Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1883)
- Date
- 1883-07-17
- Page
- Seite 465 (sequence 3)
- Language
- German
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4f>o sei, inmitten der Ausschreitungen des menschlichen Geistes, der Entartung der Gesetze, die ihn von allen Seiten um gaben, inmitten dieser riesigen Bernichtung der Masse unter dem Despotismus der Tyrannei oder der schamlosen Aristo kratie, welche den Menschen unter das Thier stellten, wie sich erklären, daß dieser Mann aus einem Guß eine Gesetzgebung schuf, wo der Mensch immer nur des Menschen Nächster ist, wo die Brüderlichkeit allein herrscht und als erste der Tugenden besohlen wird, wo kein Gesetz willkürlich ist, sondern immer als Basis und Zweck die Liebe zu Gott und die Existenz des Menschen, seine Vermehrung, seine Er- Haltung, sein Wohlbefinden hat; wo die Strenge der Gebote sich steigert nach dem Grade der Annäherung an Gott oder an das menschliche Leben, und besten belebender Geist eines Tages, nachdem er alle antiken Gesetzgebungen umgeworsen hat, welche, ohne sich um das Leben und das Wohlbesinden des Menschen wie um seine Moralität zu kümmern, nur aus den Egoismus und die Ausbeulung der Masse durch eine, Kaste basirt waren, mit seinem mächtigen Hauche alle mo- : dernen Gesetzbücher beleben und ihnen den göttlichen Keim ■ einführen sollte, der, von Jahrhundert zu Jahrhundert wachsend , zum Ende der Zeiten die allgemeine Brüderlichkeit; herbeiführen wird." „Welch' ein unermeßlicher Unterschied zwischen diesen heidnischen Gesetzen, welche den Sohn seinem eigenen Vater als Beute überlieferten, und den jüdischen Gesetzen, welche dem Familienvater nicht einmal gestatteten, seine Kinder zu enterben. Zwischen diesen abscheulichen Gesetzen, welche den Menschen die Kunst lehrten, die Menschheit in ihrer Quelle zu tödten, und den mosaischen Gesetzen, welche die Vereinigung der Geschlechter mit der göttlichen Voraussicht ordneten, welche so umsichtig für die Vermehrung, die Erhaltung und für die moralische wie physische Schönheit des Geschöpses sorgten; zwischen diesen Gesetzen, welche den Diebstahl, den Ehebruch, die Schamlosigkeit, den Mord, die Blutschande, alle diese namlosen Verbrechen predigten, deren Geheimniß nur die heidnischen Kaiser besaßen, und denjenigen des Volkes Gottes, welche jedes Verbrechen gegen die Gesetze der Reinheit oder der menschlichen Existenz mit dem Tode bestraften; welche jede Verbindung außerhalb der Ehe so sehr verpönte, daß sie den Priesten verboten, jede Frau zu heirathcn, welche in dieser Hinsicht nicht völlig vorwurfsfrei war; welche die Verheirathungen durch alle möglichen Mittel beförderten, so daß sie selbst den jungen Gatten gestatteten, während des ersten Jahres ihrer Verhcirathung nicht in der Armee zu dienen, welche die Keuschheit so behüteten, daß sie den Opfernden untersagten, auf Stufen zum Altar zu steigen, aus Furcht, ihre Nacktheit den Anwesenden zu zeigen." Die Hchlußverhandlung im Tißa-Eßlarer proceß. ui. Das Hauptinteresse dreht sich nunmehr um den Kanzlisten und Gerichtsschrciber Peczely und den Sicherheitscommistar Reeski. Diese waren die eigentlichen Werkzeuge des antisemitischen Complots. Ob sie die Aussage Moriz Scharsis selbst gebraut, oder ob ihnen das höllische Gebräu schon zurecht gemacht übergeben ward, wollen wir nicht entscheiden: sie waren es aber, die, nachdem der Untersuchungsrichter viele Stunden vergebens den Moriz verhört und bearbeitet hatte, und dieser der Wahrhcir, gar nichts zu wissen, treu geblieben, in einer kurzen Stunde das zusammengclogcne „Geständniß" zu Stande brachten, Recsky dictirte es dem Peczely, und Moriz mußte es unterschreiben mit dem Zusatz „freiwillig, ohne jeden Zwang" — schnell war in der Nacht Bary herbeigeholt und das Protokoll fertig gemacht! Wie man dies bewirkte, kann jetzt nicht mehr zweifelhaft sein, nachdem die eigenen Dienstboten Recsky die scheußlichen Prügel bekundet haben, die der „Sicherheitscommistar" dem als „feige, furchtsam und verstockt" geschilderten Knaben applicirtc, bis er zugab, was man ihm vorsagte. Peczely und Recsky leugnen das natürlich rundweg, die Gegenzeugen sind „bestochen", Peczely leugnet sogar, was Moriz ausgesagt, daß er ihm „ewiges Gefängniß" angcdrvht hat. — Es wird daher von Interesse sein, jene beiden Persönlichkeiten etwas näher kennen zu lernen. Der Corresp. des „Pester Lloyd" sagt hierüber: „Der Gerichtskanzlist des Nyiregyhazaer königlichen Gerichtshofes Koloman Peczely tritt ein. Die Erscheinung dieses Menschen macht einen ganz erträglichen Eindruck, so lange er uns das Gesicht nicht zuwendet; aber dieses etwas schief gezogene, hagere Gesicht mit dem braunen, grau melirten, stachelig kurzgeschnittcucn Haupt- und Barthaare, dem fahlen Aussehen und dem stechenden, widerlichen Blick, ist nicht anders zu charakterisiren, als mit dem allerdings nicht literarischen Ausdrucke: eine „connscirte Visage". Kaum hat den Herrn Gerichtskanzlisten der Staatsanwalt mit einigen kurzen, aber scharfen .Kreuz- und Querfragen eine Zeit lang im Gebet gehabt, so erhebt sich Eötvös und schleudert der Jammergestalt die zwar in Form einer Frage gekleidete, aber mit furchtbarer Positivität ausgesprochene „Erinnerung" ins Gesicht: „Sie haben wegen Mordes zwölf Jabre lang in den Jllavaer Kerkern gebüßt?" Der also Apostrophirte erwidert mit einem Worte, welches aus dem Munde eines intacten Menschen eine Beleidigung wäre, welches aber von einem abgestraften Mörder, in sichtlicher Höllenangst gesprochen, dem Bertheidigcr nur ein gleichmüthiges, iguorirendes Achselzucken entlockt. , Die Wucht, mit welcher diese Wendung der Dinge in 2s*