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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-22 · Heft 21 (22.5.1883) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 21 (22.5.1883)
Date
1883-05-22
Page
Seite 340 (sequence 10)
Language
German
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.5 340 pf: }\l. *U i I: Versammlung sollte ein „internationaler Congreß" sein, wurde! aber nur eine Carricatur eines solchen! Der in Karlsbad zur! Cur weilende Simonyi war der einzige Vertreter der gan-! zen österreichiscb-ungarischen Monarchie, ein Deutsch-Russe Hentschcl der Vertreter der gesammten slavischen Stämme — sonst war kein Repräsentant eines anderen Landes da, selbst nicht einmal Chinas. Die Versammlung gab vor Allem ein Zeugniß ab, daß die antisemitische Partei in 3 Fractionen zerfallen ist: die eine, die christlich sociale Stvcker's, hatte dem Congreß abgesagt, die andere, die Henricis, spaltet sich wieder in zwei Fractiönchen, die eine, welche die Juden vertreiben will mit ihrem Eigenthume, die andere nach Consiscationj desselben — die letztere wird wohl die Oberhand behalten, — die dritte die Dühring's, welche die Juden nur aller bürgerlichen Rechte berauben will. Die erste dieser 3 Fractionen will die Juden bekehren, die zweite sie vernichten, die dritte haßt am meisten die getauften Juden. Dennoch stimmen sie alle in vier Punkten überein: l. in der Klage über den Mangel an Geld, ohne welches der Antisemitismus nicht leben könne; 2. in der Klage über die Untauglichkeit der antisemitischen Presse und die Vorzüge der liberalen; i 3. in der Klage, daß was an intellektuellen Männern in Deutschland vorhanden, dem Antisemitismus abgeneigt sei, und endlich 4. in der Klage jedes einzelnen Führers, daß die: anderen sich ihm nicht unterordnen wollen, während ihm allein die Führerschaft zukomme. Diese vier Punkte geben den Bereinigungspunkt dieser Leute ab, und man kann daraus auf ihre rührende Einigkeit schließen! Hierzu kommen nun noch die scandalösen Streitigkeiten zwischen dem falliten Weißwaarenhändler Pinkert, dem „Präsidenten des Resormvereins" in Dresden, dem Herausgeber der „Deutschen Reform", und dem Buchhändler Schmeitzner in Chemnitz, der den Antisemitismus gewerbsmäßig betreibt. Doch das sind Interna, die uns nur anwidern.! Was nun den Schauplatz der famosen Versammlung: betrifft, so schreibt darüber der Berichterstatter des „Pest. L.":: „Tie Bürgerschaft von Chemnitz hatte ursprünglich die Ab- > sicht, sich an die Regierung mit der Bitte zu wenden, daß: die Abhaltung des Congreffes in Chemnitz nicht gestattet werde, damit die Stadt nicht in den Ruf komme, daß ihre! Bevölkerung judenfeindlich gesinnt sei und sich an den antisemitischen Agitationen betheilige. Aber gerade dadurch, daß der Congreß hier stattgefundcn hat, ist der Beweis geliefert worden, daß der Antisemitismus in keiner Classe der Einwohner von Chemnitz, weder unter den Fabrikanten und Industriellen, noch unter der überaus starken socialistischen Arbeiter-Bevölkerung Wurzel gefaßt hat. Die Agitatoren selbst konnten von Seite der Stadt, die sie heimsuchten, keinen entschiedeneren Protest gegen ihr Unternehmen erfahren, als durch die absolute Teilnahmslosigkeit und Jgnorirung, die ihnen zu Theil wurde. Es ist dies um so bemerkenswerther, als Herr Liebermann v. Sonnenberg sich schon seit einiger Zeit gerade die Fabrikstädte des sächsischen Erzgebirges zur Stätte seiner antisemitischen Propaganda gewählt hat. Empfindlich berührt wurde in Chemnitz durch den antisemitischen Congreß nur der Wirth des Handwerkervereins, dem für das Bankett 200 Gäste in Aussicht gestellt waren, während thatsächlich einige zwanzig Personen sich dazu einfanden. In Nr. 19 haben wir eine Corresp. aus Hamburg gegeben, auf welche Weise die dortigen wenigen Antisemiten ihre Schaar zu vermehren suchten. Es hat den Anschein, als ob darin eine von der früheren angegebenen Methode läge, denn wir lesen in dem „P. L.": „Hauptsächlich als Folge dieser Auffassung der Dinge ist auch die vor ungefähr zwei Monaten erfolgte Bildung eines Antisemiten Vereins in Budapest zu betrachten, dessen Constituirung mit großer Geheimhaltung aller hierauf bezüglichen Details vor sich ging. Dieser auf der Basis von vorläufig bloß mündlichen Vereinbarungen fungirende Verein hält wöchentlich zweimal Zusammenkünfte in einem hiesigen Hotel ersten Ranges („ Grand Hotel Hungaria") ab. Zu selben werden lithographirte Einladungen sud Couvert an die Betreffenden versendet und lauten dieselben zu einem „freundschaftlichen Zusammenkommen zu einem geselligen Abend". Tie Namen der Betreffenden werden streng geheim gehalten, die Zahl der Erscheinenden beträgt fünfzig bis sechszig Köpfe, darunter sind höhere Officiere und Beamte, der Director einer Eisenbahn-Gesellschaft, Deputirte, Kaufleute rc. Ter reservirte Charakter dieser Zusammenkünfte erhellt am besten daraus, daß nicht nur Journalisten, sondern Jedermann, der nur im entferntesten im Gerüche dessen steht, er habe Verbindungen in publicistischen Kreisen, principiell von diesen Zusammenkünften ausgeschlossen ist, und ist es wohl nur diesem Umstand zuzuschreiben, daß zwei Monate vergehen konnten, ohne daß das Geringste über diese Zusammenkünfte in die Oeffentlichkeit drang." Also ganz wie in Hamburg? Maulwurssarbeit, da das offene Anftreten Fiasco gemacht hat? Berlin, 9. Mai. Die im Jahre 1715 gestiftete „Chebrath Mohalim" (zur Unterstützung armer Wöchnerinnen) hatte im Jahre 1882 4621 Mk. 15 Pf. Einnahmen und 4024 Mk. 15 Pf. Ausgaben. An Bestand waren am 1. Januar d. I. vorhanden : in baarem Gelde 589 Mk. 6 Ps., in Fonds 35 350 Mk. (Ob sich wohl bei einer andern Religionsgenossenschaft eine solche Wohlthätigkeitsveranstaltung findet, die mit gleicher Consequenz bereits 170 Jahre in ununterbrochener Wirk j samkeit ist?) i Gegen das antisemitische „Deutsche Tageblatt", vertreten! durch dessen Redacteur Paul v. Szepanski und den Bericht-! erstatter Gustav Kaiser, wurde gestern vor dem hiesigen! Schöffengericht Abtheilung 100., eine Privatklage verhandelt. n? i 7-' > :lti

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