Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1883)
- Date
- 1883-06-05
- Page
- Seite 379 (sequence 13)
- Language
- German
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379 Vorsitzende noch mit, daß der deutsch.israel. Gemeindebund auch diesmal den Conferenzbesuchern einen Reisezuschuß von; insgesammt 125 Mk. bewilligt habe. ' Als zweiter Punkt der Tagesordnung erfolgte die Berathung über Abänderung der Statuten der Unterstützungskaffe, namentlich' daß fortan auch diejenigen Lehrer Mitglieder der Kasse bleiben können, die aus Westfalen und Rheinland verziehen, oder ihren Stand als Elementarlehrer verlassen. Auch der Maximalsatz einer Quote (60 Mk.) wurde aufgehoben, weil die Kasse jetzt die Mittel hat, eventl. größere Quoten zu vertheilen. Diesen Beschlüssen folgte die Berathung über den auf Anregung des D. I. G.-B.s von Herrn Pros. Steinthal auf Grundlage des Cornelius'schen Entwurfs bearbeiteten Normalplancs für den Religionsunterricht in der ein- und mehrklassigen jüdischen Elementarschule. Rach einem historischen Ueberblicke und Darlegung des allgemeinen Charakters der vorgelegten Normallehrpläne, welchem sich die vom isr. Lehrerverein in Hannover angeregte Frage über einen Auszug aus dem Pentateuch zum Gebrauche in der Schule anschloß, ersuchte der Vorsitzende zunächst die anwesenden Herren, Blumenfcld-Essen, Dr. Frank-Cöln, I)r. Hulisch-Herford, die bereits ein Gutachten über den Normalplan dem Gemeindebund eingesandt haben, über den Inhalt des resp. Gutachtens zu referiren, welches geschah. Herr Seminarlehrer Treu Münster ist der Ansicht, daß es unmöglich fei, dem Entwurf beizustimmen, weil unsere Elementarschulen bei 4—5 Religionsstunden wöchentlich den reichhaltigen Stoff nicht bewältigen können. Herr Dr. Frank-Cöln meinte ebenfalls, daß der Normalplan eine Utopie fei bei einer so geringen Stundenzahl wie der jüdischen Elementarschule für den Religionsunterricht zu Gebote stehe. Er nahm hierbei Gelegenheit, den Jndifferentismus in den jüdischen Familien zu bemängeln; dieser, wie der Mangel des Obligatorischen, der dem Religionsunterrichte anhastct, sei schuld, daß wir wenig in diesem Fache erreichen können. Ter Staat kennt wohl Juden, aber ' kein Judenthum. Die Grundlage des Religionsunterrichts muß die Bibel sein. Er ist gegen die Benutzung eines Auszuges aus der Bibel und dem Gebetbuiüe, das Gotteswort muß aus der Quelle geschöpft werden. Herr Blumenfeld-Esfen dankt dem Vorredner für diesen Herzenserguß. AÄch er hat hinsichtlich des Normalplans dieselbe Ansicht. Er wünscht ebenfalls mehr Religionsunterricht und weniger Realicnunterricht; er beklagt den Mangel des obligatorischen Charakters des jüdischen Religionsunterrichts und bedauert, daß wir keine jüdische obere Religionsbehörde haben. Er erklärt sich ebenfalls gegen einen Auszug aus der Bibel und dem Gcbctbuche; wohl aber wünscht er die Beibehaltung des systematischen Religionsbuches. In ähnlicher Weise sprach sich auch Herr Dr. Hulisch-Herford au-?. Da es bereits 7 Uhr geworden war, wurden die Verhandlungen über diesen Gegenstand auf den folgenden Tag vertagt. Um SV-.> Uhr fanden sich die Gäste im Conferenzlocale wieder ein. Welche hübsche Ueberraschung ward ihnen da zu Theil? Etwa 300 Damen und Herren der Essener Gemeinde hatten sich zur Verherrlichung des Festabends eingesunden. Toaste, deklamatorische und musikalische Vorträge würzten das überaus gelungene Fest. Von den gesprochenen, zahlreichen Toasten sei besonders der des Herrn 1)r. Frank erwähnt. Er hob das friedliche Verhältniß zwischen den verschiedenen Confessionen der Stadt Essen hervor und charakterisirte in trefflicher Weise den Charakter des Judenthums, das sich mit der aus ihm hervorgegangenen Tochterreligion in der Aufgabe, Menschenliebe und Tugend zu pflegen und zu verbreiten, begegne. „So möge denn Essen," schloß der Redner seinen Vortrag, „in diesem seinem schönen menschenfreundlichen, menschenliebenden, friedlichen Streben fortwirken, blühen, gedeihen und wachsen'." Herr Beigeordneter König, der als Mitglied der Schulaufsichtsbehörde und Vertreter der Stadt durch sein Erscheinen sein warmes Interesse für die Schule und die Lehrer bekundete, gedachte in warmen, beredten Worten der Thätigkeit der jüdischen Gemeindevertretung in Betreff des Schul- 1 Wesens, nahm Bezug auf die Worte des Vorredners, dem er aus voller Seele zustimmte und betonte auch seinerseits das friedliche Zusammenwirken der verschiedenen Confessionen in Effen, dem er Dauer wünsche für alle Zeit. Am Morgen des 14. versammelten sich die Lehrer und eine ansehnliche Mitgliederzahl der Gemeinde in der Synagoge. Der unter der meisterhaften Leitung des. Herrn Lehrers Graf stehende Synagogenchor sang unter Orgelbegleitung in ganz vortrefflicher Weise einige Psalmen und Hymnen. Unter den recht schön vorgetragcnen Solonummern ver dient eine von Frl. Emilie Fränkel meisterlich gesungene Arie besonders hervorgehoben zu werden. Während einer Panse bestieg Herr Dr. Frank-Cöln die Kanzel und suchte die Herzen der Anwesenden in schönen Worten sür die Alliance isnv'lite universelle, die so Großes für Schulen und Unterricht gethan, zu gewinnen. Sicherlich haben die von einem großen Interesse für diesen großartigen Bruderbund in Israel zeugenden Worte in den Herzen der Zuhörer gezündet, und jeder der anwesenden Lehrer wird hoffentlich in seinem ,Wirkungskreise für dieses Institut nach Kräften thätig sein. Herr Blumenfeld führte am zweiten Tage den Vorsitz. Es wurde Duisburg als nächstjähriger Conferenzort bestimmt. Die am vorigen Tage abgebrochene Debatte über den Reli gionsunterricht wurde nun wieder fortgesetzt. An den Debatten betheiligte sich auch Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz- Crefeld. Nachdem noch mehrere Redner ihre Ansichten über