Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-19 · Heft 25 (19.6.1883) · p. Seite 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 25 (19.6.1883)
Date
1883-06-19
Page
Seite 408 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227473--40901-3309331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Angabe berichtigt jetzt Rohlfs. Statt einer Bevölkerung von mehr als 6 Millionen, schlägt er sie jetzt mit Klöden auf nur 2,750,000 an. Auch in Marokko leben die Juden nur in den Städten und in den Ksors der Wüste, welche man auch als kleine Städte bezeichnen kann. Nur einige ganz kleine jüdische Gemeinden halten sich zwischen den Berberstämmen des Großen Atlas auf. Hiernach berechnet Rohlfs die Zahl der Juden in Marokko auf ca. «>2,800. Die jüi dische Gebirgsbevölkerung schätzt er auf 2000 Seelen, 5000 in , Nun, ebenso viel in lled Draa. Im Tafilet giebt es 5 von! Israeliten bevölkerte Ksors; nämlich Guirlan, Tabubekirt, Affergin, Ksor djedid, Riffani und Dar-el-beida, ungefähr «5000 Juden, wozu im Norden in Ertib noch eine Milha mit 1000 Seelen zu zählen wäre. Aus allen diesen Zahlen ergiebt sich für Afrika, statt der von Brunialti angegebenen 4.50,000 Seelen, nur 169,800. Hierzu kommen aber nun die von den übrigen Statistikern übergegangenen Falascha's. Flead schätzt sie auf 200,000 Seelen. Greift man aber hoch, so wäre die Gesammtzahl der Abessynier auf IV-, Millionen Seelen zu veranschlagen. Rohlfs glaubt daher, nicht mehr als 50,000 Falaschas annehmen zu dürfen." Die im Copland, Transvaal, Guinea, Senegambien u. s. w. zerstreuten Juden können höchstens auf 1000 Seelen berechnet werden. Das Gesammtresultat für ganz Afrika wäre dann die Zahl von 220,800 Juden. Amerika. Rew-Vork, 20. Mai. Die „New-Aorker Handelszeitung" vom gestrigen Datum enthält eine ausführliche Beschreibung! der Grundsteinlegung zum neuen jüdischen Waisenhause. Das Unternehmen ist so großartig, daß eine Wiedergabe dieses Berichtes geboten erscheint, um so mehr, da er uns einigen Einblick in die Verhältnisse unserer Nordamerikanischen Glaubensgenossen bietet. Nachdem sich das im Jahre 1862 von der „Hebrew Benevolent Society“ erbaute, in der 77. Straße! und 3. Avenue gelegene jüdische Waisenhaus, in welchem! jetzt etwa 300 Zöglinge verpflegt und unterrichtet werden,! als unzulänglich erwiesen hatte, kaufte die Gesellschaft mit! den ihr in reichem Maße zugeflofsenen Beisteuern einen großen, an der 10. Avenue, zwischen der 13«». und 138. Straße gelegenen Bauplatz, um auf demselben mit einem Kostenaufwand von ca. 600,000 Dollars ein Institut zu errichten, welches die doppelte Zahl der bisher beherbergten Knaben aufnehmen kann. Unter Betheiligung vieler hervorragender Bürger aller Confessionen und der Vertreter vieler Wohl» thätigkeitsgesellschaften fand am letzten Donnerstag die Grundsteinlegung zum neuen Gebäude unter den üblichen Ceremonien statt. Der Präsident der „Hebrew Benevolent Society“, Herr Jesse Seligman, dessen Namen wir stets in den ersten Reihen finden, wenn es sich um die Förderung wohlthätiger Zwecke handelt, leitete die Feier mit einer Rede ein, in kurzen Umrissen die Geschichte des Instituts von ihrer Entstehung an enthaltend. „Die „Hebrew Benevolent Society“, sagte der Redner, hat seit mehr als 60 Jahren die Wohlthätigkeit unserer Glaubensgenossen dieser Stadt veranschaulicht und zahlreiche Spuren weiser und nachahmenswerther Thätigkeit in ihrem Vorwärtsschreiten hinterlafsen. Anfänglich aus einer kleinen Anzahl unserer humansten und vorurtheilsfreisten Glaubens genofien bestehend, wurde sie im Jahre 1822 formell constituirt und zeigte bald ihre praktische Nützlichkeit, so daß ihr bereits im Jahre 1832 ein Freibrief ertheilt wurde, der sie berechtigte, Grundeigenthum :c. im Werthe von 30,000 Doll, zu erwerben. Hierdurch wurde die Aufmerksamkeit der wahren! und denkenden Israeliten auf die Thatsache hingelenkt, daß inmitten der beständig wachsenden Zahl ihrer Glaubensge- ' nossen in hiesiger Stadt die gewöhnliche Rate von Unglücki lichen anzutreffen sein werde. Besonders, erwog man, daß! das Schicksal der jüdischen Waisen in den beständigem Wechsel j unterworfenen Verhältnissen New-dlorks mit seinen gemischj ten Elementen ein trauriges sein würde, wenn ihre glück- ' licher situirten Glaubensgenossen keine Fürsorge für sie treffen würden.! „In Uebereinstimmung mit 'den Statuten des Vereins z wurde der vierte Theil der jährlichen Einnahmen zur Schafj fung eines Tilgungs-Fonds verwandt, deffen Zweck aber nicht j ausgesprochen war. Dieser Fond wuchs sehr schnell an und betrug im Jahre 1857 bereits 18,000 Dollars. Ein anderer Verein, die „Uerman Hebrew Benevolent Society“, welche ein Jahreseinkommen von 10,000 Dollars und einen Fond von etwa 14,000 Dollars hatte, arbeitete auf dasselbe Ziel hin, wie die .Hebrew Benevolent Society“, und man erwog die Zweckmäßigkeit einer Verschmelzung beider Vereine. Die Präsidenten derselben. Herr P. I. Joachimson und der für das Wohl seiner Mitbürger leider zu früh verstorbene Herr Joseph Seligman, legten ihren Vereinen die Frage vor und nach langer und reiflicher Ueberlegung kam im Jahre 1859 die Verschmelzung zu Stande, mit der ausgesprochenen Absicht, sich der israelitischen Waisen anzunehmen, um dieselben im Glauben ihrer Vorfahren zu erziehen und sie vor moralischem Untergang zu bewahren. Gemeinsames Handeln in i größerem Maßstabe war nunmehr das Ziel, lag auch in der i Macht der Gesellschaft und die Fortschritte waren nun bedeutend. Ein Aufruf an die jüdischen Einwohner schaffte! reichliche Geldmittel herbei und man erlangte bald einen! erweiterten Freibrief.! „Inzwischen errichtete man ein temporäres Waisenhaus! in No. 1 Lamartine Place (West 29. Str.). Im Jahre 1861, als Herr Joseph Seligman Präsident der Gesellschaft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.