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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-05 · Heft 23 (5.6.1883) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 23 (5.6.1883)
Date
1883-06-05
Page
Seite 378 (sequence 12)
Language
German
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Schweiz. Bern, 24. Mai. (Privatmitth.) In vergangener Nacht verschied hier der rühmlichst bekannte Professor der Physiologie Gabriel Valentin. Er war am 8. Juli 1810 zu Breslau geboren und hat sich durch anerkannt tüchtige Werke auf dem Felde der Anatomie und Physiologie einen großen Ruf erworben, namentlich war sein „Lehrbuch der Physiologie des Menschen" (Braunschweig 1849) zur Zeit sehr an-! erkannt, wenn es auch, wie es in den Naturwiffenschaften bei der überaus schnellen Entwickelung derselben zu geschehen j pflegt, jetzt längst überholt ist. Was uns den Verschiedenen ' besonders werth macht, ist seine Ueberzeugungstreue für seine väterliche Religion, die er wiederholt mit schweren Opfern bethätigte. Frühzeitig für das akademische Lehrfach befähigt, war ihm als Juden in Preußen und Deutschland in jener Zeit jede Aussicht genommen und er folgte deshalb einem Rufe an die Universität zu Bern, wo er einen ihm zusagenden i Wirkungskreis fand. Als später in der liberalen Aera eine! Berufung an eine preußische Universität an ihn erging, war ihm sein neues Vaterland, das ihn mit so großer Gastfreund-; schüft ausgenommen hatte, zu lieb geworden, um es wieder! zu verlassen. Bonn, 27. Mai. (Notizen.) Das „Wiesbad. Tagblatt" berichtet: In einer vom Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde auf Sonntag Vormittag berufenen und zahlreich besuchten Gemeindeversammlung wurde beschlosien, den nun seit ca. 40 Jahren in hiesiger Gemeinde als Prediger und Seelsorger wirkenden, von königl. Regierung auch als Bezirksrabbiner angestellten, wegen seiner großen Gelehrsamkeit und vorzüglichen Rednergabe in weiten Kreisen bekannten Herrn Rabbiner Dr. S. Süskind vom Herbst l. I. ab mit fast vollem Gehalte in den wohlverdienten Ruhestand zu versetzen. — In Florenz verstarb am 6. Mai Baron Angela Adolfo Levi, der letzte der drei ausgezeichneten Brüder, im 71. Lebensjahre. Seine beiden Söhne haben den wohlthätigen israelitischen und allgemeinen Anstalten beträchtliche Schenkungen gemacht. — In Stockholm verschied der Großhändler Wilhelm Davidsohn, der eine sehr rühmliche i Stellung in der Gesellschaft wie in der israelitischen Ge-! meinde einnahm. An seinem Begräbnißtage wurden 3000 Kronenthaler an die Armen Stockholms vertheilt; 30,000 Kronenthaler erhielt die Kaffe invalider Bedienstete, ebenso viel die israelitische Gemeinde zur Gründung eines Asyls. 5000 Kronenthaler das Blinden- und Taubstummen-Hospital u. s. w. — Aus Nord en (Hannover) wird uns geschrieben: Am 2. d. feierte der Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr M. Wieluner, sein 25jähriges Amtsjubiläum in dieser Gemeinde, unter reger Betheiligung von nah und! fern. Kostbare Geschenke wurden dem Jubilar gewidmet, so! von der Gemeinde ein schöner silberner Pokal. Vom Mai gistrate der Stadt erhielt er ein ehrenvolles' Glückwunschschreiben, so auch vom Landräbbiner vr. Buchholz in Emden. I Möge der Jubilar seine segensreiche Wirksamkeit noch lange [ fortsetzen. Ieuitleton. Sericht über die am 13. und 14. Mai in Esten a.d.R. abgehalteue Eonferenz -es Vereins ifr. Lehrer Westfalens un- -er Rheinproviuz. Unter reger Betheiligung (46 Mitglieder) fand am 1. und 2. Psingsttage die 22. General-Versammlung des Vereins isr. Lehrer Westfalens und der Rheinprovinz in Effen statt. Der langjährige Vorsitzende, Herr Blumenau-Bielefeld, eröffnet mit einer aus dem Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ansprache die Versammlung. Darauf ergriff der Präses des Synagogenvorstandes, Herr I. S. Hirschland, das Wort und hieß die Versammlung im Aufträge Her Gemeinde in schwungvoller Rede herzlich willkommen (s. Nr. 22 d. Z.). Hierauf berichtete der Vorsitzende über die von dem deutschisr. Gemeindebund aus Anlaß der Silberhochzeit des kronprinzlichen Paares gegründete Friedrich - Wilhelm - Victoria- Stiftung (s. Nr. 2*2 d. Z.). Mit dankender Anerkennung wies Herr Blumenau nunmehr noch auf die vielseitige segensreiche Thätigkeit des ^D. I. G.-B.'s" hin, welcher die Fürsorge für die Lehrer und das Gedeihen der Religionsschule in erster Linie auf seine Fahne geschrieben und empfahl in Verbindung damit die Versicherung bei der „Victoria". Nunmehr wurde in die Tagesordnung eingetrcten. Ans dem vom Vorsitzenden vorgetragenen Kaffenbericht entnahmen' wir, daß auch im verflossenen Jahre der Kaffe namhafte Schenkungen von hochherzigen Spendern zugeflossen sind. Die Mitgliederzahl ist um 3 gewachsen, so daß sie 56 beträgt, und die Verhandlungen schweben mit 5 anderen. Das Vermögen des Vereins beträgt jetzt ca. 48,0(10 Mark und wird voraussichtlich mit Abschluß des Jahres auf 50.000 Mark kommen. Unterstützt werden zur Zeit 9 Familien mit zusammen 41 Quoten;i 60 Mk. Mit beredten Worten legt Herr Blumenau, wie alljährlich, den Eollegen ans Herz, es nicht zu versäumen, unserer Unterstützungskaffe beizutreten und bei traurigen und fröhlichen Familienanläffen für die Kaffe zu wirken; denn das Emporblühen derselben müsse zumeist von uns selbst gefördert werden. Hierauf theilte der

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