Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1883)
- Date
- 1883-06-26
- Page
- Seite 421 (sequence 7)
- Language
- German
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421 Propheten und einige Psalmen das ganze Judenthum, die Verkündigung der universellen religiösen Idee. Wir müssen ihm das nachdrücklich bestreiten. So schön, so erhaben die Reden der Propheten über Gerechtigkeit und Menschlichkeit, so lauter ihre Moral ist: so genügt doch die allgemeine Fassung, die sie ihr geben, die rednerische Action, innerhalb derer sie sie vortragen, nicht — sie setzen überall einen sesten, concreten, längst vorhandenen Boden voraus, der in das Bewußtsein und das Leben des Volkes eingesenkt ist: sie setzen das mosaische Gesetz voraus. Ganz abgesehen von der Lehre von Gott als dem Schöpfer, der Vorsehung und der Vergeltung, welche die Propheten mit großer Innigkeit, doch aber mehr in poetischen, flottirenden Ausdrücken wiedergeben, während die klare und entschiedene Aussprache doch nur in der mosaischen Urkunde zu finden ist, deren Formeln von den Propheten und Psalmisten bisweilen wiederholt werden*) — wie wollte man aus diesen letzteren schon allein die Zehn- Worte ersetzen? Wie schon allein das große Grundgesetz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"? wie die Lehren von der Einheit des Menschengeschlechts, von der Gleichheit im Rechte, von der persönlichen Freiheit, von dem Rechte der 1) Man vergleiche z. B. den Psalm 104 und die Naturschilderungen im Buche Hiob mit der mosaischen Schöpsungsgeschichle; oder die grundlegende Lehre in 2 Mos. 34, 6., wiederholt in Jos! 2, 13, Jona 4, 2., Psalm 86, 15. 103, 8., 112, 4., Neh. 9, 17. 31., 2 Chr. 30, 9. Bedürftigen auf Hilfe, ausgeprägt in bestimmten sozialen Institutionen, von der Verhinderung des Reichthums und der Armuth, wie die Begründung und Sicherstellung des Rechtes durch das mündliche Verfahren, durch die Vorsicht im Zeugenverhör, durch Beseitigung aller Tortur, durch Berpönuug jeder Berücksichtigung des Ansehens und jeder Bestechlichkeit? All' diese Grundsätze des Rechts und der Humanität, die erst nach und nach in unsrer Zeit zum Durchbruch kommen, sie sind ausgesprochen und formulirt in der Urkunde des mosaischen Gesetzes, von ihrem Geiste sind die Propheten und Psalmisten durchdrungen, aber sie setzen sie als verkündet voraus und behandeln sie als überlieferte, unzweifelhafte Wahrheiten, ohne sie jedoch anders als in sehr allgemeinen Phrasen zum Ausdruck zu bringen. Wer könnte z. B. die der Gesellschaft unentbehrliche Institution des Sabbaths aus den gelegentlichen Aeußerungen der Propheten in ihrer realen Gestaltung und in ihrer eigentlichen Bedeutung erkennen? — Wir begnügen uns mit diesen Andeutungen, um hinzuweisen, daß bei der Uebereinstimmung mit den allgemeinen Ideen Rcuan's wir doch den wesentlichen Standpunkt der Vergangenheit und der Gegenwart von ihm hintenangesetzt sehen, und wir durch ihn nur in eine ferne Zukunft versetzt werden, welche eben von unsren Propheten als die einzige Zukunft des Menschengeschlechts verkündet worden. SeiiTi/i/iag yviacij XA'C Deutschland. Berlin, 14. Juni. (Privatmitth.) Tie „Köln Zeit." schreibt: „Die Couservativen haben es noch immer nicht für erforderlich gehalten, den Reichstagspräsidenten zu ersuchen , daß er den Antrag Maltzahn-Gültz betreffend die confessionelle Eidcsabnahme auf die Tagesordnung setzen möge. Die Erinnerung an diesen seltsamen Antrag wird jetzt wieder lebendig, nachdem die unmittelbare Ursache desselben, der Prediger Hapke, am 11. d. M. erneut in der Lage sein sollte, vor dem Amtsrichter Lion die Festigkeit seines Orthodoxismus zu bekunden. (Der Termin ist inzwischen auf Ansuchen des Herrn Hapke vertagt worden; das Gesuch war mit Gesundheitsrücksichten begründet.) Die Partei der Rechten mag indeffen ihre guten Gründe haben, auf der Durchsetzung ihres Anliegens für jetzt nicht zu bestehen. Augenscheinlich ist sie zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Forderung, die in dem Anträge Maltzahn-Gültz formulirt wurde, maßgebenden Regierungskreisen als unzeitgemäß und möglichenfalls als eine Quelle von Verlegenheiten betrachtet wird." Nunmehr ist am 12. auf kaiserliche Ordre die Session des Reichstages geschloffen worden. Mit einem solchen Schluffe verlieren die eingebrachten und nicht zur Verhandlung gekommenen Anträge ihren Bestand, und können in i der nächsten Session nur auf erneueten Antrag zur Verhand-! lung kommen. Der mit so vielem Geräusche von den! Conservativen eingebrachte Antrag auf Wiederherstellung des l confesfivnellen Eides und auf die Bestimmung, daß christliche j Eide nur vor christlichen Richtern abgelegt werden sollen, ist j also so gut wie von ihnen selbst aufgegeben, denn, wenn sie ihn zur Verhandlung hätten bringen wollen, war Gelegenheit dazu genug geboten. Herr Pred. Hapke wird also, von 1 seiner Sommerfrische zurückgekehrt, noch einmal vor dein jüdischen Richter erscheinen und beweisen, ob er unter dieser Bedingung in der Verweigerung feiner Zeugenaussage beharre. Bemerken wollen wir nebenbei, daß Hapke bei der Landtagsersatzwahl für den Wahlkreis Neuwied sich als Candidat hat aufstellen lasten. Er erhielt unter 479 Stimmen — ganzer 19. j AuS dem Elsaß, im Juni. (Privatmitth.) Wir können es mit Befriedigung hervorheben, daß der Kais. Statthalter des Reichslandes, Feldmarschall v. Manteuffel sich in confessioneller