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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-22 · Heft 21 (22.5.1883) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 21 (22.5.1883)
Date
1883-05-22
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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336 ■I i- * •'i- . > it: hätten, sondern wir sehen ganz deutlich, wie er ihnen hier,! fehlte dem Judenthume die Lehre von einer ausschließlichen wie bei ähnlichen Verfolgungen, aufgenöthigt worden ist. Seligkeit im Jenseits, deren nur seine Bekenner theilhaftig Sie beteten, fasteten, um den Beistand des Allmächtigen zu würden, von welcher aber alle übrigen Menschen ausgeschlossen erstehen. Sie gaben den Kreuzzüglern Geld, um ihr Mitwären. Im Gegentheil, in ihm gilt der Grundsatz: ’TDn gefühl zu erwecken, Schonung ihres Lebens zu erlangen. Sie! xzn zbrj? pi?“ kt b^j?“ mow. „Die Frommen aller suchten Oerter zu erspähen, wohin sie vielleicht fliehen und Nationen sind der künftigen Seligkeit theilhaftig." Und wird wo sie Schutz finden könnten. Sie rüsteten sich zum Kampfe, die jenseitige Seligkeit als groß und herrlich dargestellt, so setzten sich zur Gegenwehr. Und als die Anwendung aller | wird der diesseitige Beruf des Menschen als so hehr und Mittel vergeblich war, da beschlossen sie, lieber durch eigene heilbringend bezeichnet, daß dieser sich verpflichtet fühlen Hand zu sterben als durch die ihrer Feinde. Aehnliches müsse, in ihm so lange zu wirken, als es möglich ist: finden wir auch bei den Albingensern, den Vorläufern der Reformation. Im 13. Jahrhundert stürzten sich einmal, um der Tortur und dem Feuertode zu entgehen, 300 Albingenser von einem spitzen Felsen hinunter und fanden hier allesammt den Tod. Wird man ihnen deshalb eine Sehnsucht nach dem Märtyrertode beimesien können? Gewiß nicht. — In ton b^ij? vn crriB Bayern nnx nytr ns\ Eine Stunde, in Umkehr (Hinwendung) zu Gott und in guten Werken verbracht, ist für unser und unsrer Mitmenschen Heil ersprießlicher als das ganze Leben der künftigen Welt." Spr. d. Väter 4, 21.') Lecky sagt in seinem ausgezeichneten Werke: Die Aufder ersten Kirche, während sie mit dem Heidenthume einen klärung in Europa, deutsch von Jolowicz, Bd. U. S. 223: schweren Kamps zu führen hatte und von den heidnischen Macht- > „Gewiß erblaßt der Heldenmuth der Bertheidiger jedes andern habern, von den Kaisern und ihren Statthaltern, bedrängt und! Glaubens in Nichts vor diesem Märtyrervolke, das dreizehn verfolgt wurde, da entstand ein wahres Suchen und Haschen | Jahrhunderte lang allen Leiden die Stirn bot, welche der nachdem Martyrium; da war die Sehnsucht nachdem Märtyrer-j wildeste Fanatismus erdenken konnte, das lieber Schmach, tod eine Art selbstmörderischer Epidemie, so daß die leitenden! Beraubung, Verletzung der theuersten Bande und die Aus- Männer der Kirche sich genöthigt sahen, ihre ganze Autorität? erlegung der schrecklichsten Qualen erduldete, als seinen Glau aufzubieten, um ihre Anhänger davon abzuhalten, sich selbst \ ben verließ. Denn die Juden waren keine asketischen Mönche, den Händen ihrer Verfolger zu übergeben (St. Clem. Alex, j abgestorben allen Hoffnungen und Leidenschaften des Lebens, Strom. IV. 10). Damals schmachteten gleichsam viele Christen l sondern Menschen, welche die weltlichen Verhältnisie und nach dem Tode, da sie der mit aller Lebhaftigkeit der Neu- Vortheile, die sie aufgaben, im hohen Grade würdigten, und heit überzeugende Glaube beseelte, das Christenthum eröffne! deren Liebe dafür, wegen des engen Kreises, auf welchen sie seinen Bekennern ewige Glückseligkeit, während die außerhalb! beschränkt waren, um so lebhafter geworden war. Wahnfeines Bereiches Stehenden der Berdammniß ewiger Folter-! begeisterung und die sonderbaren Erscheinungen von Extase, quälen anheimgegeben seien. Und außer dem Genüsse des! welche in der Geschichte der Verfolgung ihren so großen Ein Himmels gehörte dem Märtyrer auch der höchste Ruhm auf! sluß geltend gemacht, welche so viele Märtyrer mit über- Erden: seine einbalsamirten oder aufbewahrten Reliquien j menschlichem Muthe gestählt und die Angst vor so vielen wurden mit beinahe abgöttischer Ehrfurcht verehrt. Und,! fürchterlichen Torturen gescheucht oder vernichtet haben, waren was noch mehr ist, durch seine „Bluttaufe" sind die Sünden! hier fast unbekannt. Die Verfolgung kam über die Juden seines Lebens in einem Augenblicke hinweggewischt und er! in den schrecklichsten Formen. Aber trotz alledem schwang selbst ist, im eigentichen Sinne des Wortes, ein Heiliger ge-! sich der Geist dieses wunderbaren Volkes empor." — Ich worden. Kein Wunder, wenn es da Biele gab, die das I füge noch Folgendes hinzu: Jene Wahnbegeisterung und ex- Martyrium suchten und danach schmachteten. — Anders ver-! tatischen Erscheinungen waren die naturgemäßen Begleitehält es sich aber im Jndenthum. Da erblickte man allerdings in den Märtyrern gottergebene, opfermuthige Menschen, deren Ruhmesthaten für die Nachwelt verzeichnet zu werden verdienen, jedoch weiter nichts; und was den Punkt der Sündenvergebung anbelangt, so steht in demselben der Grundsatz fest: nur durch aufrichtige Umkehr zu Gott (Buße) und Befferung, durch Gebet und gute Werke, werden die Sünden von der Gnade Gottes vergeben, also nur durch einen con- I) (rs ist merkwürdig, in den Spr. d. Bäter 5, 22 wird die Theilhabe an der Seligkeit ebenfalls nicht von irgend einem Glaubensbekenntniß abhängig gemacht, sondern von sittlichen Eigenschaften, von gesellschaftlichen Tugenden: „Wer ein wohlwollendes Auge, einen demüthigen Geist und ein genügsames Gemüth besitzt, ist ein Jünger Abrahams, genießt diese Welt und wird Erbe der zukünftigen sein." Dieser Ausspruch, der, wenn er auch nicht von dem Sammler der Mischna, Rabbi Jehuda Hanasi, ausgegangen, doch von ihm acceptirt wurde, beweist hinlänglich, daß die damaligen (um 200 n. Chr.) hervorragendsten Lehrer unv Vertreter des Judenthums die Würdigkeit, die die Menschen zur Theilnahme an der künftigen Seligkeit befähigte, nur von einem freien reinmenschlichen Gesichtspunkte aus tinuirlichen Proceß in der guten Gesinnungs- und Handj beurtheilen, was ihnen zur Ehre gereicht. Auf diesen wichtigen lunasweü'e nickt aber durck Nollbrinauna einer einrelnen i Ausspruch wurde ich vor einiger Zeit durch eine in diesen Blättern tungsweye, nicyl aver ourry ^ouvrrngung einer einzelnen aus der geistreichen Feder des Redacteurs derselben ge- That, und wäre sie auch die vorzüglichste und größte. Auch I stoffene Abhandlung aufmerksam gemacht. Corresp. n-»

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