Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1883)
- Date
- 1883-06-12
- Page
- Seite 391 (sequence 9)
- Language
- German
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391 7993 fl. 80 kr. betrugen, ergaben ein Deficit von 116 fl.' 87 kr. Der Verein besaß im abgelaufenen Jahre 147 5 Mit-! glieder, und zwar: 930 beim Frauenverein mit 4691 fl. 50 kr., 455 beim Waisenhause mit 2707 fl. und 75 bei der Speise-! Anstalt mit 525 fl., zusammen daher mit 7923 fl. 50 kr.! Beitragsgebühren. Die einzelnen Verwaltungsfonds betragen j beim Frauenverein 43,197 fl. 51 kr., beim Waisenhause 242,028 fl. 45 kr., bei der Speiseanftalt 13,919 fl. 76 kr. j Hinzugerechnet noch einige andere Activposten, verfügt der! Pester israel. Frauenverein am Schluffe des letzten Berwal tungsjahres über ein Waisenhaus und Frauenvereins-Gebäude im Koftenwerthe von 118,916 fl., Werthpapiere im Betrage! von 168,314 fl. 15 kr., diverse Einrichtungen mit 3670 fl.! 63 kr., und den Rest in Baarem und Stiftungen.! — Zur Feier und zur bleibenden Erinnerung an das j 50jährige Jubiläum Palatin Josefs im Jahre 1846 stiftete! damals die Pester isr. Religionsgemeinde mehrere Fundationcn; unter Anderen stiftete sie auch zwei Stipendien zu je 100 fl.! für zwei ausgezeichnete Schüler der damals bestandenen „^örsekipurislcola". Die Stiftungs-Urkunde enthielt die Bestimmung, daß Palatin Josef, nach dessen Ableben dem jeweiligen Chef feiner Familie das Verfügungsrecht über die Stipendien zustehe. Diese Stipendien wurden in Folge der nachträglich eingetretenen Aenderung der politischen Verhältnifie nicht activirt. Bor Kurzem beschloß nun die Pester isr. Cultusgemeinde, die erwähnte Stiftung zu erneuern und reicher zu dotiren, indem sie die Summe jeder der beiden Stipendien auf je 200 fl. erhöhte; gleichzeitig wurde bestimmt, daß die Stipendien ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zuzuerkennen sind. Die diesbezüglich mit dem Eultus und Unterrichtsministerium gepflogenen Verhandlungen ergaben das Resultat, daß die Stipendien an vorzüglich qualificirte Frequentanten des „ Josef-Polytechnikums" zu vergeben sind. Diese Vereinbarung wurde selbstverständlich dem Erzherzog Josef, als dem Sohne des verewigten Palatins, zur Genehmigung vorgelegt. Der Erzherzog richtete nun in Erwiderung der Repräsentation folgende, vom „Neuen Pol. Bolksbl." heute mitgetheilte Zuschrift an die Pester isr. Religionsgemeinde: An den löblichen Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeiude. B u d a p e ft. Als Beischluß zu der Zuschrift Zahl 14,116. des hoben königl. ungarischen Cultus- und Unterrichtsministerium-? gelangte jene Stiftungs-Urkunde zu meinen Händen, derzurolge die p. t. Religionsgemeinde die in der am 8. Novbr. 1^1" zur Erinnerung an das fünfzigjährige Palatinal-Jubiläum meines in Gott ruhenden erlauchten Vaters ausgestellten Stiftungs-Urkunde gemachte Stiftung - - die an die damals bestandene Josef-Industrieschule gebunden war, durch die inzwischen eingetretenen Hindernisse jedoch nicht ins Leben trat — jetzt zu Gunsten des k. Josef-Polytechnikums nicht nur erneuert, sondern selbst verdoppelt. Diese edle und patriotische Opferwilligkeit ist der größten Anerkennung würdig. Und indem die p. t. Religionsgemeinde durch die Erneuerung dieser Palatin-Josef-Stiftung das Andenken an das fünfzigjährige Palatin-Jubiläum meines verewigten erlauchten Vaters für immerwährende Zeiten zu erhalten wünscht, so ist dies eine solche Aeußerung ihrer Pietät, welche mich zum innigsten Danke verpflichtet — weshalb ich auch das im Stiftungsbrief mir und meiner Familie vorbehaltene Ernennungsrecht mit bereitwilliger Freude annehme. Alcsuth, 15. Mai 1883. Erzherzog Josef. Pest, 30. Mai. Ta wir in einem Monat die Schlußverhandlung im Tißa-Eßlarer Proceß zu erwarten haben, so find wir wohl berechtigt, aus den Zustand der ungarischen Justiz noch einmal aufmerksam zu machen und zwar an der Hand einer Correspendenz der „Köln. Ztg." vom 29. d., die, was wir hervorheben, fich mit dem gedachten Procesfe gar! nicht beschäftigt. Da heißt es: „Der Senat der kön. Curie hat einen Sicherheits-Commissar im Borsoder Eomitat wegen I Anwendung der Folter bei dem Verhör zu niehrjähriger Kerkerstrafe verurtheilt, während die erste Instanz den Mann; freisprach und die zweite ihn zu einer kurzen Gefängnißstrafe verurtheilt hatte. In Ungarn werden die Helden roher Gewaltthätigkeit als eifrige Amtsorgane von der örtlichen öffentlichen Meinung hochgeschätzt, und jener Sicherheitscommissar, der mit dem Angeklagten grausam verfährt, ist in den Augen der örtlichen öffentlichen Meinung der vortrefflichste, weil solche Großinquisitoren dem Gerichte meistens „geständige" Verbrecher einliefern." Mau wird sich erinnern, daß wiederholt die von den sg. Sicherheitsconnnissarien und dem Untersuchungsrichter Vary nach den Angaben der ungarischen Blätter Mißhandlungen der Angeklagten und der ihnen günstigen Zeugen stattgefunden, ohne daß wir von einer Untersuchung gegen sie gehört haben. Daß eine solche Pression auf Moritz Scharf, dessen Aussage allein die Untersuchung und die Anklage begründete, ausgeübt worden, ist bereits klargelegt. Noch mehr, der Gerichtshof von Nyiregy haza hat alle Zeugen für die Schlußverhandlung ausgeschlossen, welche über diese folterartigen Mißhandlungen auszusagen batten'. Ties ist die Justiz in der ungarischen Provinz. Lemberg, im Mai. <Privatmitth.) Alle in Galizien vorkommenden Wahlen nehmen unser besonderes Interesse in Anspruch, weil es die einzige Provinz ist, in welcher die Juden, die in vielen Städten ein bedeutendes Quantum der Bevölkerung ausmachen, einigen Einfluß auf die Wahlen üben. Früher standen sie oft an der Seite der Ruthenen in Opposition zu den Polen. In den letzten Jahren hat sich dies verändert und die Mehrzahl der Juden hat sich 24