Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1883)
- Date
- 1883-07-10
- Page
- Seite 452 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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452 um die richtige Vorstellung von der Affaire zu gewinnen,; welche unter dem Namen Affaire von Tißa-Eßlar Weltruf; erlangt hat." — An thatsächlichen Beweisen, wie man den Gang des Proceffes zu entstellen sucht, fehlt es denn auch einen Dienst zu leisten, worauf das ganze Lügengebäude des Moriz Sch. sich aufbaut. — Von Wichtigkeit war es, daß die Zeugin Langyel, welche einen Hilferuf aus der Synagoge gehört haben wollte, jetzt eingestand, daß sie diesen Ruf nicht. Am 21. d. verbreitete sich das Gerücht, zwei Männer gegen Abend gehört habe, und ihn so beschreibt, daß er so hätten die Mauern des Comitathauses, in welchem Moriz' Scharf detinirt ist, übersteigen und diesen entführen wollen. gut wie in nichts verläuft; auch andere Angaben, die sie dem Untersuchungsrichter gemacht, nimmt sie zurück. Von ent- Die antisemitischen Blätter verkündeten sogar, daß die Juden! schiedener Bedeutung aber war die Aussage des Kutschers das Comitathaus mit Dynamit in die Luft sprengen wollten. Hatalovßky, daß Frau Huri die Esther öfter auch zur Ber- Alsbald wurde das Haus mit 50 Gcnsdarmen umgeben, und sorgung des Viehes benützte, was jene geleugnet hatte, und der Knabe hinausgeführt, um ihm diese Schutzmacht zu zeidaß er hörte, wie Frau Huri, die Dienstherrin Esthers, Nachgen und ihm so recht begreiflich zu machen, was er von den! mittags 3 Uhr der Esther befahl, sie möge um Farbe gehen. Juden zu fürchten habe, und wovor er zu schützen sei. Unter! Das Mädchen erklärte, cs wolle nicht gehen, worauf Frau solchen Einflüssen lebt der Knabe seit 14 Monaten und hat Huri erwiderte: bis zum Abend kannst Du dreimal zuer seine Aussagen gemacht.' Glücklicher Weise wacht der; rück sein. Staatsanwalt über diese Vorgänge. Während der Präsident! Samuel Frankl, Einwohner von Tißa-Eßlar, sagt aus, des Gerichtshofes dem Gerüchte sogar einige Worte widmete, daß er am fraglichen Samstag der Frau Huri begegnete, die ließ der Staatsanwalt durch den Stadthauptmann die Sache ihm sagte, daß sie die Esther schon zweimal in's Dorf geuntersuchen, und es ergab sich, daß zwei Pester Corresponschickt habe, deuten den Lehrer des Knaben über dessen Benehmen und Interessant und bedeutsam war ferner die Confron- Fortschritte interviewen wollten, und da sie den Lehrer nicht tation der Rosa Rosenbcrg, eines 15jährigen Mädchens, mit zu Hause trafen, der eine der Frau desselben seine Visiten- Sophie Solymosi, welche damals in Rosenberg's Hause gekörte übergab! Charakteristisch ist auch, daß trotz des Prodient hat; sie sah vor dem Hause ihres Vaters die Esther testes der Bertheidiger der Untersuchungsrichter Vary einen auf dem Rückwege vom Krämer mit ihrer Schwester Sophie Platz im Saale so eingenommen hat, wo jeder Zeuge an ihm stehen und plaudern; es war um ein Uhr Nachmittags, vorübergehen muß. Dies verhindert jedoch nicht, daß aus Sophie Solymosi hat gestern dasselbe ausgesagt. Frau Huri dem Zeugenverhöre eine Menge in den Untersuchungsakten behauptet nun heute, die drei Mädchen hätten einander um vorkommende Widersprüche, Unrichtigkeiten und willkürliche zwölf Uhr begegnet. Rosa selber habe gesagt, jetzt ist es Auslastungen wichtiger Thatsachen hervorgeht. Am 3 und 4. Tage der Verhandlungen fanden Zeugenverhöre statt, welche einige entlastende und für die Vertheidigung wichtige Momente ergaben. Die Frau Solymosi suchte sich ein frömmelndes Air zu geben und sprach wiederholt von Ahnungen und von göttlichen Eingebungen, die ihr zwölf Uhr. Tie Zeugin stellt das energisch in Abrede. Sophie, die heute ihrer Pathe Frau Huri zustimmen möchte, giebt dermaßen grobe Antworten, daß sie sich wiederholt Ermahnungen und Rügen des Präsidenten zuzieht. Die Vertheidigung legt großes Gewicht darauf, die Tagesordnung nachzuweisen, welche die Juden in Eßlar an gesagt hätten, daß die Juden ihr Kind getödtet haben. Dies jenem Samstag eingehalten haben; in dieser Beziehung sind hinderte jedoch nicht, daß sie mehrfach aus Widersprüchen er-; tappt wurde, so z. B. daß sie bereits aus die Suche nach ihrer Tochter ausgegangen sein will, bevor sie noch von der Tienstherrin derselben, Frau Huri, verständigt war, daß das Mädchen vermißt werde. Auch diese Frau Huri wurde mehrerer unrichtiger Aussagen überführt. Durch die Aussagen der Schwester Esthers und des Krämers Kohlmeyer wurde erwiesen, daß die Esther um 12 Uhr, wo sie doch nach Moriz Sch. schon gemordet sein sollte, noch in Osalu, eine halbe Stunde von Eßlar gewesen sei. Noch mehr, die Familienmitglieder Batori, welche bei Joseph Scharf am Samstag Dienste leisteten, waren auch an dem betreffenden Samstag wiederholt bei Joseph Sch. thätig, was Moriz Sch. geleugnet hatte. Hierdurch wird eben widerlegt, daß Joseph Sch. die Esther von der Straße hereingerufen habe, um die Aussagen des Jakob Süßmann und der Katharina Barga, der Tochter eines Tabakgärtners auf der Besitzung des Herrn von Onody, welche damals bei Süßmann als Magd bedienstet war, von entscheidendem Belange. Süßmann sagt aus, der Schächter Burbaum, der bei ihm wohnte, sei mit ihm um 11 Uhr aus dem Tempel nach Hause gekommen, habe bei ihm zu Mittag gegessen, nach Tisch geschlafen und sei dann wieder mit ihm zum Nachmittagsgebet gegangen. Die Magd bestätigt diese Angaben und es erscheint damit das Treiben Buxbaum's den ganzen Tag über nachgewiesen. Wollen wir in Kürze die Bilanz des heutigen Verhandlungstages ziehen, so ergiebt sich, daß ein Hauptmoment der Anklage nach dem andern abbröckelt. Das Hilfegeschrei erweist sich als ein einfacher Ruf, wenn nicht gar als Halluzination einer schwachsinnigen kranken alten Frau. Esther