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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-12 · Heft 24 (12.6.1883) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 24 (12.6.1883)
Date
1883-06-12
Page
Seite 390 (sequence 8)
Language
German
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war im abgelaufenen Jahre auf die Hilfsaction zu Gunsten der russisch-jüdischen Flüchtlinge gerichtet. Dem schleunigen und energischen Eingreifen der Delegirten des Vorstandes, Kammerrath Bernhard Singer und Dr. Alfred Stern, gelang es im Vereine mit den Hilfscomitös in Brody und Lemberg eine Organisation zu schaffen, welche die baldige Evacuirung Brodys von etwa 16,000 russischen Flüchtlingen theils durch Expeditionen nach Amerika, theils durch Repatriirung der Vertriebenen ermöglichte. Durch das in Wien gebildete christliche Hilfscomits sind zu Gunsten der verfolgten russischen Juden 85,185 fl. eingegangen. Außer dem russischen Hilfswerke beschäftigte sich der Vorstand eingehend mit der Berbefferung der Lage der galizischen Juden. Die Zahl der Mitglieder hat sich im Jahre 1882 um 500 vermehrt. Die Einnahmen, einschließlich der angesammelten Fonds, beliefen sich auf 117,350 fl. in Effecten und 458,657 st. in Baarem. Für Subvention an Gemeinden zu Schulzwecken wurden 1336 fl. verausgabt. An Spenden für die russischen Juden verzeichnet der Bericht die Summe von 433,042 fl. Nach Genehmigung des Berichtes gedenkt der Vorsitzende in ehrenvoller Weise der thatkräftigen Förderung der Vereinszwecke seitens des verstorbenen Beirathes Leopold Ritter v. Wertheimftein. In den Vorstand wurden die Herren Julius Ritter v. Goldschmidt, Dr. Güdemann, David Ritter v. Gutmann, Leopold Popper, Freiherr v. Podhragy und Max Th. Schiff wieder und der inzwischen von Brody nach Wien übersiedelte Bankier Nierenstein neu gewählt. Wien, 25. Mai. Das Ministerium für Cultus und Unterricht im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern hat aus Anlaß eines Recurses eine principielle Entscheidung über eine betr. Eintragung gefällt: Ein in T. wohnender Jude hatte sich confessionslos erklärt und eine Christin im Wege der Noth-Civil- Ehe geheirathet. Aus dieser Ehe entsproß ein Knabe, welchen der Vater im jüdischen Glauben erziehen wollte; er ersuchte daher um die Eintragung desselben in die Matrikel der israelitischen Gemeinde. Der Cultusvorstand erklärte aber, dem Gesuche nur dann zu willfahren, wenn an dem Knaben jener rituelle Act vorgenommen werde, welcher für das israelitische Glaubensbekenntniß als wesentlich gilt. Sowohl die Bezirksbehörde als die Landesstelle erklärt indessen, daß die Eintragung in die jüdische Matrikel zu erfolgen habe, da für die Wahl des Glaubensbekenntnisses für ein unmündiges Kind der Wille des Vaters maßgebend sei; weil ferner die Circumcision nicht unerläßlich sei und weil endlich Niemand zu einer religiösen Handlung gezwungen werden könne. Der Borstand der betreffenden israelitischen Gemeinde recurrirte gegen diese Entscheidung an das Ministerium des Innern, und dieses erklärte, daß die Eintragung des Knaben in das für die aus einer Noth-Civil-Ehe stammenden Kinder civile Geburts-Register, wie es das Gesetz vom 9. April 1870 vorschreibt, zu erfolgen habe, ohne daß hierdurch der Frage, in welchem Glauben der Vater sein Kind erziehen wolle, präjudicirt werde. Prag, 20. Mai. Die antisemitischen Hetzereien nehmen in mehreren Theilen Böhmens ruhig ihren Fortgang und illustriren recht drastisch die Sirenenrufe czechischer Journale, welche die Israeliten für die Budweiser Handelskammerwahlen captiviren wollten. Man schlägt allenthalben den Juden die Fenster ein, legt Dynamitpatronen vor einen Tempel (in Przibram), in obscuren czechischen Blättchen erscheinen antisemitische Brandartikel; man verbreitet judenfeindliche Plakate u. s. w. Unter dem Einflüsse dieses Terrorismns haben denn auch die Juden im Budweiser Handelskammerbezirke zu einem großen Theil bereits im czechischen Sinne gestimmt. Welcher Dank sie dafür von czechischer Seite erwartet, dies dürfte ihnen aus den antsemitifchen Ereigniffen in solchen Städten llar werden, wo sich die Israeliten längst zur czechischen „Umgangssprache" bekannt und ihre Söhne zu „czechisch-akademischen Juden" erzogen haben. Es geht djesen czechischen Israeliten nicht um ein Haar besser als den deutsch gebliebenen. Zwar machen die Prager altczechischen Blätter Miene, die Exceffe in Przibram u. s. w. zu verurtheilen — aber es will ihnen nicht gelingen, sie können den Antisemitismus beim besten Willen nicht verleugnen! Pest, 24. Mai. (Privatmitth.) Der hiesige israelitische Frauen-Berein hielt gestern seine diesjährige Generalversammlung ab. Dem vom Secretär Hrn. Friedmann verlesenen Berichte entnehmen wir Folgendes: Die Ausgaben der Frauen- Bereins - Verwaltung betrugen 15,932 fl. 40 kr., die Einnahmen 15,028 fl. 60 kr., es resultirt daher ein Deficit von 903 fl. 79 kr. Im Mädchen-Waisenhause wurden 46 Kinder, im Waisen-Asyle 16 Kinder erzogen und betrugen die Einnahmen für beide Anstalten 12,842 fl. 38 kr., die Ausgaben 13.62t fl. 62 kr.; es resultirt daher ein Deficit von 779 fl. 24 kr. Die Verpflegung und Erziehung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf 214 fl. (also um ein Drittel weniger als in den beiden jüdischen Waisenhäusern in Berlin! Redact.). Das heutige Deficit des Waisenhaus-Ausbaues beträgt 19,736 fl. 23 kr. Die dritte wohlthätige Anstalt des Pester israelitischen Frauen - Vereins ist die Armen-Speise-Anstalt; dieselbe ist bereits in den weitesten und berufensten Kreisen der rückhaltlosesten Anerkennung theilhaltig geworden und hat sich auch in dem abzelaufenen Jahre — nachdem keine andere Volksküche während des ganzen Jahres geöffnet war — als ein unentbehrliches Bedürfniß erwiesen. In der Zeit vom 1. April 1882 bis 1. April 1883 speisten daselbst 59,401 Personen ohne Unterschied der Confesfion, davon gänzlich gratis 8385 Personen. Den ärmeren Hörern des Landes - Rabbinen- Seminars wurden während derselben Zeit 5794 Portionen j Mittagessen verabreicht. Die Berwaltungskosten dieser Anstalt, deren Einnahmen 7876 fl. 93 kr. und deren Ausgaben

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