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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-22 · Heft 21 (22.5.1883) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 21 (22.5.1883)
Date
1883-05-22
Page
Seite 344 (sequence 14)
Language
German
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ausreichender Geldmittel unmöglich sei, allerdings wäre Aussicht aus neue Mittel vorhanden. Liebermann klagte über die Knauserei in Geldsachen, die Deutschland zur Schande gereiche. Glogau anerkannte die größere Zahl intelligenter Kräfte im liberalen Lager, deren Blätter gediegener, intensiver und interessanter redigirt seien, als die antisemitischen Parteiblätter. Die Gelder für die antisemitische Agitation seien im Jahre 1880 viel reichlicher geflossen als heute. Wenn aber nunj die Organisation gelinge, so sei die Aussicht auf neuen Geld-! Zufluß wieder vorhanden. Angesehene Personen hätten Zusicherungen gemacht; viele Spenden seien anonym, pseudonym oder unter der Bedingung, nicht den Namen des Urhebers zu nennen, eingeflossen. An diese Klasse müsse sich die Agitation wenden. Leider seien in Deutschland zu viele Leute, welchen die antisemitische Agitation zu roh, zu grobkörnig und gewaltthätig sei, Leute die an althergebrachten Humanitätsbegriffen hängen. Licbermann fordert zur Verdrängung der „Judenprefse" auf und verspricht den Blättern, welche den Antisemitismus unterstützen, Begünstigungen, wenn die Partei zu Geld und Macht gelange. Br. Hentschel, Deutsch-Russe aus Dresden, beantragt eine Resolution für die staatliche Monopolisirung des Inseraten- Wesens. Dieselbe wird auf diebermann's und Glagau's Rath, als nicht zu den nächsten antisemitischen Zielen gehörig, abgelehnt. Der wichtigste Beschluß des Kongresses ist die Wieder-! aufnahme der 1880 durch Försters Agitation zu Stande s gebrachten Massen-Petition an den Reichskanzler um Ausschluß der Juden vom Lehramt und Richteramt, die Beschränkung der jüdischen Einwanderung und die Wiederaufnahme einer i amtlichen jüdischen Bevölkerungs-Statistik. Die bis heute i unbeantwortete Petition soll aus Liebermann's Antrag durch die Behörde aller antisemitischen Vereine Deutschlanns aufs neue an den Reichskanzler gerichtet werden. Der Moment dazu sei nicht ungünstig, vielleicht erhalte man diesmal Antwort. Schließlich erfolgte die Erledigung der eingelauscnen Massenanträge, deren größte Zahl Glagau als nicht zur öffentlichen Verhandlung geeignet bezeichnete. Nur zwei dieser Anträge wurden zur Berathung gebracht. Zunächst wurde die Denkschrift eines Deutsch-Russen verlesen, worin die Juden als hetzendes Element und als ein .Hinderniß der Verständigung in national gemischten Ländern, namentlich Rußland, Galizien, Ungarn, angeklagt werden. Der Kongreß beschloß die Zustimmung zu dieser Denkschrift und die Veröffentlichung derselben. Dr. Amman aus Berlin beantragte einen Aufruf an die deutschen Frauen, ber der antisemitischen Agitation in Haus und Familie mitzuwirken und am heiligen Kampfe theilzunehmen. Der Ausruf enthält sehr rohe und cynische Ausführungen. Glagau unterbricht die Verlesung. Liebermann legt entschiedenes Veto gegen die Erlassung eines solchen Ausrufes durch den Kongreß ein und läßt blos eine kurze Resolution zu, die einstimmig beschloffen wird. Glagau hielt das Schlußwort. Er konstatirte die volle Uebereinstimmung der ausländischen und unter diesen auch der slavischcn Theilnehmer mit den gefaßten Beschlüssen und brachte ein dreifaches Hoch auf den Antisemitismus aus. Straßburg i. E., im Mai. Das staatliche Budget für den israelitischen Cultus im Jahre 1888 — 84 bestimmt im! Einzelnen für drei Großrabbinen je 4000 M., für 40 Rabjfcittcn je 1920—1440 M., 53 Vorbeter von je 1*200 —720 M., I 3 Consistorial-Secretaire zusammen 3840 M. und 3 Bureau-! diener zusammen 480 M. Außerdem erhält der Großrabbiner von Straßburg als Repräscntationskosten 1200 M., Unteri stützuilgcn an Cultusbeamte oder deren Familien 1800 M., Verwaltungskosten der 3 Eonsistorien 1570 M., Erbauung : von Synagogen 8000 M., Stipendien für Studirende der 1 jüdischen Theologie 8000 M. Zusammen 153,250 M. — Das Amtsgericht in Straßburg hat das jüngste Product des; Prof. Rohling confiscirt, weil es zum Hasse gegen die Juden aufreizc. Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. Mai (Privatmitth.). Während, wie ich sehe, nur äußerst wenige Blätter in Deutschland von der antisemitischen Versammlung in Chemnitz auch nur Notiz genomnien, viel weniger ausführliche Berichte gegeben haben, hat die hiesige „4!. Fr. Pr." ausgedehnte Referate gebracht, und viele österreichische Blätter diese wiederholt. Es wird hierdurch bezeugt, daß der Antisemitismus in Deutschland Boden und Interesse verloren hat, tvährend er in Oesterreich- Ilngarn noch eine gewiffe Rolle spielt und deshalb bekämpft werden muß. Um so mehr wird es interessiren, einige Stellen aus dem refumirenden Leitartikel der „N. Fr. Pr." über jene Versammlung hierzu lesen: „Diese Demonstration, durch welche nach der Secession der „Christlich-Socialen" von den echten und unverfälschten Antisemiten die wahren Ziele und der internationale Charakter der antisemitischen Bewegung kundgegeben werden sollte, hat ein klägliches Fiasco gemacht. Abgesehen von der verschwindend kleinen Zahl von Parteigenossen, die sich cingefnnden hatte, trat nur allzu deutlich hervor, wie ohnmächtig und zerfahren eigentlich diese ganze Agitation ist, welche prahlend verkündet, daß sie eine durchgreifende Reform des socialen und Culturlebens der „arischen" Völker herbeiführen werde. Aus den Verhandlungen selbst ergab sich, daß die antisemitische Partei, welche mit ihrem brüsken Auftreten den Eindruck einer compacten Masse machen will, innerlich durch die unversöhnlichsten Gegensätze, durch die schroffste Rivalität der Führer gespalten

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