Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 129 (27.10.1838)
- Date
- 1838-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m. z.hrg-.g, Allgemeine N». 12s. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer attergnädigfter Concefsion.) Leipzig, den 27. October 1838. Tages - Controle. Wer Nr. 124 und ff. des Telegraphen für Deutschland mit „Noch einmal Ahasver" in Nr. 168 vergleicht, der wird den Ton des Herrn vr. Gutzkow ganz und gar verändert finden. Wir freuen uns aufrichtig dessen, denn obgleich wir den Ausbrüchen des genannten Herrn durchaus nicht jene Wichtigkeit beilegten, die einigen Freunden bedünkte, obgleich wir die Entwicklung und den glücklichen Fortgang unsrer Angelegenheit langst nicht mehr an die Paranesten oder Schnurhungen Einzelner gebunden glauben — so ist es doch wahrlich! erheblich, wenn das Spiel kleinlicher Leidenschaften, das hämische Tippen und Hauen aus unserm Gebiete verschwindet. Dennoch giebt es uns noch zu folgenden Betrachtungen Gelegenheit. Wir haben in neueren Zeiten mehrere Beispiele gesehen, daß Schriftsteller, welche sich vom Ehristenthume entfernt hatten, dadurch demselben wieder nahe zu kommen suchten, daß sie sich den Juden und dem Judenthume in gehässigster Feindseligkeit gegenüber stellten. So hatte Franz Delitzsch, dieser gründliche Forscher der hebräisch-jüdischen Literatur, durch seine Beiträge „zur Geschichte der jüdischen Poesie" geglaubt, in einen Geruch des Judaisicens bei den Theologen gekommen zu sein, und schnell stellte er sich in seinem „Kunst, Wissenschaft und Judenthum" in einem Lichte dar, daß er alle seine Studien nur unternommen habe, um — Judenmissionair zu werden. Nachdem er sich so den Rückzug gesichert, schreitet er wieder auf seiner frühem Bahn ruhig weiter. So freut sich auch Gutzkow durch seine früheren Aufsatze über Ahasver „seinen christlichen Freunden" eine große Freude gemacht zu haben. — Gegen diese Verfahrungsweise müssen wir uns ein für allewat sicher stellen. Wer da glaubt, durch Profanisirung und Entwürdigung des Christenthums dem Judenthume einen Gefallen oder Vorschub leisten, der irrt sehr. Im Gegentheile wird mit der Vernüchtung des Fundaments des Christenthums auch das -Fundament des Judenthums untergraben, nämlich die göttliche Offenbarung. Hier haben Judenthum und Christenthum einerlei Interesse. Um so mehr muß das Spiel derer aufgedeckt werden, welche am Christenthume zum Ritter zu werden denken, indem sie die Mission und Existenz des Judenthums zu zerschlagen suchen, und mit Recht werden diese in den Augen beider Partheien verdächtig sein und bleiben. Wenigstens von Seiten des Judenthums müssen wir es gänzlich zurückweisen, als ob dessen Existenz in die Bekämpfung und Ausstellung des . Christenthums gesetzt werden müsse, da bekanntlich das Christenthum das Judenthum nicht negirt. Ferner. Wenn die Gutzkow'schen Aufsätze über Ahasver ein Versuch sein sollten, die Emancipationsfrage von den Ultraliberalen zu trennen, sd mag die Bemerkung nicht auf den Boden fallen, daß sie schon längst von diesen getrennt ist. Die neueren Schritte der meisten deutschen Regierungen, selbst das sächsische Gesetz, involvirerr die Bejahung der Emancipationsfrage der Juden alle. Denn indem sie sämmtlich eine „Vorbereitung zu weiteren Schritten in der bürgerlichen Befreiung der Juden" sein sollen, ist die Emancipation de jure bejaht und de facto eingeleitet. Ist es nun die offenkundige Absicht der einen hohen Regierung, durch religiöse Veredlung des Cultus, der andern durch Eröffnung bürgerlicher Erwerbsquellen rc. die vollständige Emancipation näher zu bringen — wie gesagt: im Geiste ist sie dadurch schon entschieden. Die Ultraliberalen können die Emancipation der Juden also nicht negircn, ohne sich selbst und ihre Consequenz aufzugeben. Wol aber ist die Emancipation der Juden schon in ganz andre Regionen hineingewachsen, in die Region des allgemeinen Geistes, und nur die der Tory's quand meine ist ihr noch verschlossen. Gutzkow will jetzt die Ahasversage den Juden gänzlich versagen, und hierin hat er nur unsre Ansicht ausgesprochen. Wir müssen sie aber auch den christlichen Dichtern verschließen, da diese armselige Sage nur den ersten Jahrhunderten und dem damaligen Kampfe um die Existenz des Christenthums im Judenthume angehört, längst