Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1883)
- Date
- 1883-05-22
- Page
- Seite 345 (sequence 15)
- Language
- German
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345 ist, und daß ihre einheitliche Organisation nur auf den, gemeinsamen Judenhasse beruht, der aber, bei Lichte besehen, in den verschiedenartigsten Farben schillert. Klagten doch die Wortführer dieses „Congresses" selbst, wie wenig Halt die Bewegung beim gebildeten Publicum, in den intelligenten Classen der Bevölkerung habe; wie gering die materielle Opferwilligkeit für die Unterstützung der antisemitischen Agitation sei, die doch ohne Geldmittel gar nicht fortgesetzt werden könne; wie unzureichend und schwach die „gute Sache" durch die conservative Presse vertreten werde, und wie wenig Förderung der Antisemitismus von oben, sowohl aus den steckenden noch am liebsten; bedenklicher seien schon die Reform- Juden, entschieden verdächtig aber die getauften Juden." — Wien, 7. Mai. Die Kassationsverhandlung in der Rzeßower Affaire wurde heute vor dem Obersten Gerichtshöfe durchgeführt und endete, wie vorherzusehen, vorläufig zu Gunsten der in erster Instanz Berurtheilten. Bekanntlich hat diese die Eheleute Moses und Gitel Ritter, sowie den Knecht Stochlinski (wegen Ermordung eines schwangeren Dienstmädchens) zum Tode durch den Strang verurtheilt; nachdem der Vertreter der General - Prokuratur, Hofrath imonowicz, selbst für die Aufhebung des ersten Wahrspruchehöheren Schichten der Gesellschaft, wie aus den politisch maßi eintrat, fällte der Kassationshof folgendes Urtheil: Der Nichgebenden Kreisen erfahre. Die Mittheilungen der Führer tigkeits-Beschwerde wird stattgegeben, das Berdikt der Ge> enthielten das offene Einbekenntniß, daß die anlisemitischH schworenen und das auf Grund desselben gefällte Todesur Bewegung seit ihrem Höhepunkte im Jahre 1680 im steten theil werden aufgehoben und die Sache wird vor die nächste Rückgang begriffen sei, und daß sie im Sande verlaufen^ Schwurgerichts-Session des Krakauer Landesgerichts zur nochmüffe, wenn es nicht gelinge, ihr von neuem einen gemaltmaligen Verhandlung und Entscheidung verwiesen, samen Anstoß zu geben. In um so grellerem Widerspruche; — Herr Stöcker gedachte, in allernächster Zeit seinen zu dieser Thatsache standen aber die von dem Häuslein der | Freunden in Wien einen Besuch abzustatten und in einer der Congreß - Theilnehmer. gefaßten hochtrabenden Resolutionen j Versammlungen des antisemitischen Reformvereins zu sprechen, und Beschlüsse."! Dieses Reiseprojekt bleibt aber vorderhand unausgeführt. „Zu diesem Zwecke ist die allgemeine Vereinigung zur! Herr Stöcker scheint nämlich den nicht mißzuverstehenden Bekämpfung des Judenthums" — die „Alliance antiiuive > Wink erhalten zu haben, er möge Wien mit seinem Besuche universelle" gegründet worden, unter deren Firma der Ehem-! verschonen. Wenigstens geht dies aus der Schlußstelle eines nitzer Congreß einberufeu wurde. Allerdings war der inter-, Briefes hervor, den er an seine Wiener Anhänger und nationale Charakter des Congresses eine bloße Fiction. Die Verehrer gerichtet. Er sagt darin, daß es ihm zu seinem antisemitischen Agitatoren aus Oesterreich waren ausgeblieben j herzlichsten Bedauern im Momente unmöglich sei, nach Wien unter dem Vorwände, daß ihnen die Betheiligung an dem zu kommen, und zwar aus politischen Gründen. „Behüt' Congreffe durch die österreichischen Gesetze unmöglich gemacht dich Gott!" so tröstet Herr Stöcker mit Viktor Scheffel seine sei. Aus Ungarn hatte sich wohl Herr v. Simonyi einge- > „Kampfesgenossen", „es wür so schön gewesen. Behüt' dich funden, weil er gerade in dem nahen Karlsbad zur Cur Gott, es hat nicht sollen sein!" Vielleicht würde in späterer weilt; aber der große Jstoczy hatte geschrieben, er könne Zeit, so drückt sich der Herr Hofprediger am Schluffe seines wegen Ueberlastung mit Arbeit nicht kommen. Von einem Schreibens aus. seinem Hierherkommen weniger Schwierig- Franzosen, Engländer, Italiener war natürlich keine Spur fetten in den Weg gelegt werden. zu sehen. Endlich wurde zwar mitgetheilt, daß Vertreter Wien, 8. Mai. Wie vor einem Jahre in der Berliner, Rußlands, der füdslavischen Länder und der Schweiz anwesend so grassirt jetzt in der Wiener Studentenschaft der Antiseseien, aber dieselben blieben in einem mnsterlchen Dunkel; was speciell die Russen betrifft, so waren es zwei oder drei, die in dem benachbarten Dresden leben und sich nur dadurch bemerkbar machten, daß von Einem von ihnen eine Denk mitismus, und wird seiner Natur gemäß handgreiflich. Man berichtet von hier: Die letzten zwei Versammlungen des Medizinischen Unterstützungs-Vereins rvaren behördlich aufgelöst worden, weil die „deutsch-national antisemitischen" schrift deutschfeindlicher politischer Tendenz verlesen wurde, Mitglieder rohe Skandale provozirten. In der letztausgelösten zu welcher der Kongreß seine Zustimmung ertheilte." Versammlung waren die persönlichen Gegensätze zwischen den „Den Vorsitz führte der Schriftsteller Otto Glagau aus würdigen Jüngern Schönerer's und der Gegenpartei schon Berlin, der Herausgeber des antisemitischen Blattes „Ter so weit gediehen, daß ein kleines Häuflein der Ersteren, an Culturkämpfer", dessen scharfgeschnittenes, von schwarzem der Spitze ihr Führer Koffer, sich zusammcnthat, um einen Haar und Vollbart eingerahmtes Gesicht unwillkürlich die ungarischen Studenten jüdischer Konfession, dem man spöttisch Ahnung weckt, daß es bei ihm mit der „Race" vielleicht nicht „Jud!" zugerufen hatte und der darauf mit „dummeJungen!" ganz „zweifelsohne" bestellt sei. Doch erklärte derselbe im antwortete, aus dem Versammlungssaale hinauszubugsiren. Verlaufe der Debatte, wenn er schon mit Inden zu thun Heute war nun der Tag der Revanche. Nahezu die sämmt haben müsse, so seien ihm die im orthodoxen Judenthume lichen ungarischen Studirenden an der medizinischen Fakultät