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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-26 · Heft 26 (26.6.1883) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 26 (26.6.1883)
Date
1883-06-26
Page
Seite 424 (sequence 10)
Language
German
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424 worden, bis es jetzt seinen Widerstand aufgegeben hat. Es ist hier abermals eine Bestimmung des jüdischen Eherechtes zur Geltung gekommen. Es sind uns Fälle bekannt, in welchen auch jüdische Personen ihre Zuflucht zum Auslande nehmen mußten, um sich dort copuliren zu lasten, und dann noch großen Schwierigkeiten ausgesetzt waren, für ihre Eheschließung die staatliche Anerkennung zu erlangen. Rußland. Petersburg, 5. Juni. Das eben erlaffene Toleranzgesetz kann für die Judenfrage als ein gutes Omen gelten. Wie eine Mahnung kommt die Kunde von der Judenhetze in Rostow am Don; gewaltsam drängen die Verhältniste zur Lösung einer Frage, der wohl nur Wenige noch einen bloß ökonomischen Charakter beimesten. Es ist ein günstiges Symptom, schreibt die „N. F. Pr.", daß selbst unter den Mitgliedern der Juden-Commission, die ihre Thätigkeit unter Leitung des Grafen Pahlen erst im Herbste aufnehmen wird, Stimmen laut werden, welche vor jeglichen Repressiv-Maßnahmen warnen. Fürst Demidow San Donato, der in die Commission berufen wurde, stellte den übrigen Mitgliedern ein Memoire zu, desten Werth allerdings nur darin besteht, daß es die Judenfrage nicht vom engen ökonomischen Standpunkte, im Zusammenhänge mit der politischen Entwicklung der russischen Bevölkerung betrachtet. In ökonomischer Hinsicht vertritt das Memoire die bisher viel bekämpfte Ansicht, daß nur die künstliche Festelung der jüdischen Bevölkerung an die Scholle sie zu einem schädlichen Elemente macht. Aus dem Munde des Fürsten Demidow, eines Freundes und Anhängers des Grafen Jgnatiew, überraschen diese Anschauungen nicht wenig. — Exceste in Rostow sind leider nicht vereinzelt geblieben. Gerade während der Krönungsfeierlichkeiten haben einige Bauern des Gouvernements Podolien am Montreal in Canada, wo ein Rev. Sumuel Marks am Pestach im Sinne der englischen Reformer über die Aufhebung der zweiten Festtage und die Beseitigung mittelalterlicher Auswüchse unseres Cultus predigte. Da er vielen Anklang fand, erhob sich innerhalb der orthodoxen Gemeinde, die meist aus russisch-polnischen Mitgliedern besteht, ein Schlachtruf gegen den Rev. Marks, und man übertrug dies in die dortige Tagespresfe. Hierdurch wurde aber das Gegentheil bewirkt, denn um so entschiedener wandten sich die übrigen auf die Seite des Reformers, so daß sein Rath einen fruchtbaren Boden fand. — Man wird sich erinnern, daß die Synagoge in New-Port die älteste in Amerika ist, und nachdem sich die jüdische Gemeinde von dort verzogen hatte, mit ihrem Friedhofe verlosten war, daß aber Juda To uro durch ein Vermächtniß die Erhaltung derselben gesichert hatte. Jetzt aber hat sich dort wieder eine Anzahl Juden angesammelt, und wurde durch den Rev. A. P. Mendes der Sabbathgottesdienst wieder eingeleitet und findet an jedem Sabbath und Festtage bei zahlreicher Versammlung statt. Bonn, 17. Juni, geschrieben: In Laßlo dem auch die dortige Liegnitz schreibt man (Notizen.) Aus Pest wird uns brach am ö. d. M. ein Feuer aus, Synagoge zum Opfer fiel. — Aus uns vom 10. d.: Nach dem Tode unseres sel. Rabbiners Dr. Landsberg wurde, um die Seelsorge nicht bis zur Wiederbesetzung der Rabbinerstelle zu unterbrechen, vr. Moritz Peritz, Hörer des Breslauer Seminars, zur interimistischen Amtsverwaltung berufen. Derselbe wußte sich die Sympathien der ganzen Gemeinde so zu erwerben, daß er heute einstimmig zum Nachfolger unseres verewigten Rabbiners gewählt wurde. — Professor Hofmann in Wien, eine in der Untersuchung an Wasterleichen bekannte Autorität, hat über die Tißa-Dadaer Leiche ein um- 27. Mai > fastendes Gutachten ausgearbeitet, das in der „Wiener memehrere Judenhäuser im Städtchen Deraschna angezündet,! dicinischen Wochenschrift" erscheinen wird. — Aus Wien in Folge desten mehr als 30 Häuser des Städtchens niederbrannten. Die abgebrannten Häuser gehörten fast ausschließlich Juden und daher kein Wunder, daß bei der Feuersbrunst nach Herzenslust geplündert und gestohlen wurde. Amerika. New-Uork, Anfangs Juni. (Privatmitth.) Das in Amerika innerhalb des Judenthums durchgeführte System, daß jede Glaubensrichtung sich ihre eigene Gemeinde mit Synagoge und Beamten herstellt, auf dem Gebiete der Wohlthättgkeit die Institute hingegen gemeinsam geschaffen und erhalten werden, hat sich durchaus zum Frieden und Wachsthum bewährt. Natürlich, daß an diesem und jenem Orte Heißsporne auftreten, welche den religiösen Frieden stören und ihrem Zelotismus Luft zu schaffen suchen. So jüngst wird uns mitgetheilt: Den 7. d. M. starb hier der Missionär I. E. Salkinson, der die hebräische Sprache meisterhaft handhabte und Milton's „Verlorenes Paradies", Shakspeares „Othello" und „Romeo und Julie" ins Hebräische übertrug. Seine hebräische Uebersetzung des Neuen Testaments, bis auf wenige Stücke fertig, befindet sich im Druck. — Aus Pest wird uns geschrieben: Den 13. d. M. verschied hier plötzlich im Alter von 50 Jahren Herr Moritz Jellinek, ein Bruder des Wiener Predigers, der in früheren Jahren Beiträge für jüdische Zeitschriften lieferte. Derselbe mar Director der hiesigen Straßenbahn-Gesellschaft und erfreute sich allgemeiner Achtung. — In Theresiopol kam es in Folge des j eigenmächtigen Vorgehens des dortigen Vorstehers an den j jüngsten Festtagen zu Skandal im Tempel, so daß die Pein! lizei einschreiten und der Gottesdienst in Gegenwart mehrerer

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