Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1883)
- Date
- 1883-06-12
- Page
- Seite 392 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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392 auf die Seite der Polen gestellt. Ob sie darin recht und -politisch gehandelt, wollen wir hier nicht beurtheilen. Wie ihnen aber von den Polen gelohnt wird, hat sich in diesen Tagen an einem recht «clatanten Falle herausgeftellt. Es handelt sich jetzt um Landtagswahlen. Aus den Feudalen und Clericalen hat sich ein Centralcomite gebildet unter Leitung des Fürsten Czartoryski. Dies octroyirt den Wahlbezirken die nur einem kleinen Kreise adliger Familie entnommenen Candidaten. Die Wähler gehorchen, selbst wenn sie sich zu beklagen haben. Des Scheines wegen hat dieses Comite einige israelitische Großhändler ausgenommen, deren man im Voraus sicher war. Dem Wahlbezirke Szczeriec wurde der als Antisemit bekannte Candidat v. Merunowicz zugewiesen. Die Wähler waren damit unzufrieden und sandten an Czartoryski eine Deputation, um einen andern Candidaten zu bitten. Das Comite beschließt aber mit 8 gegen 7 Stimmen, daß Merunowicz Candidat bleibe. Die drei liebenswürdigen jüdischen Comitemitglieder — enthielten sich der Abstimmung. Sonst würde Merunowicz mit 10 Stimmen gegen 8 durchgefallen sein. Ob er wirklich gewählt werden wird, ist noch unentschieden, aber entschieden ist, daß die Juden sich durchaus nicht zu freuen haben, wenn gewisien Leuten aus ihrer Mitte eine Ehrenstellung angewiesen wird. Bon der Donau, 30. Mai. (Privatmitth.) Wegen Veranstaltung der Juden - Krawalle im September v. I. in Sanct - Georgen wurden 12 dortige Jnsasien der Verbrechen des Raubes und Plünderung vom Preßburger Gerichtshöfe schuldig erkannt und zu 7bis 6 Monaten Kerker verurtheilt. Der ehemalige Redacteur der antisemitischen „Westungarischen Grenzboten", Herr Windisch, wurde wegen Wechselfälschung von der k. Curie in Pest zu drei Jahren verurtheilt. Das Stockurauer Wochenblatt „Stadt- und Landbote", das Organ des antisemitischen Reichstagsabgeordneten v. Schönerer, hat zu erscheinen aufgehört. Die Rohling'sche Hetzschrift „Meine Antwort an die Rabbinen" wurde gestern auch in Brünn confiscirt. Wir geben diese Facten ohne jede weitere Bemerkung. Frankreich. Paris, 8. Mai. (Privatmitth.) Es ist in d. Ztg. schon mehrere Male des „Vereins für jüdische Studien" (Looiete des Etudes juives) erwähnt worden, so wie die von dem Das Vermögen des Vereins beträgt jetzt 25,044 Frcs. Der Verein trägt zum größten Theile die Kosten der Revue und des -4nuuaire, die er herausgiebt. Ist somit derselbe in seinem Fortbestände gesichert, so hat er auch den schweren Verlust überdauert, der ihn durch den erschütternden Tod des eigentlichen Gründers des Barons James von Rothschild, getrosten hatte. Jndeß ist es nicht zu verwundern, daß ein solcher Verein in einem Centrum, wie Paris auch für die Juden ist, eine Zahl begüterter Männer findet, um einen solchen Verein zu erhalten, wie dies ja auch in Berlin, Wien und selbst in Amerika der Fall ist. Der mindeste Jahresbeitrag ist auf 25 Frcs. festgestellt. Wer die bis jetzt von dem Verein herausgegebenen Schriften durchmustert, wird zugestehen, daß sie dem Zwecke des Vereins entsprechen und wistenschaftliche Studien nach allen Richtungen hin, vorzugsweise nach der geschichtlichen, zu Tage fördern. Dahingegen hat der Verein nach einer anderen Richtung hin, die uns sogar nothwendiger erscheint, als die Förderung der Gelehrsamkeit, zur Popularisirung der Resultate der jüdischen Wiffenschaft, zur Weckung des Jnterestes an jüdischen Geistesproducten, zur Belebung des religiös sittlichen Geistes in der Masse, bis jetzt noch nichts gethan. Seine Publicationen erwecken mit Recht die Theilnahme des kleinen Kreises, der sich für jene Gegenstände der jüdischen Gelehrsamkeit interessirt, und wenn der Verein sich auf diesen Zweck beschränkt, so ist er auf dem Wege zum Ziele. Aber wir glauben, daß dies das geringwerthigere Ziel ist, wonach zu streben wäre. Gerade der modernen französischen Literatur gegenüber, die natürlich in den Händen der jüdischen Jugend ebenso zu finden ist wie in den der christlichen, müßte das Streben dahin gerichtet sein, jener ein Gegengift zu bereiten und aus den reinen sittlichen Quellen des Judenthums in angemessenen Gefäßen Wasser zu schöpfen und darzubieten. Allerdings hat dieser Gedanke den Stiftern des Vereins wohl vorgeschwebt, denn sie versprachen, durch eine Reihe von Vorlesungen (eonterenees) dem allgemeinen Publicum eine Geistesnahrung zu verschaffen. Dieser Plan ist aber bis jetzt noch nicht ausgeführt worden und ist darüber in der jüngsten Generalversammlung kein bestimmtes Versprechen ertheilt worden. Aber fürwahr es wäre der eifrigsten Anstrengung Werth, durch mündliche Vorträge und Schriften dem Judenthume den Eingang in die Geister, namentlich die jugendlichen, zu er- Vereine herausgegebene Bierteljahrsschrift Besprechung geleichtern. — Sie haben über das .Oeuvre des nüssious fanden. In der letzten Generalversammlung vom 30. Nov. raddiniciues" schon berichtet. In dem desfallfigen Circulair 1882, über welche der Bericht soeben veröffentlicht worden, wird offen ausgesprochen, daß die ganze Veranstaltung gleich ergab sich der Stand der Gesellschaft als durchaus günstig., nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges unternom- Die Zahl der Mitglieder hat sich von 350 aus 384 vermehrt,, men worden, und zwar um den Elsaß-Lothringen verlaffenden und während im Vorjahre bei einer Einnahme von 12,691 Israeliten neu entstehende Gemeinden bieten zu können. Jn- Frcs. nur 34 Frcs. Rest blieben, ist der Ueberschuß der deß hat dieser französisch-nationale Zweck nicht viele Mittel Einnahmen in diesem «Jahre auf ca. 800 Frcs. gestiegen. J in Anspruch genommen, und die angesammelten Mittel konnten