Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1883)
- Date
- 1883-07-03
- Page
- Seite 440 (sequence 10)
- Language
- German
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haben. Und dies erfüllte sich denn auch in schönem Maße,! wenn auch erst allmälig der Sinn für diesen Zweck herangezogen werden mußte. Gerade deshalb war auch die Bil» düng provinzieller Vereine angemessen, weil sich in kleinern! Kreisen das Interesse für einen wohlthätigen Zweck eher! wecken und erhalten läßt, als für einen solchen über große! Länder. So zieht selbst die Achawa, welche doch die jüdischen Lehrer aller deutschen Länder umfaßt, ihre meisten Unterstützungen aus ihrem Sitze Frankfurt a. M. und Umgegend. — Diese Betrachtung drängte sich uns bei dem „Fünften Rechenschaftsbericht über die Unterstützungskaffe für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover"! auf, welcher sich über die Jahre 1880, 1881 und 1882 > erstreckt. Die Einnahmen beliefen sich in diesen drei Jahren! auf 12,215 Mark, worunter Beiträge der Mitglieder 14,17 Mark. An Ausgaben wurden in je 5 Fällen in den drei Jahren zusammen 7881 Mark ausgezahlt, worunter die höchste Rate 1200 Mark, die geringste 200 Mark betrug. Die Ausgaben insgesammt beliefen sich auf 80,109 Mark, so daß ein Ueberschuß von 4196 Mark verblieb, wovon 3000 Mark dem unangreifbaren Fond zugewiesen werden konnten. Dieser betrug am 1. Jänuar 1883: 41,000 Mark. — Es ist daher wirklich zu verwundern, daß es auch in dieser Provinz noch immer Lehrer gibt, welche diesem Vereine nicht beigetreten sind. Deshalb hat die diesjährige Versammlung des Vereins Veränderungen in den Statuten beschlosien, welche den Eintritt zukünftig erschweren, von der Ansicht ausgehend, daß diejenigen, welche sich der gedeihlichen Fortentwickelung des Vereins entzogen haben nicht verdienen, in völlig gleicher Weise die Früchte derer mitzugenießen, welche mühsam den Gegenstand ihrer Pflege herangezogen haben. Ein Gleiches hat ja auch die Achava gethan. Wir unsrerseits billigen dieses Verfahren nicht. Die wesentlichen Mittel des Vereins gingen und gehen aus wohlthätigen Spenden und Beiträgen hervor, deren Gebrauch weiterhin nicht erschwert werden sollte. Hier vor Allem wird es sich bewähren, daß, je liberaler die Bestimmungen des Vereins gestellt sind, desto freigebiger die Hände der Wohlchäter sein werden. Kommen engherzigere Grundsätze zur Geltung, so kann sich leicht die Theilnahme der Menschenfreunde vermindern. Aus Württemberg, im Juni. (Privatmitth.) Württembergs Scbuljugend. Die Gesammtzahl der Schüler an den ösientlichen Gelehrtenschulen beträgt nach den letzten statistischen Erhebungen 9064; von diesen gehören 6630 der evangelischen, 2050 der katholischen, 365 der israelitischen, 19 anderen Consessionen an. In den Volksschulen sind 302,449 Schüler und zwar 143,714 Knaben und 158,735 Mädchen; 100,441 Knaben und 112,773 Mädchen gehören der evangelischen, 42,567 Knaben und 44,998 Mädchen der katholischen Consession an. 1151 Kinder sind Angehörige der jüdischen Religionsgesellschaft. (Das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung des Königsreichs zur Gesammtbevölkerung ist 1,5'% während die die gelehrten Schulen besuchende jüdische Jugend 4% beträgt. Die jüdischen Schüler der Volksschulen hingegen belaufen sich auf 0,38 % der Gesammtzahl. Jedenfalls ist die, die höheren Lehranstalten besuchende jüdische Jugend in Württemberg doch nicht so groß wie in anderen Staaten.) O esterrei ch-Ungarn. Wien, 17. Juni. (Privatmitth.) Als ein wichtiges Aktenstück zu den in zwei Tagen zu eröffnenden Proceßverhandlungen in der Tißza-Eßlarer Affaire muß doch noch das jüngst erfloffene Gutachten des k. k. Obersanitätsraths und Profeffors der gerichtlichen Medicin vr. Eduard Hofmann Hierselbst vom 9. Juni nachdrücklich hervorgehoben werden. Es füllt mehr als 2l/.i Riesenseilen des „Pester Lloyd" vom heutigen Datum aus und ist mit einer wisienschastlichen Objekttvität und außerordentlichen Sachkenntniß, wie es von einer so bedeutenden Autorität zu erwarten war, abgefaßt. Das Resultat ist, daß die Tißza-Dadaer Leiche durchaus nach Alter und Beschaffenheit die der Esther Solymossi gewesen sein konnte und nichts an ihr dem widersprach, was über diese letztere bekundet worden. Man erinnere sich, daß mit der Jdentttät dieser Leiche die Anklage gegen die unglücklichen Schächter völlig zusammenbricht. Man schreibt auch der „N. fr. Pr.": Die Bertheidiger in dem Tißza-Eßlarer Prozeffe wendeten sich auch an mehrere ausländische medicinische Celebritäten um Gutachten über die Sectionsbefunde bezüglich des Tißza-Dadaer Leichnams. Unter Anderen gab Virchow in Berlin ein Gutachten ab, welches mit dem Hoffmann's in Wien übereinstimmt. Der berühmte Berliner Anatom bezweifelt die Erklärung des Pester Landes- Sanitätsrathes; es sei nicht wahrscheinlich, daß die Leiche nur 14 Tage im Wasser gelegen. Der Zustand des Leichnams spreche vielmehr für einen hohen Grad der Maceratton (Knochenauflösung) und für einen langen Zwischenraum zwischen dem Tode und dem Auffinden der Leiche, sowie für einen längeren Aufenthalt der Leiche im Waffer. Das von den Nyiregyhazaer Acrzten aufgenommene Sections-Protokoll enthalte, wie Birchow ferner hervorhebt, über sehr leicht constatirbare Thalsachen widerspruchsvolle Angaben. Frankreich. Paris, 17. Juni. (Privatmitth.) Sie fragen mich, welchen Eindruck hier zu Lande die jüngste Vorlesung Renan's gemacht habe? So etwas ist allerdings weder greifbar noch sichtbar, und wir bürten nicht vergessen, daß die leichtlebigen Franzosen für geistreiche und in glänzender Sprache vorgetragenen Ideen, namentlich wenn sie eine für sie über-