Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 129 (27.10.1838)
- Date
- 1838-10-27
- Page
- Seite 521 (sequence 3)
- Language
- German
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521 über dies Betragen ihm Vorstellungen machten, gab er vor, der heilige Geist rrn) habe ihm verkündigt, daß keine von Beiden, die für ihn vom Himmel bestimmte gewesen sei. Andere sind der Meinung, er habe seinen Stoicismus stählen, und in der Tugend der Enthaltsamkeit sich üben wollen. Ueberhaupt schien Sabbathey der Körperwelt entsagt zu haben, und nur so viel von ihr in Anspruch nehmen zu wollen, als zur Erhaltung seiner irdischen Hülle unumgänglich nöthig war. Er lebte von Nektar und Ambrosia in den hohem Regionen der Geister, über welche er eine Herrschaft zu erwinden sich vorgenommen halft. Er fing nun an die geheimsten Geheimnisse der Kabbala öffentlich zu lehren, und erwarb sich unter seinen Glaubensgenossen im Osmanischen Reiche einen beispiellosen Ruf. Obschon nur der Sohn eines Hühnerkrämers, faßte er in seinem vierundzwanzigsten Jahre, zwar sehr unterrichtet in allem, was für seine große Rolle zu wissen nöthig war, den ehrsüchtigen und kühnen Entschluß, seine Religionsverwandten zu bereden, er sei der von den Propheten verheißene, und seit so vielen Jahrhunderten erwartete Befreier Israels. Er nannte sich einen Sohn Davids, sprach, was nach der Meinung der späteren Juden unerlaubt ist, den Namen Gottes aus, wendete mehrere Prophezeihungen auf sich an, und bildete sich ein, auf Wolken einherzufahren, wie der Prophet Jsaja vom Messias verkündiget hatte. *) Entweder war seine Einbildungskraft wirklich schon so krank, oder glaubte er durch sein Ansehen so viel Ehrfurcht bei seinen Schülern erworben zu haben, daß er die Frage an sie stellen konnte, ob sie ihn gesehen hätten gen Himmel steigen, und daß er denen Blindheit vorwarf, welche diese Frage verneinten. Es gab vernünftige Leute genug, welche wol merkten, wie weit ein Mensch sich verstiegen habe, der so dreist sich rühmen konnte Wunder verrichtet zu haben. Die Nabbinen zu Smyrna ließen ihn durch zwei Gerichtsdiener warnen sich seiner strafbaren Aeußerungen zu enthalten. Da aber Sabbathey in seiner bisherigen Weise fortfuhe und hartnäckig behauptete, daß ihm als Messias so zu handeln zukomme, so sprach das Rabbinengericht, aus doppelter Ursache das Todesurtheil über ihn; weil er als Messias sich ausgegeben, und den Namen Gottes auszusprechen sich erkühnt habe. Die Rabbinen erklärten ihn vogelfrei, machten öffentlich bekannt, daß derjenige ein gottgefälliges Werk verrichte, welcher ihn tödten werde, und versprachen, die nach türkischem Rechte auf diesen Mord gesetzte Geldstrafe, *) Ich fahre hoch auf Wolkenrücken Wetteifernd mit dem Höchsten. Jsaja XIV. 14. zu erlegen. Dieser Beschluß schreckte Sabbathey; er floh nach Thessatonich, wo er mit Vortheil bei den dortigen zahlreichen jüdischen Einwohnern seine Rolle fortzuspielen hoffte. Wirklich fand er anfangs glanzende Aufnahme. Alles versammelte sich, um ihn zu hören. Als er aber in Gegenwart seiner zahlreichen Zuhörer sich für den Sohn Davids erklärte, und den Namen Gottes aussprach, wurde auch hier von den Rabbinen ihm der Befehl errheilt, unverzüglich die Stadt zu verlassen, widrigenfalls er den Tod zu erwarten habe. Sabbathey floh von hier, gejagt durch den Verfolgungsgeist der Rabbinen, nach Athen, und von einer Stadt Griechenlands zur andern. In ganz Morea fand der Messias keine sichere Stätte mehr. Ec ging endlich nach Alexandrien in Egypten, und von da nach Jerusalem. Die Umstande, welche Sabbatheys vorgeblicher Sendung mächtigen Vorschub leisteten, waren folgende: Die meisten Kabbalisten hatten durch Berechnungen erwiesen, daß um das Jahr 1666, wo Sabbathey auch im größten Flore war, der Meffias kommen müsse. Er wußte nach den Grundsätzen der Kabbala diese Arithmetik so geschickt in Beziehung auf sich zu bringen, daß viele ungelehrte sowol als gelehrte Juden zu seiner Fahne schwuren. So wendete ec den Vers Jesaja's*) „In meinem Innersten glüht ein Tag der Rache, das Jahr meiner Erlösung ist angelangt," auf sich an; indem er nachwies, daß die letzten Worte dieses Verses (Man rwi) mit seinem Namen tdo) gleichzahlig sind. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Selma, die jüdische Seherin. Traumleben und Hellsehen einer durch animalischen Magnetismus wieder hergestellten Kranken. Von Dr. (pliil.) M. Wiener. Berlin, bei L. Fernbach jun. 1839. XV1IL und 208 S. Zweite Kritik. (Fortsetzung). Dahin war man gekommen, und mit einer gewissen Sicherheit ließ man es decennienlang darauf beruhen. Da rückten I u sti n u S Kerner und Esch e n m a y e r die Säulen der bisherigen Systeme so auseinander, daß tausend geschäftige Hände bis jetzt nicht vermochten, das verschobene Fachwerk wieder in Ordnung zu bringen, und selbst Fichte im Morgcnblatt erklärte, daß wenn wir auch nur einige Thatsachen als erwiesen ansehen, wir bekennen müssen, daß die bisherige Theorie über dergleichen Erscheinungen sich als durchaus ungenügend er- ») Jesaja C. 68, V. 4. ttfia •»bis« naiBl ■'Sbi Dpa CT '2