Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 129 (27.10.1838)
- Date
- 1838-10-27
- Page
- Seite 520 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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520 aber poetisch und philosophisch, eben so wie historisch ihren Sinn verloren hat. Uns aber gegen denselben über die Mission des Judenthums auszulassen, hieße tauben Ohren predigen. Gutzkow hat sich bei dieser Discussion so sehr aller tiefem Auffassung der Geschichte ledig gezeigt, oder zeigen wollen, daß wir diesmal uns des Weitern darüber enthalten können. Wer übrigens noch einen Commentar zu unserem früheren Aufsatze haben will, lese Nr. 192 der eleganten Zeitung „über Gutzkow's neueste Romane." (*5 c f cf)i cf) t c. Sabbathey I w y, eine biographische Skizze. Von D r. H o r s ch e tz k y. Der Menschenfreund weint eine Thrane, die ihn ehrt, wenn er im großen Buche der Geschichte auf jene Unglücklichen stößt, die, von der gütigen Natur mit den herrlichsten Anlagen ausgerüstet, dem menschlichen Geschlechts wichtige Dienste zu leisten, durch eine schlechte Richtung in der Erziehung, oder durch den Gang des Geschicks demselben ganz verloren gingen; oder was noch schlimmer ist, ihre seltenen Gaben ihm zum Nachtheile angewendet haben. Die Lebensbeschreibungen solcher Mißrathenen sind nicht ohne wahren Nutzen. Sie stehen da als Warnungstafeln für den Unerfahrenen, die ihm zeigen, wie nicht selten auch der fähigste Kopf von den Jrrthümern seiner Zeit hingerissen und verwirrt, zum Ungethüme wird, und wie gefährlich zügellose Schwärmerei alles um sich her ansteckt. Sabbathey Awy, Mardochai Zwy's Sohn, ward 1625 zu Smyrna geboren. Sein Vater ein türkischer Jude aus Morea anfangs Federvieh-Krämer, kam nachher als Waarenmakler bei englischen Kaufleuten in günstigere Vermögensumstande. So viel die Natur vermag, um den Menschen liebenswürdig zu machen, hatte sie auch für den jungen Sabbathey gethan. In ihm vermahlten sich die Vorzüge aus dem Reiche der Formen mit den glänzendsten Anlagen des Geistes. Sabbathey war schön wie ein Engel, und erzogen in der Stoa wäre er das Wunder Griechenlands geworden. Aber Zeit und Ort widerstrebten dem. Er wurde in der Bibel und im Talmud unterrichtet. Des Knaben Fähigkeiten waren so groß, daß er all' seine zahlreichen Mitschüler übertcaf, und bald keines Lehrers mehr bedurfte. Als er die Schule verließ, widmete er sich, ohne in diesem Fache je einen Lehrer gehabt zu haben, der Kabbala, ein Studium, an welches sich nur Rabbinen im höhern Alter zu wagen pflegen. Er brachte es darin zu einer so hohen Vollkommenheit, daß die Rabbinen seiner Vaterstadt ihm im achtzehnten Jahre den Titel Chacham ertheilten, und die ersten und gelehrtesten Männer Smyrna's Vorlesungen in der Geheimlehre bei ihm hörten. Im Ruse eines großen Kabbalisten, nahm nun Sabbathey gleich einem Hierophanten zu Eleusts, die in seine Geheimnisse Einzuweihenden auf, und ertheilte ihnen, freilich in keinem Tempel von pentelischem Marmor, sondern in dem kleinen väterlichen Wohnhause, Unterricht. Sie mußten beinahe wie bei den Mysterien der Ceres sich reinigen, durch das Baden im Meere, und mehrere Male in der Woche fasten. Sabbathey selbst nahm voller sechs Tage und Nächte, von einem Ausgange des Sabbats bis zum Eingänge des nachfolgenden weder Speise noch Trank zu sich. Mit vieler Lebensgefahr stieg er um Mitternacht ins wogende Meer, und trotz dieser Kasteiungen, glanzte sein Angesicht wie das Antlitz eines überirdischen Wesens, und seinem Körper entdufteten paradiesische Wohtgerüche. Wie die Koryphäen in der Kabbala Rabbi Simon ben Jochai, Rabbi Jsaac Loria, wie die Weltweifen Pythagoras und Plato, führte auch er zuweilen seine Schüler ins Freie, und unterrichtete sie im Angesichte der Natur unter dem unermeßlichen Sternenzelte in den Geheimnissen seiner Lehre, nicht achtend des Spottes und der Neckereien des türkischen Pöbels. Der zwanzigjährige Wundermann, ein Heiliger, schön und gelehrt, konnte nicht lange den Augen der reizenden Schönen seiner Vaterstadt gleichgültig bleiben. Die Tochter eines sehr reichen und vornehmen Mannes aus Smyrna war die Glückliche, ihm vermahlt zu werden. Gewöhnlich pflegen nur die Heiligen im hohen Alter den meisten Lebensgenüssen zu entsagen; aber dies mal war es der blühende Sabbathey, der in der Ausübung der ehelichen Pflicht die strengste Enthaltsamkeit beobachtete. Die junge Dame beschwerte sich hierüber bei ihren Ettern. Diese luden ihn öbr ein Rabbinen-Gericht, welches ihm befahl entweder Gatte zu sein, oder seiner Frau den Scheidebrief zu geben. Er wählte das Letztere. Bald darauf verband er sich abermals mit der Tochter eines anderen Smyrnaer Juden; aber auch diese theilte das Loos ihrer Vorgängerin, und er mußte sich ebenfalls von ihr trennen. Als seine Freunde