Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1883)
- Date
- 1883-06-05
- Page
- Seite 371 (sequence 5)
- Language
- German
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37 kann man ihm Verstocktheit vorwerfen, wenn er seiner lieber-' zeugung treu bleibt . . . Ebenso wenig neu ist es, wenn der Missionsprediger alle Mittel Stöckers und der Antisemiten für ungenügend erklärt und das Heil allein in der — Mission findet. Nur, meint er, solle die ganze Kirche zum Missionswerke gegen die Juden werden, jeder christliche Geistliche zum Missionär, der in die Synagogen und die Häuser der Juden eindringe, um sie zu bekehren. Natürlich müßte dann zuvor ein Gesetz erfließen, das den Juden verbiete, ihr Hausrecht zu gebrauchen. Vielleicht denkt der Herr'Missions- Prediger auch an einige hundert Tausend Mortarafälle. Sein Aussatz berechtigt uns vorauszusetzen, daß er dazu freudig die Hand böte . . . Bekanntlich hat ein gewisser Heman ein Buch geschrieben, in welchem er voraus verkündigt, daß, wenn erst alle christlichen Völker abgefallen sein würden, die Juden sich in Masse bekehren und das Reich Gottes wieder Herstellen werden. Es ist also auch nicht neu, wenn de le Roi dasselbe verkündet, nur daß er zuvor den größten Theil der Juden verbrennen läßt, und nur ein kleiner Rest verbleibt, der, selbstbekehrt, das große Werk der allgemeinen Bekehrung vollbringt. Ties ist das Ziel deS unbarmherzigen Missionärs, und deshalb wollen wir hier als ein Curiomm seine Schlußworte Herstellen: „Tie Gegenwart läßt es uns vielmehr sogar bereits erkennen, daß Israel einmal in allen seinen Wohnsitzen in den Feuerofen geworfen werden wird. In diesem Feuerosen wird alsdann die große jüdische Masse als Schlacken verbrennen, denn dieselbe will sich durch kein Gericht reinigen lasten. Aber ein Rest wird aus demselben als edles Metall hervorgehen, und dieser Rest ist alsdann das Volk, welches die Ausgabe empfängt, nach dem großen Abfall der christlichen Völker das Reich Gottes jener Vollendung auf Erden entgegenzuführen, wo zur Versöhnung auch das Leben aus den Todtcn tritt. (Röm. 11, 15.) Doch daraus soll hier nur andeutungsweise hingewiesen und festgestellt werden, daß die Judensrage zuletzt eine sriedsame Lösung durch die Gnade, welche sich in Gerichten ihre Wege bahnt, findet." — lind bei solchen Aeußerungen werfen diese Leute dem Judenthume vor, einen „zornigen Rachegott" zu lehren!! Doch wir sind wohl mit Herrn de le Roi fertig. (Schluß folgt i Literarischer Wochenbericht. Bonn, 23. Mai. Wir halten für eine der Aufgaben dieses Blattes die Vermittelung der Kenntniß dessen, was in verschiedenen Sprachen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft und Literatur erscheint. Glücklicher Weise haben sich in Ländern, wo bisher die vereinzelten Kräfte kaum im Stande waren, die Ergebnisse ihrer Forschung zu verössentlichen, Kreise oder Vereine gebildet, welche die Mittel beschaffen, um die Früchte eifriger Studien zum allgemeinen Nutzen zu bringen. So die Societe des Etudes juive* in Paris, von deren Revue Nr. 9, 10 und 11 (Juli 1882 bis März 1883) uns vorliegen, über deren Inhalt wir kurze Notizen geben wollen. Es freut uns, daß auch einige deutsche Gelehrte sich dieser Revue angeschlosten haben. So enthält Nr. 9 an erster Stelle eine in Nr. IO fortgesetzte, noch nicht vollendete Abhandlung M. Friedländer'S in Wien, über die Sekte Melchizedek und den „Brief an die Hebräer". Die Texte über diese fantastische Sekte sind nur wenige und kurze. Der Vers, erweist, daß sie eine vorchristliche war, die bald in das Christenthum aufgegangen. Es folgt die Fortsetzung der Abhandlung von Moses Bloch über die 613 Gesetze und die ältere Literatur darüber. Hierauf die Folge noch ungedruckter Dokumente von Adolph Neubauer über Bonasour Boneil Astruc von Perpignan und die Familie und von Steinschneider über das Buch -:on. Abr. Cahen setzt seinen interessanten Artikel über die Stellung der Juden in den französischen Colonien im 18. Jahrhundert fort, und Isidore Loeb bringt neue Aufschlüffe über R. Joselmann von Ros- ' heim heran. Die am Schluffe der Lieferung gegebene Biblio-! graphie ist recht reichhaltig, wenn auch lange nicht erschöpfend, i — Tie 10. Lieferung wird von Ernst Renan eröffnet mit einem Aufsatz über theophore apocopirte Namen in den semitischen Sprachen. Jedermann weiß, daß in den alten semitischen Sprachen eine sehr große Zahl von Eigennamen mit einem Namen Gottes zusammengesetzt war. Der Name Gottes erscheint bald im Nominativ, bald im Genitiv und seltener im Aecusativ. Ebenso weiß man, daß in einer beträchtlichen Zahl der Name Gottes ausgelassen worden, so zwar, daß nur der andere Theil des zusammengesetzten Namens geblieben ist und Gott nur durch das Pronom der dritten Person angedeutet ist. lieber diesen Gegenstand verbreitet Renan ein weiteres Licht. W. Bacher giebt eine kritische Studie über einige sonderbare Traditionen, die auf Rabbi Meir Bezug haben, und zwar über den Namen desselben, über Me'tr und Nero und Me'ir und Cleopatra. In Petersburg wird die Geschichte der Juden von Grätz ins Russische übersetzt und fügt A. Harkavy Zusätze und Berich tigungen hinzu, die hier in französischer Sprache veröffentlicht werden. M. Lottes bietet uns in Dokumenten und Notizen über die polittsche nnd literärische Geschichte der Juden in Italien intereffante Ausschlüffe; zuerst über die den Juden von Asolo 1520 vom Dogen von Venedig gemachten Zugeständniffe und über das den Juden 1572 vom Herzog Emanel Philibert von Savoyen gewährte Privilegium. Beide Dokumente sind im Original hinzugefügt. Das zweite Dokument ist ein Beweis von Duldsamkeit, wie wir sie aus jener Zeit nicht wiederfinden. Verweilen wir deshalb einen Augeublick dabei. Es wird den spanischen und portugiesischen Juden, die sich in Savoyen niederlassen, die unbeschränkte Gewissensfreiheit zugesichert, so daß weder die Inquisition, noch irgend