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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-29 · Heft 22 (29.5.1883) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 22 (29.5.1883)
Date
1883-05-29
Page
Seite 362 (sequence 12)
Language
German
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362 unabsehbaren Magazinen für alle möglichen Bedürfniffe in Kleidung, Möbel, Hausgeräthe u. s. w. von den kostbarsten Stoffen bis zu den gewöhnlichsten Gegenständen, im ausgesuchtesten Geschmack bis zur größten Einfachheit herab eine ungeheure Auswahl feil halten. Der Kampf nun, welchen gegen diese sich immer riesiger sich ausdehnenden Waarenlager der kleine hergebrachte Spezialhandel zu führen versucht, und dabei untergeht, giebt diesem Romane ein besonderes Jntereffe. Zola ist hier, wie überall in seinen Werken, Realist, er copirt mit größter Genauigkeit die Wirklichkeit, und diesmal ohne jegliche Uebertreibung. In der That sehen wir uns in dem jetzigen Paris um, so gewahren wir alsbald, daß etwa 25 solcher Geschäfte den ganzen Markt beherrschen, und vor ihnen, vor diesen riesigen Magazinen und Verkaufsstätten alle die zahllosen Kleinhändler verschwinden, die bis der Boden des Erwerbes entzogen und zahllose Handwerker zu abhängigen Lohnarbeitern herabgedrückt worden. Aber vergebens wird der Bolkswirthschaftler darüber nachsinnen, wie hier Abhülfe zu schaffen und dieser Zeittendenz entgegenzutreten sei. Es wird ihm dies ebenso wenig gelingen, wie er es einstmals vermocht hätte, der Feudalherrschaft eine Schranke zu ziehen, welche die freien Bauern zu Leibeigenen herabdrückte. Das einzige denkbare Hülfsmittel wäre die Associations - Production, aber diese ist eben noch Problem, dessen Lösung in Theorie und Praxis noch weit im Felde steht. — Warum wir nun von dieser großartigen und doch gefährlichen Erscheinunng an dieser Stelle sprechen? In Deutschland, Oesterreich und Rußland lieben es die Antisemiten die Verwirrung und Umgestaltung der gewerblichen Verhältnisse und den Schaden, den zahllose Gewerbtreibende jetzt für ihre Familien Wohlhabenheit, ja sogar mäßigen daraus erleiden, den Juden in die Schuhe zu schieben, fort Reichthum erwarben. Nachdem einmal die Grundsätze .für z das Verfahren dieser großen Waarenlager gefunden und zur j Ausführung gebracht worden, ist es wie eine Naturnothwendigkeit, daß Alles um sie her verschwindet, was früher in einzelnen Branchen einen lohnenden Erwerb gefunden. Es ist nicht allein die Bequemlichkeit, hier die Befriedigung seines Bedarfs von der niedrigsten bis zur höchsten Stufe der Eleganz und in allen möglichen Gegenständen bei einander zu sinden, sondern auch der Grundsatz, durch den schnellen und ungeheuer großen Umsatz wohlfeiler, ja Manches selbst unter dem Preise verkaufen zu können, und alle Gegenstände, die aus dem Bereiche der ^onveante herauskommen, durch Herabsetzung des Preises rasch zu räumen — ist es was diesen großen Unternehmungen das unvermeidliche Uebergewicht verschafft. Das große Publikum hat den wesentlichen Nutzen davon, wenn man sich auch der Betrachtung nicht zu entziehen vermag, daß durch die Entfaltung dieses großen Luxus die Kaufbegierde übermäßig angereizt wird. Man rechnet hierbei besonders auf das weibliche Geschlecht, und lockt dasselbe noch mehr dadurch an, daß die gekauften Gegenstände, so lange sie nicht gebraucht worden, wieder zurückgebracht und mit anderen vertauscht werden können. Aber sicher ist es, daß durch dieselben Tausende von Familien brodlos werden, während sich in den Händen der Wenigen, welche für solche Unternehmungen Kapital und Genie besitzen, der größte Reichthum anhäuft. In Paris sind dieselben erfunden und im ^großartigsten Style ausgeführt worden, so daß Berlin, Wien und selbst London es nur zu schwachen Kopien gebracht haben. Dem Nationalökonomen wird es hierbei sehr bange zu Muthe, denn er kann es sich ja nicht verhehlen, daß dem großen Mittelstände, der eigentlichen Unterlage der geordneten und gesicherten bürgerlichen Gesellschaft, eine neue Wunde beigebracht wird, an welcher er sich verblutet, wie bereits durch die Fabriken und großen Magazine dem Handwerkerstande und fort auf das Capital zu schimpfen und die Juden als Inhaber des Capitals und Träger des Finanzwesens hinzustellen. Das ist freilich leichter, als den eigentlichen Ursachen dieser großen Bewegung nachzuforschen. Daß sie mit diesen Anschuldigungen auch bei denen Anklang finden, welche sonst von gehässigen Borurtheilen gegen die Juden nicht beherrscht werden, ist bekannt. Nun, wir haben hier eine Erscheinung geschildert, welche für den Mittelstand eine große Gefahr enthält, und die weder von Juden ausgegangen, noch ausgeführt wird. Unter den 25 großen Unternehmungen dieser Art in Paris ist keine einzige in den Händen eines Juden. Daß in dieser oder jener großen Stadt gleich christlichen Unternehmern hier und da auch ein Jude sich befindet, der eine Copie versucht hat, thut zur Sache nichts. So wenig wie die Großindustrie, welche zahllose Handwerker erwerblos gemacht, von Juden auszegangen, ebenso wenig dieser Großhandel, der den gesammten Kleinhandel auf's Trockene setzt. — Bei Calman Levy ist soeben unter dem Titel „En 1848" eine Sammlung von Reden und Briefen Adolph Cremieux' erschienen. Wir werden darauf zurückkommen. Großbritannien. London, 18. Mai. Man schreibt von hier: Die Agitation für den Bau eines zweiten Suezcanals hat auch das Project eines Canals durch Palästina auftauchen lassen, der von Acre am Mittelländischen Meere nach Akabah am Rothen Meere laufen soll. Das Unternehmen befindet sich jedoch noch im frühesten Stadium der Vorbereitung, insofern bis jetzt nichts weiter geschehen ist als die Bildung einer kleinen Gesellschaft, die das zu den Vermessungen erforderliche Capital aufbringt. An der Spitze der Gesellschaft steht der Herzog von Marlborough. Von Haifa, in der Bai von Acre, soll durch die Ebene von Asdraelon nach dem Thale des Jordanfluffes ein Canal hergestellt werden von 40 Kilometer Länge,

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