distinguirte Gestalt, ein stattlicher Mann von durchaus sympathischem Eindruck, aber die grobe Redeweise, die unehrerbietige Ungeduld, der scheue Blick bekunden — um Alles in einem Worte auszudrücken - den Panduren-Commistär! Alle die Widersprüche, augenfälligen Ungereimtheiten und sofort nachgewiesenenen Un- Möglichkeiten, von welchen die Aussagen dieses Herrn wimmeln, vermag ich nicht aufzuzählen. Vom meisten Belang waren die Aussagen der Dienstboten des Recski, welche während des Verhörs, das dieser und Peczely mit Moriz anstellten, an dem offenen, nur wenig von Jalousien verdunkelten Fenster zusammen lauschten, bis Recsky ihr Geräusch hörte und herauskam und sie entliefen. Zuerst der Kuffcher Zdanek. Er sagte aus, daß Moriz zuerst sagte, er wisse von dem Mädchen garnichts, worauf Recski dem Panduren befahl: „Gieb ihm eine Ohrfeige!" Hierauf sagte der Knabe dann, was ihm der Sicherheitscommisiar vorsagte. Recski mußte zugeben, daß er das! Geräusch der Leute vor dem Fenster gehört und hinausgej gangen, um sie zu verjagen. Ausführlicher war die Aussage der Marie Lesko, die als Dienstmagd bei Recski diente. Sie j hatte an vielen Orten ausgesagt, „daß Recski den kleinen Knaben! gefoltert habe." Sie sagt aus: Rccski sagte zu dem Knaben, er! solle gestehen, ob sein Vater oder der jüdische Bettler das Mäd- : chen umgebracht hätte? Der Knabe wollte in keinerlei Weise ge-! stehen; Herr Recsky zog ihn am Ohre, später gab er ihm eine! Ohrfeige, später schlug ihn der Pandur mit einer Karbatsche. So peinigte man den Knaben gar sehr. Um I I Uhr kamen zwei | Herren und Recsky forderte den Knaben auf, zu gestehen; er! wollte jedoch nicht gestehen, worauf ihm Recsky ärgerlich zuschrie: „Willst Du nicht gestehen?" worauf der Knabe Herrn Recsky Alles nachgesprochen und wenn er zögerte, gab er ihm eine Ohrfeige. Als nach einiger Zeit eine Judenfrau aus Sziget eingebracht wurde, da erzählte sie ihr, wie der Knabe gefoltert worden. Dies hörte die Amme und sagte es dem Recski, der das Mädchen hereinrief und mit einem dicken Stocke fürchterlich schlug. Dies letztere bestätigte ein anderes Mädchen, Arvai, der sie ihre Wunden zeigte und die ihr rieth, zum Arzte zu gehen, was jedoch die Lesko nicht that, weil sie fürchtete, dann noch einmal geprügelt zu werden. Auch dieses Mädchen hat das Haus Recski's verlassen, wie sie sagte: „Weil ich es nicht aushalten konnte; er hat mir von meinem Lohn abgezogen, hat mich viel geschlagen, ist mit c den Häftlingen und Jedermann ungebührlich umgegangen." — Bevor wir zum achten Berhandlungstage übergehen, müssen wir zur Orientirung den allgemeinen Bericht des „Pester Lloyd" wiedergeben, da er die Situation, die Persönlichkeiten und den Erfolg aufs Schärfste charakterifirt. „Nach der gestrigen grausamen Niederlage Koloman > Peczely's durchschwirrten vielfache Gerüchte und Variationen über den Hergang jenes Mordes, für welchen dieser Unselige zu büßen hatte, die Stadt; erst heute bin ich in der Lage, Ihnen theils auf Grund guter Privatinformationen, theils auf Basis der heute zum Sitzungsschluste verlesenen Informations-Tabelle der Strafhans - Direction Jllava, verläßliche

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