Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1883)
- Date
- 1883-06-26
- Page
- Seite 423 (sequence 9)
- Language
- German
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423 Betriebe wird nur ein Apparat gehalten werden, der zweite! dient als Reserve. j Pest, 13. Juni. (Privatmitth.) Die Strafangelegenheit! der Crawalle gegen die Juden, welche im Herbste vorigen j Jahres im Preßburger Comitate stattfanden, wird jetzt nach * einander verhandelt. In Czekleß wurden die Angeklagten! wegen der Gewaltthätigkeiten, welche sie an den dortigen Juden verübt hatten, bereits in erster Instanz verurtheilt. Die K. Tafel erhöhte die Strafe eines jeden Berurtheilten, so zwar, daß von den durch die erste Instanz zuer' 1 kannten Strafen der höchste Strafsatz von Monaten auf drei Jahre Kerker und der mindeste von 14 Tagen auf sechs Monate Arrest erhöht wurde. In Magyarbel wurden in erster Instanz von 14 Angeklagten 6 zu Freiheitsstrafen von 2 Monaten bis 14 Tagen verurtheilt, die anderen wegen Beweismangels freigesprochen. Lemberg, 22. Mai. Der Lemberger „Israelit" vom 3. Juni schreibt über die Wahl des Rabb. Dr. Bloch zum Reichsraths-AbgeordnetenFolgendes: „DiePartei desMachsike Hadat, ihre offenen wie verkappten Anhänger, haben in dem Wahlresultate von Kolomea, Buczacz und Sniatyn eine entschiedene Niederlage erlitten, eine Niederlage, von welcher sie sich schwerlich erholen werden. Wenn die Wähler in Kolomea, Buczacz und Sniatyn beabsichtigt haben, diese Partei in eklatanter Weise zu desavouiren und ihren Abfall von dieser Partei in der entschiedensten Weise zu constatiren, so! konnten sie es in der That nicht nachdrücklicher gethan haben,! als indem sie an der Stelle des sel. Schreiber den Dr. Bloch j gewählt haben. Ein entschiedenerer Gegensatz als zwischen; Schreiber und Dr. Bloch, zwischen den Ansichten, denen der! selig. Schreiber gehuldigt, und zwischen der Richtung, der! Dr. Bloch angehört, läßt sich kaum denken. Umsonst waren! also die Anstrengungen der Partei des Machsike Hadat, umsonst die von ihnen gesammelten Gutachten angeblicher 320 Rabbiner, welche aus unzähligen Stellen im Talmud und den Dezisionen haarscharf nachgewiesen zu haben glaubten, daß es ein ungeheurer Frevel und eine der schwersten Sünden ist, einen nicht zur Fahne der sog. Orthodoxie schwörenden Juden mit einem Mandate zu irgend welchem Ehrenamte zu betrauen. Alle ihre geschickt angelegten Machinationen haben gleich die erste Probe nicht ausgehalten, die orthodoxen Wähler in Kolomea, Buczacz und Sniatyn haben sich nicht im entferntesten um die 320 Gutachten der 320 Rabbiner und um das Gezeter der Machsike Hadat gekümmert und haben nicht nur einen^ Fortschrittsjuden, sondern gleichsam zum Trotz sogar einen Fortschrittsrabbiner gewählt. Bekanntlich war es von jeher die Taktik der Machsike Hadat, wenn sie zwischen einem Fortschrittsjuden, der in Folge seiner Erziehung vom Judenthume gar nichts oder nur sehr wenig zu wiffen in der Lage ist, und mit dem Judenthume nur ganz lose zusammenhängt, und einem solchen Fortschrittsjuden, der eine echt jüdische Erziehung genossen und in der jüdischen und talmudischen Literatur heimisch ist, zu wählen hatte, dem Ersteren immer den Vorzug zu geben, in der ganz richtigen Voraussetzung, daß dieser ihren Jntereffen weniger schädlich sein kann, da er sich kein Urtheil in speciell jüdischen Angelegenheiten anmaßen darf. Ein Fortschrittsrabbiner nun ist ihnen der Teufel in eigener Person, und einen solchen an die Stelle des selig. Präsidenten der Machsike zu setzen, das hätten selbst wir dem Kolomeaer Wahlbezirke nicht zugemuthet." Daß übrigens die obige Behauptung über die Tendenz dieser Orthodoxen richtig und begründet ist, erwies sich bei der Wahl in Brody, wo der langjährige Abgeodnere Dr. Philipp Zucker dieses Mal mit einer Minorität von 8 Stimmen dem christlichen Gegencandidaten Simon unterlag, weil dieser , von dem Anhang des Belzer Wunderrabbi unterstützt wurde. ' Agram, 12. Juni. Bor einiger Zeit kam hier seit Kurzem schon zum zweiten Male der Fall vor, daß eine Partei, Namens Bartholovics, einen gerichtlich aufgetragenen! Eid verweigerte, weil der functionirende Richter ein Jude! war. Der Gerichtshof verurtheilte den Renitenten zu 100 fl. Geldstrafe. Bartholovics verbüßte dieselbe, recurrirte jedoch j an die Banaltafel. Diese cassirte heute das erstrichterliche j Erkenntniß und ordnete an, der Eid sei durch einen Richter christlicher Confession abzunehmen. (In Kroatien ist der Eid in confessioneller Form gehalten.) Frankreich. Paris, 15. Juni. Wie wenig der Antisemitismus in Frankreich zieht, erweist sich daraus, daß das in Paris erscheinende Blättchen,L’Anti-Semitique“ nach kurzer Dauer verschwunden ist und sich nach dem kleinen Oertchen Montdidier geflüchtet hat, von wo aus es die Juden überreden will, es zu halten. — Die diesjährige hiesige Kunstausstellung bringt eine verhältnißmäßig große Zahl von Werken jüdischer Künstler und Künstlerinnen. Jndeß kann man unparteiisch von ihnen nicht sagen, daß sie über die Mittelmäßigkeit hinausgingen. Bemerkt wird, wie schon früher, daß alle diese Juden und Jüdinnen sich nicht befähigt zeigen, sich von einem biblischen oder jüdischen Gegenstände begeistern zu lassen. Man findet in dem Salon wohl die gewöhnlichen biblischen Stoffe wieder zahlreich behandelt, jedoch nicht vom Pinsel eines jüdischen Künstlers. Großbritannien. London, 12. Juni. Nach langem Kampfe ist gestern Abend im Oberhause die Bill angenommen worden, durch welche es gestattet wird, die Schwester einer verstorbenen Frau zu heirathen. Sechs Mal hatte das Unterhaus diese Bill angenommen und war sie vom Oberhause verworfen 20