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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-29 · Heft 22 (29.5.1883) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 22 (29.5.1883)
Date
1883-05-29
Page
Seite 364 (sequence 14)
Language
German
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364 Ztr. Lucretius sein Lehrgedicht über die Natur der Dinge' verfaßte, da bricht er in Lobpreis über die Herrschaft des; Menschen aus, der aus allen Ländern und Meeren zusammenholt, was ihm nützt und ihn erfreut, der das Land in das; Meer und das Meer auf das Land versetzt — obschon man} damals keine geschliffenen Gläser, keine chemischen Jnstru-! mentet keinen Compaß, nicht die Kraft des Pulvers, des; Dampfes, der Electricität u. s. w. kannte, mit deren Hilfen jetzt die Enden der Erde mit einander verbunden sind und alle Völker zu einer wirklichen Menschenfamilie im Austausch aller materiellen und geistigen Erzeugniffe geworden. Dennoch erkannte auch die heilige Schrift schon die Grenzen die dem menschlichen Können, der menschlichen Macht und Herrschaft gestellt sind. Um die göttliche Weltordnung in der Natur wie in der Geschichte und die Ohnmacht des Menschen vor ihr zu zeigen, erhebt sich der Dichter (Hiob 36) zuerst in die Region der Wolken: „Ta zieht er Waffertropfen aus, geläutert werden sie zu Regen in dem Nebel; dann träufeln aus den Wolken sie und rieseln aus der Menschen Menge. Doch wer verstehet des Gewölkes Spannung, das Krachen seiner Hütte? Sieh, darinnen breitet er sein Feuer aus, indeß des Meeres Wurzeln er verhüllt." Und ausführlicher von Kap. 36 an: „Wer setzte der Erde Maaße fest, so Du es weißt, oder wer zog die Meßschnur über sie? wer schloß das Meer mit Thoren ein, als ich Ge wölk zu seinem Kleide machte und Wetterwolke ihm zur Windel; da ich sprach: bis hierher komme und nicht weiter, hier bleibe steh'n in deiner Wogen Wuth! Entbotest du dein Lebelang den Morgen, bestelletest dem Frühroth seine Stätte zu umfaffen die Säume der Erde? Kamst du bis zu des Meeres Quellen, durchwandeltest den Abgrund der Fluth? Wo ist der Weg dahin, wo Luft sich spaltet, wo Gluthwind über die Erde bricht. Hast du geknüpft die Bande der Plejaden, oder des Orions Bande, du lösest sie?" Bon hier aus geht der Dichter zu den Thieren über, gedenket der bestimmten Zeiten ihrer Geburt und ihres Lebens, und verweilt in großen Zügen besonders bei den Coloffen der Thierwelt, sowie bei den wilden Thieren, denen der Mensch zu seinem Dienste nicht mächtig wird. So der wilde Esel, dessen Wohnung die Wüste und die Salzsteppe; der Büffel, der nicht gebunden werden kann an die Furche mit dem Seil, des Straußes, des wilden Roffes. „Schwingt sich nach deiner Einsicht der Habicht, breitet nach Süden seine Flügel, hebt sich nach deinem Geheiße der Adler und daß sein Nest er hocherbaut?" Das Nilpferd, das unüberwindlich unter Lothosstauden ruht, das Crokodil, das der Mensch nicht fängt und zähmt. Kurz, überall hin sind dem menschlichen Thun und Schaffen Schranken gesetzt und er muß sich bescheiden, Jahrhunderte lang zu ringen, um in Erkenntniß und Ver-! mögen einen Schritt vorwärts zu kommen. Das unermeß-! liche Haus, in das Gott den Menschen eingesetzt, er soll in j ihm immer vertrauter werden, nicht im Kampf um's Dasein! — denn nicht die Erhaltung seines Daseins treibt ihn an,! die Räume des Himmels zu durchspähen, die Hügel der Wüste zu übersteigen, in der Welt des Geistes sich aufzuklären, die höchsten Gebilde der Kunst zu vollenden — sondern im Drange seines Geistes in die Höhe, in die Weite und in das Innere, in Aufschwung seiner Seele nach der Wahrheit und der Schönheit'. Nachtrag. Lemberg, 18. Mai. (Privatmitth.) Im Stadtwahlbezirke Kolomna-Sniatyn-Buczacz, dem Wahlbezirke des verstorbenen Rabbiners Schreiber, wurde gestern Rabbiner vr. Bloch aus Floridsdorf bei Wien mit 1460 Stimmen zum Reichsraths - Abgeordneten gewählt. Sein Gegencandidat, vr. Warschauer, erhielt 983 Stimmen. Bloch versprach vor der Wahl, in den Polen - Club eintreten zu wollen. Die polnischen Blätter stellen sich ganz entrüstet über die Wahl Blochs. „Tziennik" meint, für die galizischen Juden würden die üblen Folgen dieser Wahl nicht ausbleiben, selbst wenn die Aufnahme Bloch's in den Polen-Club erfolgen sollte, was in Folge der ablehnenden Haltung der polnischen Reichsraths- Abgeordneten nicht sehr wahrscheinlich ist. Bor 14 Tagen wurde in einer in hiesiger Stadt abgehaltenen Versammlung der Beschluß gefaßt, Herrn vr. Bloch zu ersuchen, im Interesse der galizischen Juden von der Caudidatur abzustehen; Bloch wird nichtsdestoweniger die auf ihn gefallene Wahl annehmen. Anzeigen. Ty% 4.^ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet nnd müssen für die nächst- ÜAöüX Uv folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Fxped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Pensionat und höhere Töchterschule von Frau Dr. Leverson. Hannover, Thiergarlevstraße 3 n. 4. Näheres durch Prospecte. (14628) Aufnahme von Zöglingen zn jeder Zelt. Ein jnngeS gebildetes israelitisches Mädchen, welches schon drei Jahre Stellung zur Stütze der Hausfrau hatte, sucht, um sich zu verändern, eine ähnliche Stellung in einem jüdischen Haushalt. Reslectanten wollen sich gefäll. schriftlich wenden an Eduard Herzer in Osterode am Harz. [7551] Wer gewährt einem tüchtigen, mittellosen, unverheiratheten Schriftsteller, Israelit, ein Darlehn von 300 Mark zur Begründung eines Unternehmens, das ihm eine sichere Existenz vcr- > schabt? Oesl, Offerten unter 8. 8. post- | lagernd Leipzig. [8195]

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