Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1883)
- Date
- 1883-05-15
- Page
- Seite 322 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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322 der Herbeischaffung von Lehrmitteln, Büchern und gedruckten Zeitschriften für die Krön- und Privatschulen, Bibliotheken und Lesecabinete. Zugleich hiemit ließ der V. auch andere Maßregeln nicht außer Acht, die mittelbar zu diesem Ziele führten und die denr Programme der Thätigkeit desselben statutengemäß entsprachen." 1 „Vom Jahre 1873 an begann der V. auf eigene Kosten die Herausgabe des Pentateuchs mit einer neuen russischen Uebertragung, auch eines Codex der religiös-sittlichen Lehren d des Judenthums, indem er zu diesem Zwecke im Verlaufe von 4 Jahren 7.922 Rubel verausgabte." „Das Ziel der ersten Herausgabe war: den Juden die! Bücher der heiligen Schrift zum wohlfeilen Preise mit einer; wortgetreuen populären russischen Uebertragung für den Gebrauch in Schule und Synagoge in die Hände zu geben,! und der zweiten — den Juden eine sittlich belehrende Lectüre! in russischer Sprache zu verschaffen, die zugleich den jungen! Rabbinen als gutes Vehikel bei der Abfassung von Predigten! in der russischen Sprache dienen könnte. Auf solche Weise sollten diese Bücher, nach der Ueberzeugung des V.'s, der endlichen Aneignung der vaterländischen Sprache seitens der Juden den Weg bahnen." „Mit der Aufhebung der beiden Rabbinerschulen verschwand die Möglichkeit Rabbiner zu erziehen, die mit der nöthigeu Kenntniß der jüdischen Gegenstände zugleich die allgemeine europäische Bildung vereinten. Angesichts deffen beschloß der V. im Jahre 1874 alljährlich in das Rabbinerseminar in Breslau einen jungen russischen Juden zu schicken, wobei es diesen Stipendiaten unter anderen zur Pflicht gemacht wurde, all' ihr Streben daraus zu richten, die von ihnen aus Rußland mitgebrachte russische Bildung zu pflegen und zu entwickeln. — Außerdem mußten sie eine schriftliche Verpflichtung geben, nach Beendigung des Cursus ihre ganze Thätigkeit den Juden in Rußland zu widmen." „Einer von diesen Stipendiaten, der den Doctortitel erhalten, funktionirt jetzt als Rabbiner und Prediger in ruff. Sprache in der Petersburger jüdischen Gemeinde, und ein Anderer in einer der Provinzialstädte." „Leider aber wurde am Schluffe des Jahres 1879 auf Anordnung des Ministers des Innern der Verein angehalten, von der Unterhaltung solcher Rabbinerstipendiaten in Breslau abzustehen, und gegenwärtig ist nicht vorauszusehen, da in Rußland keine Rabbinerschulen existiren, woher die jüdischen Gemeinden gebildete Rabbiner nehmen sollen." „Im selben Jahre 1874 wurde vom Verein noch folgende Maßregel ergriffen." „Die überhandnehmende Bestrebung aller jüdischen Klaffen ihre Kinder in der russischen Sprache unterrichten zu lassen, rief, angesichts der Aufhebung einer großen Anzahl der jüdischen Kronschulen, die unumgängliche Nothwendigkeit einer Organisation von möglichst vielen regelmäßigen privaten Elementarschulen hervor." „Demzufolge wurde vom Verein eine Collekte eröffnet behufs Schaffung eines Kapitals, deffen Bestimmung die Unterstützung und Beförderung privater Elementarschulen für das jüdische Volk wäre, wobei den Leitern dieser Schulen die Einhaltung gewisser, vom Verein festgesetzter Bedingungen zur Pflicht gemacht wurde. Von dem auf solche Weise gebildeten Schulfond wurde auf besagten Zweck im Verlaufe der letzten 7 Jahre 13,639 Rubel verwendet." „Im Jahre 1880 beschloß der B. zum Andenken an die 25 jährige rühm- und segensreiche Regierung des s. Kaisers Alexanders des Zweiten an den beiden Universitäten zu Petersburg und Moskau 2 Stipendien je zu 180 Rubel zu stiften." „Zufolge der Gründung der höhern, besonders ärztlichen Frauencurse eröffnete der Verein im Frühling des Jahres 1880 eine Sammlung behufs Bildung eines Fonds zu Gunsten der in höhern und speziellen Lehranstalten studirenden Frauen. Diese Sammlung gab bis jetzt 18,900 Rubels. Auf weitere Spenden rechnend wurde festgesetzt, für jetzt nur die Hälfte der Procente von diesem Capitale zum besagten Zwecke zu verwenden, die andere Hälfte zum Capitale zu ' schlagen, deffen weitere, endliche Verwendung in der Folge festgestellt werden soll." „Der Verein hat während der 17 jährigen Periode seines Bestehens in allem 190,369 Rubel für seine Zwecke verausgabt, was im Durchschnitte 11,228 Rubel auf dasJahr macht-)". „Aus dieser kurzabgefaßten Uebersicht ist esersichtlich, daß, Tank der Mitwirkung und materiellen Hilfe des Vereins während seines Bestehens, es vielen jungen Leuten ermöglicht wurde, mit Erfolg den wissenschaftlichen Cursus in diversen Lehrinstituten durchzumachen, in der Mitte des jüdischen Volkes eine große Anzahl der vom B. subsidirten Bücher und Zeitschriften in russischer uud hebräischer Sprache in Umlauf zu bringen und dadurch in der Masse nützliche Kenntnisse zu verbreiten. Im Rechnungsjahre allein wurden 2275 Bände und 4 Karten von Palästina versandt 3)". 1) Zu dieser Summe wurde von den Herren Baron H. Günzbnrg 10,000, Sack 2000, Warschawski 1000, Rosenthal 500 gespendet. Da aber die Frauenkurse auch von vielen jüdischen Frauen besucht! werden, so kommen also solche Spenden auch ihnen zu Gute, und ' damit wurden die erwähnten Zwecke des V. mittelbar befördert und erreicht. Und solche Summen, von den H. Leitern des V.'s geopfert, , beliebt man optische Täuschung zu nennen'. Corresp. 2) Wir fragen, ob durch eine laue Thätigkeit solche Ziele zu erreichen möglich gewesen wäre'? Corresp. 3) Wir gestatten uns hier eine Bemerkung zu machen, um ' diesen Umstand, d. h. die Verbreitung aufklärender und belehrender ' Bücher und Zeitschriften unter die niedrigsten Schichten des Volkes, | seinem ganzen Umfange nach würdigen zu können. Es ist ein Erfahrungssatz, daß der Chassidismus, der es auf die Verdummung! des Volkes einzig und allein absieht, um durch dessen finstern Aberj glauben desto leichter seine Zwecke, d. h. viel Geld zu machen, zu > erreichen, vorzüglich in den Zeiten der allgemeinen Bedrängniß seine