Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-15 · Heft 20 (15.5.1883) · p. Seite 326

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 20 (15.5.1883)
Date
1883-05-15
Page
Seite 326 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227468--40814-3309233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

326 angehörigen Potenzen. Die Frage ist, wie dasjenige rein und gottgefällig sein könne, was der verderbten materiellen Welt hienieden angehört und rothe Farbe, die Farbe des Gerichts hat. So wenig Brautnacht und Bartholomäusnacht identisch sind, so wenig handelt diese Stelle von mörderisch vergoffenem Blut. — Ich habe in meinem Aufsatze im „Pesther Lloyd" drei katholische Forscher als Zeugen aufgerufen, Prof. Bickell in Innsbruck, Prof. Scholz in Würzburg und Priester Knabenbauer, dessen Commentar zum Jesaias mir hohe Achtung abgewonnen hat. Möge vr. Justus diesen S. 156 seines „Halkutem“ vorlegen. Sie werden ihm sagen, daß seine Uebersetzung nichts als ein in diese Stelle hineingelesener Wahnwitz ist, dermaßen ohne allen Anlaß und Anhalt, daß die Annahme unbewußten Jrrthums fast ausgeschlossen erscheint. — Der Bonifaciusverein aber thäte wohl, wenn er diesen seinen Berather in eine einsame Klosterzelle verwiese, damit er den Herrn um Vergebung bitte für solche Vergiftung seiner Polemik gegen das Judenthum durch falsches Zeugniß. Ein Christ jüdischer Abkunst Arm in Arm mit dem Onody und Marczmnyi, welch ein Scandal vor Gott und den Menschen! Berehrungsvoll Ihr Prof. Franz Delitzsch. Ich habe diesem Schreiben kaum etwas hinzuzufügen. Thatsache ist hiernach, daß die Bonifaciusdruckerei bezw. vr. Justus Lüge auf Lüge häuft und nicht den Muth hat, die Schmähschrift vom Büchermarkt zurückzuziehen. Vielleicht sieht sich der Paderborner Staatsanwalt den „Judenspiegel" einmal etwas näher an und prüft ihn auf den Paragraphen, der von der Austeizung zum Klaffenhaß handelt. Die Paderbornirtheit des Ultramontanismus an sich ist schon schlimm genug; was soll man aber sagen, wenn sich zu ihr nichtswürdige Verlogenheit und offenbare Bosheit gesellt? — Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. Mai. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, auf die Schrift: „Jüdische Lehre und jüdisches Leben" von Josef Ritter v. Wertheimer, die ich jüngst signalifirte, zurückzukommen. Zunächst will ich, wie es die Pflicht erheischt und wie es mein Herz fühlt, mein Haupt in Ehrfurcht neigen vor dem greisen Verfasser, den Gott noch lange erhalte, der mit 83 Jahren eine Publication voll Frische und Leben in die Welt sendet. Wenn je gilt hier das Wort nvrn n'zrzrz. Ter Mann hat Erfahrungen, wie selten Jemand. Er spricht auch nicht aus der Studirstube oder aus einem abgelegenen Winkel heraus, denn obschon er wiffenschaftliche Werke veröffentlichte, wer kennt nicht seine „Juden in Oesterreich"? stand er doch stets mitten in der Strömung des praktischen Lebens und nimmt, seitdem er zum Jüngling herangewachsen, bis auf den heutigen Tag eine sociale Stellung ein, welche ihn in freundschaftlichen Verkehr mit den hervorragendsten und vornehmsten Personen bringt. Sein Blick ist daher kein enger und beschränkter, sondern ein weit und viel ümfaffender. Zu all' dem kommt rr\w by nsdj rr^ rfoyi. Mit Leib und Seele Jude, ist er doch nicht blind für die Fehler seiner Glaubensgenoffen und hat er wiederholt Beranlaffung genommen, dieselben zu rügen. Wahrlich das Urtheil eines solchen Mannes muß für alle Jene maßgebend sein, welche irgendwie auf die Wahrheit hören, welche nicht im Vorhinein jeder Ansicht und Meinung, die nicht die ihrige ist, bekämpfen, welche sich überzeugen lassen wollen. Was hat nun der Mann zu sagen? Er überschätzt die Juden nicht, aber er will sie auch nicht unterschätzen lassen. Er weist nach, daß die Ethik des Fudenthums den höchsten Anforderungen entspricht und bringt Zahlen und Daten bei, welche erhärten, daß die Juden im Leben aller Orten nicht schlechter, in manchen Beziehungen sogar besser als Bekenner anderer Religionen sind, welches mit Daten aus der Verbrecherstatistik belegt wird. Wahrlich der Antisemitismus hat viel Unheil unter uns Juden gebracht und noch mehr das 1v. Jahrhundert befleckt; andererseits jedoch hat er gezeigt, wie mächtig das Judenthum in seinen Bekennern lebt, daß die Juden noch nicht die „vertrockneten Knochen" sind, wofür man sie gehalten und daß selbst Greise es nicht scheuen, auf den Kampfplatz zu treten, und wie schneidig die Waffen find, die diese führen. — Wie mir von vertrauenswerther Seite mitgetheilt wurde, hat der Polenklub jüngst bei Gelegenheit der Berathung des § 48 der Bolksschulnovelle, welcher bekanntlich gegen Akatholiken gerichtet ist, dem er jedoch aus Parteirücksichten zustimmte, den Beschluß gefaßt, bei einer paffenden Gelegenheit die Erklärung abzugeben, daß er sonst für die Gleichberechtigung der Confessionen einstehe. Pest, 4. Mai In Angelegenheit der israelitischen Matriken hat der ung. Cultus- und Unterrichtsminister an sämmtliche Jurisdiktionen eine Verordnung erlassen, durch welche die letzteren aufgefordert werden, über die Verläßlichkeit und Befähigung der bei den israelitischen Gemeinden ihres Territoriums in Verwendung stehenden Matrikenführer Informationen einzuziehen und betreffs deren Verwendbarkeit oder Absetzung vom Amte ehebaldigst Vorschläge zu erstatten. Zugleich wird angeordnet, daß die israelitischen Cultusgemeinden fortab nur solche Individuen als Matrikenführer anstellen dürfen, die eine Bürgerschule oder die ersten vier Claffen des Gymnasiums oder der Realschule mit Erfolg absolvirt haben, die der Staatssprache mächtig, ungarische Staatsbürger, unbescholten sind und nicht ein Gewerbe ausüben, welches mit der Matrikenführung unvereinbar ist. Zur Tißa-Eßlarer Affa ire. Der kön. Ober-Staats- - anwalt hat in Angelegenheit der in Krakau plötzlich aufge-! tauchten Bettlerin, welche angeblich mit in die Affaire von Tißa-Eßlar verwickelt sein, am 1. April 1882 sich in Eßlar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.