Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-19 · Heft 25 (19.6.1883) · p. Seite 409

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 25 (19.6.1883)
Date
1883-06-19
Page
Seite 409 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227473--40902-3309332
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

409 war, trat die Stadt das benöthigte Grundstück ab und schrieb eine Specialsteuer von 30,000 Dollars zur Unterstützung des! Unternehmens aus. Die Gesellschaft hatte damals die Obsorge für 35 Waisen übernommen. Am 30. September 1832 wurde der Grundstein des „Hebre^v Orphan Asyhnrr in der 77. Straße, Ecke der 3. Avenue, gelegt und am 5. November 1863 wurde das Gebäude unter entsprechenden Ceremonien eingeweiht. Die Anzahl der verpflegten Waisen betrug damals 126. Aber in wenigen Jahren erwies sich auch dies Asyl als zu klein und bei einer allgemeinen Versammlung wurde der Ankauf von Grundstücken und der Bau eines Asylbeschlossen, in welchem 600 Kinder Aufnahme finden können. Eine Anzahl menschenfreundlicher Patrone der Anstalt erklärten sich alsbald bereit, das Unternehmen nach Kräften zu fördern und, wie die heutige Feier zeigt, mit Erfolg." Mit herzlichen Worten des Dankes für alle Jene, welche in irgend einer Weise bei dem Zustandekommen der neuen Anstalt mitwirkten, schloß Herr Jeffe Seligman. Nach Herrn Seligman hielt Oberrichter Charles T. Daly eine Rede, in welcher er sich höchst anerkennend über das Judenthum in New-Hork aussprach. Herrn Daly folgte Pr. F. de Sola Mendes und Herr Carl Schurz hielt die Schlußrede, u. a. bemerkend: „Die Stadt New Ä)ork könne stolz sein auf die Energie ihrer israelitischen Bürger." Der Secretär verlas dann noch Briefe von Präsident! Arthur, von Gouverneur Cleveland, General Grant, General-! anwalt Brewster, worin diese Herren ihr Bedauern darüber > ausdrückten, daß es ihnen unmöglich sei, der Feier beizu-! wohnen.; Der Bau des neuen Waisenhauses wird so schnell voranschreiten, daß desien Eröffnung schon am 1. Mai n. I. , stattfinden kann, und werden wir alsdann eine vollständiges Beschreibung des großartig angelegten Gebäudes geben. Wenige Tage vor der Grundsteinlegung zum neuen jüdischen Waisenhaufe war das mit einem Kostenaufwande von fast 200,000 Dollars in der West 106. Straße erbaute neue „Home for Aged and Infirm Hebrews* unter den üblichen Feierlichkeiten eingeweiht worden. Gegenwärtig befinden sich in dem Institute 48 Frauen und 42 Männer, welche aufs Beste verpflegt und gekleidet werden. Bonn, 10. Juni. (Notizen.) Die „Bad. Landesztg." schreibt aus Karlsruhe vom 25. Mai: Berfloffenen Sonntag wurde die irdische Hülle des für seine Familie, seine Freunde und seine Vaterstadt zu früh verstorbenen Medizinalraths Di*. Hamburger zu Grabe getragen. Ein unabsehbarer Leichenzug bewegte sich durch die Kaiserstraße nach dem israel. Friedhofe. Außer den Mitgliedern des großh. Oberraths der Israeliten, den beiden Bürgermeistern, Vertretern des Stadtraths und der Stadtverordneten, waren beinahe sümmtliche Kollegen des Verblichenen anwesend und von allen Schichten der Einwohner von Karlsruhe und Umgegend wurde durch die ehrenvolle Begleitung die allgemeine Hochachtung, welche derselbe genossen, kundgegeben. Medizinalrath Pr. Homburger. im Jahre 1818 hier geboren, bezog, nachdem er eine sorgfältige Erziehung erhalten und das hiesige Lyceum absolvirt hatte, die Universität Heidelberg und nach längerer Thätigkeit in den großen Spitälern von Berlin, Wien, Paris und London ließ er sich hier als praktischer Arzt nieder. Bei Gründung der freiwilligen Feuerwehr trat er als Arzt in dieselbe ein und blieb bis zu seinem Tode Mitglied dieses Corps. Die für die zwanzig-, bezw. fünfundzwanzigjährige Thätigkeit für die Feuerwehr gestifteten Medaillen sind ihm zu Theil geworden. Nach dem Kriege von 1870/71 wurde er von S. K. H. dem Großherzog durch das Ritterkreuz 1. Klaffe des Zähringer Löwenordens ausgezeichnet und ihm zugleich das für geleistete Dienste während des Krieges gestiftete Ehrenzeichen verliehen. Später wurde er von Sr. Königl. Hoheit in Anerkennung seiner ersprießlichen Thätigkeit zum Medizinalrath ernannt. Medizinalrath Pr. Homburger war viele Jahre thätiges Mitglied des gr. Oberraths der Israeliten, des Bürgerausschuffes und des Ortsgesundheitsraths und hatte stets sein umfangreiches Wiffen allen wohlthätigen und Humanitären Anstalten und Einrichtungen in uneigennütziger Weise gewidmet; er war neben seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis nicht allein Arzt und Berather der Armen, sondern auch deren steter Wohlthäter. Sein Andenken wird bei seinen Mitbürgern stets ein ehrenvolles sein und bleiben, denn er hat sich durch sein menschenfreundliches Wirken ein Denkmal in deren Herzen errichtet. Möge er in Frieden ruhen! — Der französische Oberst Bernhard Abraham, Commandant des 17. Artillerie-Regiments, ist zum Brigade-General gewählt worden. - Hechingen, im Juni. (Musikalisches.) Tie II. Lieferung der „Semiroth l’eel ehoi“ *) — eine Sammlung von Synagogengesängen, componirt von M. G. Löwenstamm, weiland Obercantor in München, herausgegeben von dem genialen Sohn des Verblichenen (Kapellmeister F. I. Löwenstamm in Wien) ist dieser Tage erschienen und umfaßt die Gesänge für den Sabbath - Morgengottesdienst; während die I. Lieferung die Freiragabend-Liturgie behandelt. lieber den musikalischen Werth der Compositionen haben sich Musik-Größen allerersten Ranges «Lachner, Rheinberger, Hanslikj höchst günstig und lobend ausgesprochen; aber auch hinsichtlich ihres liturgischen Werthes und ihrer Bedeutung unserer Synagogen-Musik gegenüber können wir den Tonschöpfungen L.'s unsere Anerkennung nicht versagen. Ein 1) Zu beziehen durch F. I. Löwenstamm, Wien >.. Nibelungen gasse 3, sowie C. A. Andre in Frankfurt a. M. u. Falter u. Sohn in München. 20*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.