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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-15 · Heft 20 (15.5.1883) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 20 (15.5.1883)
Date
1883-05-15
Page
Seite 328 (sequence 14)
Language
German
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328 dler Humanität. Unbemittelten Studirenden war er ein liebreicher Helfer in der Noth. 1839 bezog er die Universität Heidelberg, um 1841 nochmals nach Tübingen zurückzukehren, wo er seine Studien vollendete. 1842 nahm er seinen bleibenden Aufenthalt in Stuttgart, bei der Mutter und den beiden Schwestern. Er lebte nun seinen Studien; aber bei seiner idealistischen Lebensanschauung konnte er es nicht über sich gewinnen, die Wissenschaft als Grabscheit zu benützen, um durch sie materiellen Gewinn zu erzielen, und so pflegte er sie in stiller Zurückgezogenheit als Privatgelehrter. Als 1851 vr. Dreifus, der Vorstand des israel. Waisenvereins, durch körperliche Leiden verhindert war, mit gewohnter Hingabe der Waisenanstalt Wilhelmspflege in Eßlingen sich zu widmen, übernahm A. Levi die Stellvertretung und wurde Ans. 1853, nach dem erfolgten Tode des I)r. Dreifus, definitiv, als Borstand, an die Spitze des Instituts gestellt. Mit der Annahme dieser Vorstandschaft war eine neue Aera im Leben L.'s angebrochen. Die Sorge für sie und die Versorgung der israel. Waisen Württembergs wurden sein Lebensberuf. Mit dem Hausvater der Wilhelmspflege, Leopold Liebmann, trat er in ununterbrochenen freundschaftlichen Verkehr. Der Weg von Stuttgart nach Eßlingen wurde fast wöchentlich vom Vorstande gemacht, um in der Anstalt sorgfältig durch Ermunterung, ja sogar durch Unterricht mitzuwirken. Nach Hunderten zählen die Vater- und Mutterlosen, in deren Lebensgang er wohlthätig eingegriffen und denen er den Weg zum Glück gebahnt hat. Er hatte noch die freudige Genugtuung, die bauliche Erweiternng des Waisenhauses zu erleben, wodurch es ermöglicht wurde, eine größere Anzahl Waisen aufzunehmen. Wenige Monate vor seinem Tode ging ihm sein Lieblingswunsch, einen würdigen Betsaal in der Anstalt einzuweihen, in Erfüllung, und wie glücklich er war, als der erste Gottesdienst darin gehalten wurde. Er sah darin die Krönung des Gebäudes. Das Vermögen des Vereins betrug 1851, bei der Uebernahme der Vorstandschaft durch L., 46,718.50M., beim jüngstenRechenschaftsbericht212,536.50M. Der ethische Erfolg ergiebt sich aus der Ziffer der Waisen, die bis 1882 in der Anstalt erzogen wurden, 238 Kinder. Im Jahre 1855 wurde er zum Kirchenvorsteher der israel. Gemeinde Stuttgarts gewählt und je nach 6 jährigem Ablauf der Wahlperiode berief ihn das Vertrauen seiner Glaubensgenoffen wieder in dieses Amt, so daß er permanent in demselben verblieb. Ein monumentales Denkmal seiner Thätigkeit als Kirchenvorsteher ist die Synagoge in Stuttgart. Das Bauprojekt und die Ausführung deffelben verdankten viel seiner Umsicht und Thätigkeit. Bei der Einführung der Liturgie und des Synagogenchors mit Orgelbegleitung that er Levitendienst, was ihm am Grabe der Vorstand des Synagogenchors dankend nachrief. Der Krankenverein und der Verein zur Unterstützung armer israel. Reisenden verdankten seiner Initiative ihr Entstehen. Im Jahre 1855 wurde er, als Oberkirchenvorsteher, in die k. israel. Oberkirchenbehörde berufen und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode. Durch seine ausgebreitete Personenkenntniß machte er sich in dieser Behörde sehr nützlich; er stand, als Vorstand des Waisenvereins, mit allen Rabbinen, Lehrern und Kirchenvorfteherämtern des Landes im lebhaftesten Verkehr. Sein frommes Gemüth war für die Regeneration des jüdischen gottesdienstlichen Cultus begeistert; weit davon entfernt aber, skeptischer Reformjude zu sein, war er noch weniger ein An- Hänger der Hyperorthodoxie und wandelte die goldene Mittelstraße. — Bon den Bürgern seiner Vaterstadt wurde er zweimal in den Bürgerausschuß gewählt, dann wurde er in 3 Wahlperioden in den Gemeinderath berufen und fungirte in demselben bis zu seinem Tode. Diese Würde war ihm keine Sinekure; mit der ganzen Kraft und strengen Gewissenhaftigkeit seines Wesens unterzog er sich den Pflichten dieses Amts, wobei ihm seine juridischen Kenntnisse trefflich zu statten kamen. — Im März 1880, da sich ein Vierteljahrhundert seines segensreichen Wirkens im Doppelamte, als Mitglied der israel. Oberkirchenbehörde und des israel. Kirchenvorsteher, amts, und noch ein weiteres Lustrum, als Vorstand des Waisenvereins, abschloß, bereiteten ihm seine Verehrer ein Jubiläum, das im engeren und weiteren Baterlande durch dankbar freudige Kundgebungen Wiederhall fand. — Seine Maj. König Karl lohnte seine Verdienste im Okt. 1867 mit der Verleihung des Friedrichsordens und im März 1876, bei seinem 25 jährigen Jubiläum als Vorstand der Wilhelmspflege, wurde ihm der Titel als Hofrath verliehen. — Im Kreise der Seinigen spendete und erntete er reiche Liebe. Ehelos ging er durchs Leben; aber um so zärtlicher wendete sich seine Liebe den Geschwistern, Neffen und Nichten zu. Zwischen dem Onkel und dem einen Neffen, nunmehrigen Prof, der Medicin Dr. A. Weil in Heidelberg, den er viele Jahre zu sich nach Stuttgart genommen hatte, bestand auch späterhin ein Verhältniß, wie zwischen Vater und Sohn. — Einem Manne wie A. L. konnte es an einem großen Freundeskreise nicht fehlen. Alle, die ihn näher kannten, sck>ätzten und liebten ihn nicht nur der edlen Eigenschaften seines Herzens willen, sondern auch wegen seines klaren Verstandes, seiner vielseitigen Bildung, seines offenen festen Charakters, seiner liebenswürdigen Umgangsformen, seines unverwüstlichen, Niemand verletzenden Humors. Körperliche Leiden mannigfacher Art, von denen er feit Jahren heimgesucht war, hielten ihn nicht ab, allen den vielen Pflichten, die er sich auferlegt hatte, nach wie vor mit der größten Gewiffenhaftigkeit, in der Regel mit Zuhilfenahme der Nächte, nachzukommen. — Im Ans. des Jahres 1882 erkrankte er an einer bösartigen, rasch wachsenden Geschwulst. Am 10. Febr. 1883 beschloß er im Kreise der Seinigen, in Heidelberg, sein thatenreiches

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