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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-26 · Heft 26 (26.6.1883) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 26 (26.6.1883)
Date
1883-06-26
Page
Seite 426 (sequence 12)
Language
German
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426 nichfache Borfälle in letzter Zeit erwiesen, auch nicht an Leidenschaft und Wärme fehlte. Seine finanzielle Unabhängigkeit, die er sich trotz der Verbindung mit den hervorragendsten Geld - Instituten und Firmen zu erhalten wußte, machte sein Urtheil in allen finanziellen Fragen doppelt werthvoll, und gerade der Fehler, den man ihm so oft zum Borwurf gemacht hatte, eine zu ängstliche Prüfung aller finanziellen Entwürfe, der kritische Zug, der ihn beherrschte, machten sein Wort um so beachtenswerther. Freiherr v. Winterstein war insbesondere ein Vertrauensmann des verstorbenen Chefs des Wiener Hauses Rothschild, und dieser berief ihn in die Verwaltung der Südbahn, der Creditanstalt, deren Vice-Präsident er bis vor Kurzem war, und später in die Verwaltung der Nordbahn, als deren Präsident er erst vor wenigen Wochen in Folge eines Conflictes demissionirte. Wer ihn noch vor wenigen Tagen gesprochen hat und den Eifer bemerkte, welchen er allen öffentlichen Angelegenheiten zuwendete, das Jnteresie, mit welchem er die bevorstehenden Verhandlungen über die Erneuerung des Privilegiums der Nordbahn verfolgte, konnte nicht ahnen, daß der Tod so rasch einem thatenreichen und ernsten Zielen zugewendeten Leben ein Ende machen werde. Es hat Freiherrn v. Winterstein nicht an Gegnern gefehlt. Er hatte gegen Fremde ein kaltes, vielleicht abweisendes Wesen, man hielt ihn für hochsahrend; aber diejenigen, welche ihm nähertraten, wußten genau, daß hinter dieser eisigen Hülle ein warmfühlendes Herz schlug und daß gerade sein Stolz seine Wurzel in einer durchaus bürgerlichen Gesinnung fand. Niemand hat Freiherrn v. Winterstein je eine Jnconsequenz nachzuwcisen vermocht. Bon Baron Bruck in die Enquete zur sein Adoptivsohn und Universal-Erbe, Baron von Geiringer- Winterstein, gehört nicht dem Judenthum an. Linkhändig! Unsre Leser erinnern sich der Notiz in Nr. 14 d. Zeit, über die Behauptung eines Baseler Profeffors, daß die alten Semiten linkhändig gewesen. Es ist dies Dr. A. Er len - meyer, der in seinem Buche: „Die Schrift, Grundzüge ihrer Physiologie und Pathologie" (Stuttgart, Bonz. 1879) diese Behauptung aufstellt und damit das Schreiben von rechts zu links erklären wollte. Wie er sagt, hätte er sich zur Beweisführung eines Rabbiners Fromm zu Frankfurt a. M. (?) bedient. Wir erhalten nun von Herrn Moses Berlin in Petersburg eine Erwiderung, die er damals gutachtlich für einen Arzt, der ihn deshalb befragte, verfaßt und bei Lesung unsrer Notiz uns zum Abdruck überschickt hat. Dieselbe lautet: „Ohne mir anzumaßen, über die speciell medicinischen Hypothesen des Herrn Erlenmeycr zu uriheilen, will ich nur die angeführten rabbinischen Citate prüfen, wobei ich leider genöthigt bin, mich dahin auszusprechcn, daß dieselben ganz irrig sind. a) Schon bei ten allerältesten Hebräern, nämlich bei den Patriarchen, war die rechte Hand die bevorzugte,') toas sowohl aus dem Segen des Erzvaters Jacob für seine Enkel, der Söhne Josephs, bei der Ouerüberlegung der Hände (Oenesis XLVIII. 13, 14, 17, lö) als auch aus mehrern andern Stellen, die ich der Kürze wegen übergehe, zu ersehen ist. -) b) Die alten Hebräer haben nie-von links nach rechts Revision des Zolltarifes berufen, sprach er sich entschieden! geschrieben. Die Inschrift auf der Bildsäule des Moabifür den Freihandel aus, und unter den mannichfachsten! tischen Königs Mescha (Schlottmann, Halle 1870. Nöldeke, Wandlungen der politischen Berhältniffe in Oesterreich ist er Kiel 1870), welche vom Jahre 900 v. Chr. datirt, ist von Freihändler geblieben, und obwohl er das Referat über die rechts nach links geschrieben. :5) letzte Revision des allgemeinen Zolltarifes beim Ausgleiche! ei Im Talmud Menachoth 37 a (nicht I») handelt cs mit Ungarn führte, wahrte er doch seinen individuellen > sich um die Frage: aus welcher Hand man die Tcphilin auf- Standpunkt gegen den Protectionismus durch einen beson- > legen soll. Da mit der Rechten alle profanen Arbeiten verdcrcn, mit Zustimmung der Herrenhaus-Commission aufgerichtet werden, so forderte die Pietät, daß jene aus die Linke nommenen Paffus in seinem Berichte. Freiherr v. Winter-! aufgebunden werden. Seiner Methode getreu, sucht der Talmud stein war kein Führer der Berfaffungspartei, aber eines ihrer j dies aus dem biblischen Text heraus zu finden, und zwar geachtetsten, arbeitsamsten und treuesten Mitglieder. > heißt es: „und bindest sie auf deine Hand (veutr. XI. 18) Er war auch eine Zeit lang im Borstande der Wiener i- Israeli,isch-n Cultnigemeindc. der -r namhafte Spende» testa. j " Die ImIeHand wird dem Talmud nach rra »'die ftum»ft H°nd, , '. , „ , r ’ wogegen die Rechte > 2 ' die kräftige pand genannt (Menachoth) wird, mentarisch hinterlayen hat. Die Prager Armen, welche brs- 2) Im Liede Mosis beim Uebergang durch das roihe Meer her seiner Unterstützung theilhastig wurden, sollen dieselbe ^od. XV 6, 21), beim Salben der Priester «idid. XXIX 2) bei . . , a ' . I Reinigung der Ausiatzigen (Levit. XIV 14) u. a. m. Ein linkhanleinem letzten Willen gematz weiter erhalten. Winterstem > diger jüdischer Richter Ehud wird als ungewöhnliche Erscheinung war ein Mann von stattlicher. sympathischer Erscheinung. I angeführt, was ihm zur Vollziehung der Tödtung seines Feindes zu Das ausdrucksvolle Gesicht war von einem langen weißen 3) Siehe Zeitschrift der deur. Morgen!. Gesell. I87v Heft 1—3. Barte umflossen, von deffen ehrwürdigem Schimmer das lebstelle de Llesa roi. de Moab. lettre A. M. de \ o^ue pur ' _ 3 Ch. Clermont-Ganneau. Paris 187". 4. Revue arehenlomnue 187". hafte dunkle Auge stark abftach. Er war unverheirathet; j Mars & Juin. The Mail 187". c. May u. m. a.

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