Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1883)
- Date
- 1883-05-29
- Page
- Seite 359 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227470--40849-3309276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
359 I Conferenz der israelitischen Lehrer sür Westfalen und die cinalbehörde verweigerte, wie dies das Gesetz vorschreibt. Aber Rheinprovinz in unseren Mauern getagt. Es war kurze! hinter diesem Legalitätsfehler gähnt uns der Eonsessionshaß Zeit nach der Begründung Ihres Vereins, einem schwachen; mit aller Kraft an. Dies geht am besten aus der trefflichen Reise war er vergleichbar, das noch keine feste Wurzeln ge- Rede des Vertheidigers Or. Adolf Stein hervor. Er begann: schlagen. Durch die vortreffliche Pflege der Mitglieder und „In dem weltvergessenen Orte Lutcza lebte schlecht und recht namentlich Ihres Vorstandes, dem hierfür die vollste Anerals ein Bauer mit anderen Bauern Moses Ritter. Er war kennung gebührt, hat es sich zum kräftigen Stamme entwickelt kein Wucherer, hatte keinen Schrank, und er sowohl wie seine und die herrlichsten Früchte gezeitigt. Familie beschäftigte sich tagsüber mit Arbeit. Da traf cs Diejenigen unter Ihnen, die den damaligen Bcrathungen sich, daß ein gewisser Bandella erblindete. Sogleich entstand beigewohnt, werden bestätigen müssen, daß Ihre Pläne und das Gerücht, niemand anders als Moses Ritter habe Bandella Absichten hier zu jener Zeit schon sich großer Sympathien blind gemacht. Dann wieder verschwand eines Tages ein erfreuten, und daß man Ihren Bestrebungen die wärmste Mädchen, dessen Leichnam später aufgesunden wurde, und Theilnahme entgegenbrachte. Es gereicht mir zu hoher Gesogleich hieß es wieder: „Juden haben sie umgebracht; sie nugthuung. Ihnen die Versicherung ertheilen zu können, daß! hat bei den Juden gedient, folglich müssen diese sie umgebracht sich das nicht geändert, daß Alles was für Schule und Lehrer j haben." Das Gericht verhaftete nun die Familie Ritter und geschieht, mächtigen Wiederhall findet in unseren Herzen, und ihren angeblichen Mitschuldigen Stochlinski. Aus diese Momente, daß namentlich das Jntereffe für Ihre Unterstützungskasse,! also aus Flugsand, wurde die Anklage aufgeführt, und so Ihre Fürsorge für die Wittwen und Waisen, hier eine all-! kam es, daß in offener Gerichtssitzung von einer Seite, die seitige ist. Als äußerer Beweis hierfür mag die Mittheilung ich dem Obersten Gerichtshöfe nicht näher zu bezeichnen brauche, dienen, daß eine Anzahl Gemeindemitglieder Ihnen für dieses der Schlachtruf erhoben wurde: „Was würde die Welt dazu Kaffe den Betrag von M. 300 durch mich überweisen läßt. i sagen, daß Juden eine Christin umgebracht haben und frei- Sodann habe ich noch die angenehme Pflicht Sie auf diesen! gesprochen worden sind!" Unter dem offenbaren Einflüsse der Abend zu einem gemüthlichen Beisammensein, bei dem auch! Erregung der Geister wurde dieser Proceß durchgeführt. „In unsere Frauen und Töchter nicht fehlen wollen, freundlichst e einem Werke des berühmten Rechtslehrers Holtzeudorff heißt es: einzuladen. Nach den voraussichtlich anstrengenden Bera-! „Noch jetzt werden ungerechte Todesurtheile gefällt von kleinen thungen des Nachmittags, werden Ihnen, so denken wir,! städtischen Schwurgerichten unter dem Einflüsse localer Erre einige Stunden, dem Frohsinn und der Heiterkeit gewidmet, j gung." Das ist auch in diesem Falle geschehen. Alle jene Anträge nicht unwillkommen sein. Und so wünschen wir, daß, wenn j der Verteidigung, welche dahin zielten, daß das Beweisver Sie uns nach kurzem Aufenthalte wieder verlassen, Sie daß! fahren ein unparteiisches sei, wurden abgelehnt; hochwichtige Bewußtsein mit in Ihre Heimath nehmen, daß in der schwarzen! Momente für die Beurtheilung des Sachverhaltes wurden Kohlen- und Eisenstadt Essen nicht nur Jntereffe herrscht für nicht berücksichtigt. Wir suchen deshalb Schutz und Abhilfe das Materielle, sondern daß hier auch vine Bildungsstätte ist ,bei dem höchsten Tribunal des Reichs." Ter Redner bekämpft zur Pflege von Geist und Gemütb." hieraus siegreich das Gutachten des L)r. Bielinski in allen seinen Theilen. Er führt dann als charakteristisch sür den ^)esterreich-1lngarn. Standpunkt, von welchem die Untersuchung geführt wurde, Wien, 14. Mai. (Privatmitth.) Sie haben bereits eine Stelle aus der Anklageschrift an. Es heißt darin: gemeldet, daß der Oberste Gerichtshof das Urtheil gegen „Wiewohl die amtlichen Organe dieselbe Ueberzeugung wie Moses Ritter und Genoffen aufgehoben und die Proceßverdas gemeine Landvolk hatten, war es doch lange nicht gelungen, Handlung vor das Krakauer Schwurgericht verwiesen hat. den Beweis herzustellen." Das erklärt Alles. Die Ueber- Es ist dies der verrufene Rzeßower Proceß, in welchem der zeugung war von vornherein feststehend. Wenn Juristen Antisemitismus eine so große Rolle gespielt, durch Mißhandim vorhinein überzeugt sind, bevor noch irgend ein Umstand lungen zu Zeugenaussagen gezwungen, der Talmud durch erfestgestellt wurde, dann wundere ich mich nicht, wenn das logene Insinuationen hineingezogcn, und zuletzt der Judenhaß Landvolk sich auf solche Weise seine Meinungen bildet, ^.er ' das Verdikt der Geschworenen erwirkte. Daß das letztere der Vertheidiger schließt hieraus folgendermaßen: „So glaube Fall war, kam bei den Verhandlungen vor dem Obersten ich denn mein Programm vollständig ausgeführt zu haben. Gerichtshöfe offen zur Sprache. Die Nichtigkeitsbeschwerde ^zch habe gezeigt, daß die ganze Beschuldigung gegen die wurde allerdings dadurch motivirt, daß sich die Anklage auf Familie Ritter auf ein blindfanatisches Gerücht zurückzuführen das Gutachten eines Bezirksarztes gründete, das in hohem ist: daß der Leichenbefund auch nicht im entferntesten Ma Grade mangelhaft und irrig war, und der Gerichtshof dennoch terial dafür bietet, Francisca Mnich sei von irgend Jemandem Exhumation und Superrevision seitens der zuständigen Medi ermordet worden, das; ihr Dasein höchst wahrscheinlich durch