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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-15 · Heft 20 (15.5.1883) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 20 (15.5.1883)
Date
1883-05-15
Page
Seite 327 (sequence 13)
Language
German
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327 aufgehalten und einige Tage später mit zwei anderen Frauen! sich nach Tokaj begeben haben soll, die k. k. Staatsanwalt-! schüft in Krakau im Requisitionswege ersucht, dieselbe möge? über diesen Fall, sowie über das mit der Bettlerin eventuell aufgenommene Verhörsprotokoll dem kön. ungar. Ober-Staatsanwalt in Budapest, Alexander Kozma, dienstfreundlichst Bericht erstatten. Das diesfällige Ersuchschreiben ist vom Ober-Staatsanwalts- Substituten Eduard Szeiffert konzipirt und wurde dasselbe noch im Laufe des gestrigen Tages an seinen Bestimmungsort expedirt. Rußland. Petersburg, im April. Nachdem „Petersburger Herold" hat der Kaiser durch Ukas die Erbauung einer Synagoge in Petersburg genehmigt. Dieselbe wird an der Ecke der Offizier straße und der Masterskaja erbaut werden, und beläuft sich■ der Kostenanschlag auf eine halbe Million Rubel. Nach dem „Russischen Invaliden" belief sich die Rekrutiruug im Jahre 1881 auf 209,000 Mann, worunter 8776 Juden. Da die jüdische Bevölkerung sich auf rund drei Millionen beläuft, Ieuil Hofrath Adolf Levi. Die A. Z. d. Jud. verfolgt neben ihren anderweitigen Aufgaben auch die, bedeutenden Charakteren aus der Reihe der jüdischen Glaubensgenoffen einen Ehrenplatz in der Geschichte des Judenthums zu sichern, und sie war so glücklich, aus den Zeitgenoffen bereits einen sich immer vergrößernden Kreis zu vereinen. Da darf denn der edle Menschenfreund Adolf Levi nicht fehlen. In der „Schwäb. Chronik" vom 29. April finden wir einen würdigen Nekrolog, aus dem wir die Hauptstellen wiedergeben, die uns das schöne Bild des Verewigten abspiegeln. Adolf Levi war ein geborener Schwabe und mit allen Fasern seines Herzens mit seinem engeren Vaterlande und mit seiner Vaterstadt verwachsen. Adolf L. wurde am 25. März 1820 in Stuttgart geboren, wo seine aus Freudenthal gebürtigen Eltern sich niedergelaffen hatten. Drei Schwestern bildeten mit ihm den frohen Geschwisterkreis. Die Kinder genoffen eine sorgfältige Erziehung. Adolf besuchte das Gymnasium und wurde der Liebling seiner Lehrer und Mitschüler; mit mehreren derselben blieb er bis in seinen Tod in Freundschaft.verbunden. Die älteste Schwester Auguste, später die Gattin des Orientalisten Prof. Weil in Heidelberg, übte einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die Bildung des jüngeren Bruders. Das Elternhaus war ein gastfreundliches, offenes, besonders für die israelitische studirende Jugend. Berthold Auerbach verkehrte dort viel. Die kunstliebende Familie Benedikt stand in lebhaftem Umgang mit der Familie so übersteigt die Zahl der jüdischen Rekruten bei weitem den Prozentsatz, der ihr zufällt, der noch nicht 7000 erreichen müßte. Man sieht hieraus, welche Lüge in dem oft gehörten Vorwurf liegt, die Juden entzögen sich der Rekrutirung! Amerika. New-Pork, im April. Eine bemerkenswerthe Thatsache ist in d. Zt. noch nicht erwähnt worden. In Grand-Rapids (Michigan) wurde ein Mitglied der israelitischen Gemeinde, Herr A. Hausmann, in den Congreß mit großer Majorität gewählt. Seine Gegner hatten alle Mittel angewendet, um ihm Stimmen zu entziehen und scheuten sich nicht, ihm seine Confession vorzuwerfen! Aber auch dieses Manöver mißglückte. Herr Hausmann erklärte offen, daß er Israelit und stolz auf seinen Glauben sei, denn Jeder müsse sich durch seine Religion und seine Abstammung geehrt fühlen und derselben mit Offenheit angehören. Die Abstimmung erwies, daß man auch in diesem Theile der Vereinigten Staaten confessionelle Unterschiede zu machen verabscheut und sich nur an den Werth und die Begabung des Canditaten hält. leton. Levi und wirkte anregend auf den idealistisch angelegten Jüngling Adolf, der neben feinen wissenschaftlichen Studien mit Eifer der Musik und dem Gesang oblag; im Clavierspielen waren Hofrath Schilling, im Gesang Hofsänger Jäger seine Lehrer. Ostern 1838 bezog er die Universität Tübingen, um sich dem Studium der Rechtswiffenschaft zu widmen. Kaum ein Jahr zuvor hatte der Tod ihm den Vater entrissen; das zartbesaitete Gemüth des Jünglings wurde dadurch schmerzlich ergriffen, und sein sonst heiterer Sinn war lange von tiefer Trauer umflort. In Tübingen traf er mit vielen Studiengenoffen aus der Gymnasialzeit zusammen, mit denen er wiffenschaftlich und gesellig in herzlichster Weise verkehrte. Das Wort Antisemitismus war damals dem deutschen Volke und seinen Musensöhnen noch fremd; die zahlreichen jüdischen Jünglinge, die sich in allen Facultäten in Tübingen den Wissenschaften widmeten, gehörten den verschiedensten Gesellschaften, Verbindungen und Landsmannschaften an; nicht Abstammung noch Glaubensbekenntniß trennten die academischen Bürger. L. lag mit seltenem Eifer den Studien ob: nicht sofort zum Brodstudium drängend, betrieb er mit Liebe philologische und philosophische Wissenschaften; die neueren Sprachen und ihre Literatur waren ihm Lieblingsbeschäftigungen. Darüber aber vernachlässigte er die Jurisprudenz nicht; er verkehrte viel bei dem Prof. Mayer, dem sog. Pandecten-Mayer, der aus Freudenthal gebürtig, ein Landsmann und Jugendfreund von Adolfs Eltern war. In Tübingen trieb er schon die Propädeutik für seine spätere Lebensaufgabe, die Ausübung

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