Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1883)
- Date
- 1883-05-29
- Page
- Seite 363 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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363 60 Meter Breite und 13 Meter Tiefe. Derselbe würde das Mittelländische Meer in das Herz Palästinas bringen. Damit die Gewässer des Todten Meeres sich mit denen des Rothen Meeres vereinen, soll weiter ein 20 englische Meilen langer Canal vom Borgebirge des Golfs von Akabah nach dem Todten Meere angelegt werden. Wenn alles dies erfolgreich vollbracht worden, erwarte man, daß ein Binnensee von circa 200 englischen Meilen Länge, in der Breite von drei bis zu zehn Meilen variirend und tief genug, um die größten Schiffe zu tragen, vom Mittelländischen Meere nach dem Rothen Meere sich ausdehnen wird. Allzu sanguinischen Hoffnung scheinen sich die Ersinder und Gönner des Planes nicht hinzugeben." (Hierzu bemerken wir, -aß, wie es scheint, man zunächst den See Tiberias (Genezareth) benutzen will. Wer den Lauf des Jordans kennt, weiß, daß er viele Stromwellen hat, so daß seine Verbreitung und Vertiefung wegen der Felsriegel große Anstrengungen und j ' Kosten machen würde. Ferner ist die Strecke von der Süd' spitze des rothen Meeres bis nach Akabah noch völlig unbekannt, unbekannter als jetzt der Congo, folglich ob das Terrain für den Zweck sich eignet, noch ganz ungewiß ist. Allerdings würde Palästina ein ganz anderes Aussehen erhalten. Jndeß würde vorläufig die Erforschung des eben bezeichneten Landstriches schon ein Gewinn sein. Red. d. A. Z. d. Jud.) Rußland. Petersburg, 16. Mai. Die jüdische Zeitschrift Woschad begrüßt die Ernennung des Grafen Pahlen zum Präsidenten der Judencommission in sympathischer Weise und hebt die völlige Unparteilichkeit desselben rühmend hervor. Die Juden hätten überall nichts als Unparteilichkeit und strenge Gerechtigkeit für sich verlangt und könnten deshalb mit der Ernen- J nung des Grafen Pahlen sehr zufrieden fein. Feuilleton. Ufct ÜUttfYt) uub bu Itfltnr. geln, kröntest mit Ehre und Herrlichkeit ihn, setztest zum Nach hartem Kampfe hat endlich der Frühling seine volle Herrschaft über die Länder unserer Zone erlangt. Die Baumwelt steht in voller Blüthenpracht, die Saaten sprießen hervor, die Nachtigall und ihre Genossen lassen Tag und Nacht aus den Sträuchern und von den Bäumen herab ihren Sang erschallen. Wenn etwas die Falschheit jenes, von der gegenwärtigen kritischen, streitsüchtigen und pessimistischen Menschheit so willig aufgenommenen und verbreiteten Dogmas vom „Kampf ums Dasein" erweist, so ist es die Freude an den Schönheiten der Natur, der Genuß an den mannigfaltigen Reizen, mit denen sich unser Erdball geschmückt, die Empfindung der Erhebung, Klärung und Heiligung, die in uns bei dem Anblick jeder großartigen Naturscene erwacht. Das Alles reicht doch über jeden „Kamps ums Dasein" hinaus, und hat mit den Leidenschaften und Mühen, die bieTer schafft, oder die der Mensch sich in einem Kampfe selbst schafft, der ganz andere Triebfedern als das bloße Dasein hat. — Die heilige Schrift hat dem Menschen der Natur gegenüber auf ihrer ersten Seite die Herrschaft eingeräumt (I.Mos. 1, 26): „Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über das Geflügel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, und über alles Gewürme, das sich regt auf der Erde." Nicht der Bestand oder die Vernichtung dieser Wesen als Gattungen und Arten sollte in der Hand des Menschen liegen, denn zuvor heißt es (B. 22.): „Und Gott segnete sie, sprechend: Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Wasser in den Meeren und das Geflügel mehre sich auf der Erde." Ganz ähnlich sagt der Psalmist (8, 6): „Du ließest ihn in der Gottheit uni wenig erman- Herrn ihn über Deiner Hände Werke, Alles legtest Du unter seine Füße: Schafe und Rinder zumal und auch die Thiere des Feldes, Vögel des Himmels und Fische des Meeres, welche die Pfade der Meere durchwandern." Aber nicht allein über die belebten Wesen, über Thiere und Pflanzen erkennt die Schrift den Menschen als Herrn an, sondern auch, freilich durch große Mühen und gefahrvolle Arbeiten, über die Erde und ihre Bestandtheile selbst. Nicht allein, daß der Mensch die Oberfläche der Erde mit Pflug und Spaten zu reichlichem Ertrage bearbeitet, auch in die Tiefen der Erde dringt er ein, um Erz und Gestein zu seinem Nutzen und zu seinem Wohlgefallen herauf zu holen. Vielleicht die poetischeste Schilderung des Bergbaues giebt das 28. Kapitel des Buches Hiob. Es heißt da: „Einen Fundort hat das Silber, eine Stätte das Gold, das man (der Mensch) läutert; Eisen wird dem Staub enthalt, Stein zu Kupfer geschmolzen; bis zur äußersten Grenze wird das Gestein des Dunkels und des Todesschattens erforscht: Gänge bricht man, fern von Angehörigen; vom Fuß vergessen, hängen sie, auf der Bahn, die nicht der Adler kennet, nicht des Geiers Aug' erspäht, nie beschritt das Raubthier sie und nie streifte darauf der Löwe. An Granit legt man die Hand, wühlet Berge von der Wurzel um; durch die Felsen öffnet man Canäle uns das Auge siehst alle Pracht; aus dem Träufelnden vereint man Ströme und Verborgenes wird zu Tag gebracht." Und doch, wie einfach und auf den untersten Stufen der Entwickelung waren damals noch die Mittel, die der Mensch sich geschaffen, um die ganze Erde und all' ihre Schätze sich eigen zu machen. Als um 60 v. d. gew.