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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-15 · Heft 20 (15.5.1883) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 20 (15.5.1883)
Date
1883-05-15
Page
Seite 317 (sequence 3)
Language
German
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nun iiiiiViniii itinrn rr‘" _ 317 _ (S. 68) war Cur ein elendes schmutziges Dorf, neuerdings! thums und Schönheit und materieller Kräfte! Hoffahrt, hat es sich beträchtlich vergrößert und enthält etwa 5000 Seelen.! Ueppigkeit, Lüge und Ungerechtigkeit führen jedes Menschen- Auf der Rhede liegen einige kleine Schiffe vor Anker und im! werk, und thürmte es sich noch so riesig auf, zum Sturz, inneren Hafen eine Anzahl Fischerboote. Die Stadt hat nur zur Vernichtung! Dies war der göttliche Geist, der in jenen ein Thor. Traurig sieht es in ihr aus. Fensterlose elende Mauern, fern von der gleißnerischen Cuttur, lebte und wogte, Hütten kleben an herrlichen Trümmerstücken von polirtem! und die Zukunft erkannte, wie sie unausbleiblich eintreten Granit und edle Porphyrsäulen liegen unter altem Gerümpel! mußte. und widrigen Abfällen umher. Ueberall begegnet man solchen! Doch bleibt hier eine Frage. Allerdings glaubte Jesajas, Trümmerstücken, aber von den Resten aus der Vorzeit von i daß die beiden phönizischen Königsstädte schon durch die Tyrus hat sich nur wenig über dem Wasser erhalten. In Assyrer, Jeremias und Ezechiel durch Nebudchadnezar zerruhigen Stunden schaut man durch das klare Wasser zu dem! stört werden würden, während beide die Belagerung wieder Meeresgründe nieder, der hier überall mit granitenen Säulen! aufgeben mußten, und erst Alexander der Große sie zer- und Marmorblöcken ohne Zahl bedeckt ist. Nichts erinnert > trümmerte, und die Kreuzfahrer und die Türken das Werk an die Glanzzeit der meeresbeherrschenden Königsstadt vor! der Vernichtung vollendeten. Aber schwächt dies die Wahrder Eroberung durch Alexander dem Großen. An der Süd-! heit ihrer Weissagungen ab? In ihrer Begeisterung, in feite läßt sich die deutlichste Vorstellung von der früheren : ihrem Feuereifer gegen Gottlosigkeit, sittliche und gesellschast- Lage der Stadt erkennen, denn hier findet man noch Hausj liche Entartung sehen sie das Werk der Vergeltung sich nahen, sundamente und Reste von starken Ufermauern, auf denen in naher Zeit herankommen, während es sich erst später verdie Fischer ihre Netze zu trocknen pflegen, hier bedecken wirklichte. Was thut dies zur Sache? Sie sahen es doch mit gestürzte Säulen und Capitäle den Strand, oft von den Gewißheit voraus und zeichnen die Zukunft, wie sie eingetreten Wogen des Meeres überspült. Auch von dem Tyrus des und wirklich geworden. Vor dem Propheten standen Tyrus Festlandes finden sich über der Erde so viel wie gar keine und Sidon in der Fülle ihrer Macht und Herrlichkeit, mit baulichen Reste, aber unter der Oberfläche des Bodens giebt ihren Schiffen, Vesten und Söldnerheeren noch intact und es Fundamente in Menge, welche zeigen, wie bedeutend die voll Selbstvertrauens: dennoch sah er zugleich ihre Schiffe Ausdehnung der Landstadt einmal gewesen ist. Einst war verstreut, ihre Säulen in^s Meer gestürzt und auf ihren der ganze Küstenstrich mit Billen und Palästen bedeckt. Trümmerresten Fischer ihre Netze ausspannen und trocknen!... Jeder, der bis hierher gelesen, wird sich überrascht * Wir gestatten uns, um den allgemeinen Standpunkt klar fühlen von der buchstäblichen Erfüllung jener Weiffagungen! zu stellen, von dem diese wichtige Frage aus betrachtet der Propheten. Wir haben hier nicht Allgemeinfätze vor uns, werden muß, den Schluß unsrer „Einleitung zu den Propheten" Aussprüche des Zornes, Schilderungen der Verwüstung, die (Bd. II. S. 1560 unsres großen Bibelwerkes) hier wiederüberall hinpaffen, wo eine Zerstörung von Menschenwerken zugeben: „Die Rückerinnerung an die Wohlthateu des gevor sich geht — sondern wie der Prophet die Herrlichkeit des j offenbarten Gottes an Israel, das Bewußtsein von dessen großer alten Tyrus und Sidon in ganz speciellen Zügen abzeichnet, Bestimmung, die Bitterkeit über dessen Abfall, der Zorn über so verkündet er auch ihren Untergang in Strichen, die uns die feindlichen Völker, die Gewißheit des göttlichen Straf, in dem Bilde des gegenwärtigen Zustandes aufs Lebhafteste! gerichts, die Ueberzeugung von der dadurch bewirkten Läutevor die Augen treten. Der Prophet sah dieses starke, reiche, rung, und die Zuversicht auf die herrliche Zukunft Israels prachtvolle Tyrus, diese Beherrscherin der Meere vor sich, und der ganzen Menschheit sind die einzigen Quellen aller und weissagt dennoch ihren Untergang ganz so, wie der - prophetischen Aussprüche. Tie Propheten stehen somit auf Reisende es jetzt findet. Wir fragen uns: wie? wer gegen-deiner Höhe, die kein Autor des Alterthums erreicht, ja nur wärtig die großen Culturcentren betrachtet — etwa Paris,! geahnt hat. Trotz der nationalen Würdigung das Umfassen London, Wien, Berlin — wird es ihm in den Sinn kommen! aller Menschen als Brüder in der einstigen Zukunft der und er es wagen, von ihnen derartige Zukunftsbilder zu ent- Menschheit; die Gewißheit, daß kein Volk in Unsittlichkeit, werfen, wie die Propheten von jenen gewaltigen Metropolen,! Gewaltthätigkeit und Jrrthum, trotz entwickelter Schwcrtan deren Erhaltung die ganze damalige Welt interessirt war? macht, bestehen könne, sondern dem Untergange unerrettbar Es ist ein gewaltiger Geist, der über diese Männer Israels zueile; die Bestimmtheit, daß die Menschheit einem Zustande kam und ihre Gegenwart mit dem Schauen der Zukunft der Erkenntniß, des Rechts, der Liebe und des Friedens durchbrach: Göttliches Strafgericht, göttliche Vergeltung, das zuschreite; diese sind die Grundlagen der Prophetie, und von Bewußtsein, daß das Schlechte und Sündige keine Tauer diesen aus sehen die Propheten die Schicksale der Völker voraus, haben könne, daß jedes entartete Volk, jede gewaltthätige Uebersehen wir daher, daß sie in den einzelnen Sturm- Macht zerbrochen werden und untergehen müsse trotz Reich. Momenten ihre Drohungen und Verwarnungen zu äußerster 2(* - s ■i ) ',su V / $

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