Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1883)
- Date
- 1883-05-22
- Page
- Seite 342 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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342 wovon Mk. 29,090 auf die Steuern kommen, (bei 753! sei. Dabei versicherten sie, auch ihr Ziel sei zum Besten der Steuerpflichtigen), der städtische Beitrag ist 6000 Mk. 19 wohl-^ Juden dahin gerichtet, um dieselben vor Ausbrüchen der thätige Vereine und Stiftungen schreiten in ihrer Wirksam-! Bolkswuth zu bewahren. feit und ihrem Vermögen stetig fort. Für Stipendien an j Mehrere antisemitische Agitatoren haben ihr Nichterscheihiesige Studenten und Conservatoristen bestehen 2 Vereine:! nen entschuldigt. Jstoczy kann wegen Ueberhäufung mit „die Gesellschaft derFreunde" und die „Mendelssohn-Stiftung", Arbeit sich nicht für 24 Stunden freimachen. Henrici meldet welche letztere aber auch einmalige Unterstützung „an hilfs-! sich krank. Der Prager Professor Rohling hat bestimmt zubedürftige Gelehrte, Künstler, Handel- und Gewerbetreibende! gesagt und hätte gern dem Kongreß beigewohnt, kann aber ohne Unterschied der Confcssion" gewährt. > wegen seiner Vorlesungen nicht abkommen. Schönerer, Patai Chemnitz, l. Mai. Am 28. und 29. April fand hier und Schmeitzner sind durch Gründe, die in der österreichischen ein „antisemitischer Congreß" statt. Wenn wir hier die ausführlichen Berichte der „N. fr. Pr." wiedergeben, so geschieht cs, weil aus ihnen so recht das allmähliche Erlöschen der schmachvollen Bewegung hervorleuchtet. Der ganze antijüdische Kongreß bestand heute, gut gerechnet, aus 35 Personen, meistens auswärtigen, nur sieben oder acht sind Chemnitzer. Kein Mitglied der Stadtvertretung, kein einheimischer Industrieller, kein hiesiger sozialistischer Arbeiter, kein Professor einer hiesigen wissenschaftlichen Lehranstalt, kein protestantischer oder katholischer Geistlicher nimmt daran theil; in dieser Beziehung macht sich der Gegensatz zum vorjährigen Dresdner Kongresse den Mitgliedern der heutigen Versammlung in deprimirender Weise fühlbar. Deshalb sind Liebermann, Sirnouyi und Schmeitzner eifrig bemüht, nachzuweisen, der Gesetzgebung liegen, am Erscheinen verhindert. Wie aber verlautet, ist man über Schönerer's Ausbleiben gar nicht mißvergnügt. Aus dein Geschäftsberichte geht hervor, daß Pastor Stöcker alsbald nach dem Dresdner Kongreß den Eintritt in ein daselbst niedergesetztes Zentral-Komite, welches den Chemnitzer Kongreß cinberief, ablehnte. Schmeitzner konstatirt aber trotzdem im Geschäftsberichte, der Antisemitismus habe seit dem Dresdner Kongresse ungemein an Kraft und Ausdehnung gewonnen und bedauert nur, daß in Oesterreich, wo die ^.411iLno6 Israelit« einen dominirenden Einfluß übe, die Regierung die antisemitische Bewegung zu unterdrücken suchen mußte. Liebermann macht die Enthüllung, die jüdische Presse habe diesmal Ordre erhalten, von dem Chemnitzer Kongresse gar keine Notiz zu nehmen, während heutige Kongreß habe eine ganz andere Aufgabe als der , sie über den Dresdner Kongreß so viel Lärm machte. Er vorjährige. In Dresden habe es sich um eine großartige Demonstration des internationalen Charakters der antisemitilegt dem Kongresse eine, wie es scheint, von ihm auf eigene Faust improvisirte „Kundgebung" folgenden Inhaltes zur scheu Bewegung gehandelt, heute sei man im Familienkreise > Annahme vor: „Der Kongreß halte unverändert an dem versammelt, um über die praktische Durchführung der in Standpunkte fest, der in Dresden durch Jstöczy's Manifest Dresden beschlossenen Thesen zu berathen. Dazu sei die; unb durch Stöcker's Thesen ausgesprochen wurde, nachdem Anzahl der erschienenen Theilnehmer vollkommen ausreichend.! man aus letzteren alle Punkte entfernt, welche nur den spezi- Der hohe Eintrittspreis sei auch in der Absicht festgestellt fischen Anschauungen eines Theiles der antisemitischen Partei worden, um die Zahl der Theilnehmer zu beschränken, damit! entsprechen. Der Vorwurf atheistischer Bestrebungen und die Debatten sich nicht übermäßig ausbreiten. Trotzdem! einer Spaltung innerhalb der eigenen Partei sei unbegründet, wurde die Debatte stellenweise höchst erregt und gereitzt ge-j ein religiöser Standpunkt dürfe jedoch bei Behandlung der führt und ließ deutlich erkennen, daß innerhalb der deutschen I Judenfrage nicht in den Vordergrund gestellt werden, um "Antisemiten-Partei die schärfsten prinzipiellen und persönlichen! dem Vorwurfe religiöser Intoleranz zu entgehen. Als Ge- Gegensätze bestehen, wiewohl fast jeder Redner zum Schlüsse! sinnungsgenosse sei jeder praktische Christ ohne konfessionellen seiner polemischen Ausfälle wider den Gegner versichert, es! Unterschied willkommen. Die Antisemiten identifiziren sich gebe keine Spaltungen und die Partei sei vollkommen einig in den praktischen Zielen, nämlich in der Bekämpfung des Judenthums. Besonders lebhaft gestaltete sich die Kontroverse zwischen einem Anhänger Dühring's, welcher dessen extremes Programm zur Lösung der Iudenfrage befürwortete, und den mit keiner politischen Partei, weisen aber die Mitwirkung keiner derselben zurück." I)r. Aman aus Berlin, ein exaltirter Anhänger Dühring's, bekämpft Liebermann's Resolutions-Antrag als eine des Kongresses unwürdige Vertheidigung gegen die Verdächtigung Vertretern des „praktischen" Antisemitismus sans phrose, j ber christlich-sozialen Partei und verlangt, die Bewegung welche die Majorität behielten, da die anwesenden zwei > möge nicht konfessionellen Tendenzen dienstbar gemacht werden, Jünger Dühring's bei der Abstimmung isolirt blieben. Glagau,! wie es schon geschah. Er beantragt eine Resolution im Lieberinann und Simonyi betonten besonders eifrig, daß die! Sinne der Dühring'schen Publikation über die Judenfrage, antisemitische Bewegung einen internationalen Charakter habe! wonach dieselbe als Racenfrage anfzufassen sei. Redner ver- und die Judenfrage lediglich als soziale Frage aufzufassen liert sich in Abstraktionen und überschwänglichen Anpreisungen