Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1883)
- Date
- 1883-06-12
- Page
- Seite 394 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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324 diesen ihren Vorboten ganz ähnlich waren. Wir wollen hier im Auszug den richtigen Wortlaut eines russischen Residenzblattes „Nowosti“ (die Neuigkeiten) wiedergeben, daß in seiner letzten Nummer vom 17. e. sich darüber wie folgt ausspricht: „Schon einige Tage vorher", sagt dasselbe, „erhielten wir einige Berichte von unserm Rostower Correspondenten, welche uns von den am dortigen Orte bereits am 10. dss. stattgesundenen Ausschreitungen gegen Juden mittheilen. Uns stets aber mit äußerster Behutsamkeit aus ähnliche Berichte beziehend, welche ost an Subjectivität und Ueberer für das von ihm Geforderte nicht bezahlen wollte, nach einem Hin- und Herschimpfen, von der Kneipinhaberin, einer Jüdin, mit einer Flasche auf den Kopf tractirt bekam. Als Signal zum Angriffe war dies vollkommen genügend, und im Nu wurde von den übrigen anwesenden Trinkgenossen Alles in der Kneipe total zu Grunde gerichtet. Bon dort bewegten sich die Tumultuanten weiter, wobei sich ihnen auf Schritt und Tritt immer größere und größere Volkshaufen anschlossen, und diese schrecklichen Horden machten mit der größten Wuth Alles auf ihrem „Triumphtreibungen leiden, wollten wir erstlich ihre Bestätigung seitens > zuge" nieder, was nur einigermaßen den Anschein an sich der örtlichen Presse, der man kaum von jeher irgendwelche! trug, daß es einem Juden angehöre. Es ist wahrlich schreckzärtliche Gefühle für die Juden vorwerfen wird, abwarten.! lich, die sämmtlichen Verheerungen und Brutalitäten anzusehen, Heute nun erhielten wir endlich die letzte Nummer des ört-! lichen Blattes „Donskaja Pzola“, (die Tonische Biene), welche wirklich einen ausführlichen Bericht über die dort stattgefundenen Unordnungen enthält und der vollkommen welche dieser Pöbel angerichtet hat: alle jüdische Magazine und Läden stehen verödet da, die Fenster sind eingeworfen und zerschlagen, die diversen Maaren zerriffen, zerbrochen oder fortgetragen! Selbst das Zureden und Bitten des mit denen unserer Correspondenten übereinstimmt. Indem j Polizeimeisters und sogar die vielfachen Ermahnungen einiger das Residenzblatt verspricht, in den weitern Nummern ihre Correspondenzen zu veröffentlichen, reproducirt dasselbe vorläufig den Bericht der Roftower Ztg., aus welchem Folgenherbeigeeilter russischer Geistlichen waren nicht im Stande, diesem Plündern und Rauben Einhalt zu thun, sämmtliche Polizisten wandten alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel an, des zu ersehen ist: Bereits Dienstag, den 10. Mai, war die die Ruhe herzustellen, was ihnen aber keineswegs gelang, Stadt in großer Aufregung über die gewaltigen Unordnungen, und erst die dorthin eingetroffenen Kosaken, welche alle schon welche seit dem frühen Morgen begannen und den ganzen im Sommerlager sind, machten endlich am nächsten Tage Tag hindurch fortdauerten. Angefangen haben sich dieselben diesem Tumulte ein Ende. Wir werden jetzt sehen, was der in einer jüdischen Kneipe, wo, nach Aussagen des Pöbels, Herr Minister des Innern, Graf D. Tolstoi, dazu sagen ein Ruffe von Juden soll getödtet worden sein, der in Wirkwird; derselbe wird als vollkommen gerechter und energischer lichkeit aber, beiläufig gesagt, völlig gesund ist, und nur, weil Mann gelobt. 11. B. Keuilleton. Mikweh Israel. Bekanntlich ist dies der Name, welcher der von der All. isr. univ. gegründeten und erhaltenen Ackerbauschule für jüdische Knaben bei Jaffa in Palästina beigelegt worden. In der „Posener Zeitung" vom 12. Mai finden wir im Feuilleton eine interessante Schilderung: „Ein Besuch auf Mikweh Israel" von Theodor Hermann Lange, die wir hier gern ausführlich wiedergeben möchten, wenn nicht gleich hinter dieser Ueberschrift die Warnung stände: „Nachdruck verboten". Wir begnügen uns deshalb mit einigen Stellen. Die ganze Schilderung athmet die vollste Befriedigung über den gegenwärtigen Zustand der Anstalt, die so viele Schwierigkeiten zu überwinden gehabt, die Ueberzeugung von der segensreichen Wirksamkeit derselben. Der Besuch fand im August 1681 statt, als der vielbetrauerte Charles Netter, der Herrn Lange selbst umherführte, noch an der Spitze dieser seiner Gründung stand. Es heißt da: „Je mehr ich mich dem Institute näherte, desto größer wurde mein Erstaunen über die ausgedehnten Anpflanzungen, an denen ich vorüberkam. Aus wohlgepstegtem und gut gewässertem Boden heraus erhoben sich Orangen-, Ccdrat- und Nußbäume, dann folgten sorgsam cultivirte und mit allerhand Gemüse bebaute Flächen, aromatische Erdbeerronden u. s. w., bis ich schließlich meinen Rappen unter schattigen Terebinthen ein wenig verschnaufen ließ. Nach kurzer Rast bog ich von der Hauptroute ab und in eine Querallee ein. Hier hatte ich zu beiden Seiten stattliche Akazien und hinter diesen in bunter Abwechselung sowohl kleine Fruchtgärten als Bohnen- und Spargelbeete: letztere zuweilen in einer Länge von zwei- bis dreihundert Fuß. Dazwischen spendeten zahlreiche mit Steinen eingefaßte Brunnen in reinlichen Gräben die genügenden Quantitäten Waffer. Ueberall wehte Kühlung und herrschte eine angenehme Frische. Kerngesunde, lebensfreudige Knaben tummelten sich, mit Spaten und Haue bewaffnet, in diesen Plantagen, Lehrer und Aufseher gaben ihre Anordnungen, nnd dies alles auf einem Terrain, das dreizehn Jahre zuvor noch eine steinigte und mit Unkraut bebaute Wüste war, durch die kein Pfad hindurch führte, auf der kein Baum seine Aeste ausbreitete und