Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1883)
- Date
- 1883-05-08
- Page
- Seite 310 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Nöthige auf die Anfragen zu veranlassen und würde mich sofort mit dieser Angelegenheit beschäftigen. — Wir sind hier entschlossen, Ländereien, die in Privatbesitz sind, zu kaufen, um darauf Colonien zu installiren. Dieses System erscheint uns bester, als die Nationalterrains, die umsonst gegeben würden, nutzbar zu machen. Alle Ländereien erster Güte haben Eigenthümer. Die Regierung kann nur über Ländereien zweiter Güte verfügen; und da die Leute, welche auswandern, in der Absicht kommen, ihre Lage zu verbessern und durch ihrer Hände Arbeit Wohlstand zu erlangen, scheint es vortheilhafter, sie auf Privatländereien zu etabliren als wie auf denjenigen, die der Regierung gehören, obgleich die ersteren etwas kosten. Uebrigens werden die Eingewanderten selbst unter den beiden Systemen wählen können. Im ersteren Falle geben wir einen Bauplatz für ein Haus mit drei Aren Land, zwei paar Ochsen, ein Pferd und eine Karre. Ihre Schuld dafür wird 1500 Francs betragen, die innerhalb von zwanzig Jahren abzutragen sind. Im anderen Falle sind der Regierung innerhalb desselben Zeitraumes nur die Summe von 500 Francs zurückzuzahlen. Nur erhält man zwei Are, ein Ochsengespann rc. Kurz, das eine wie das andere System ist vortheilhaft. Wir haben eine Gesellschaft mit dem Kapital von 1000 Actien, jede zu 1000 Francs, gegründet, um die Herstellung von Colonien zu begünstigen. Die meisten der Litres sind unterschrieben und wir hoffen den Rest baldigst unterzubringen. Es gilt ein gutes Werk zu vollbringen, ohne daß man dabei riskirt, Geld zu verlieren. Gleichzeitig wird man Mitglied einer Wohlthätigkeits-Gesellschaft. Mit diesen Terrains kann man eine Stadt von 10,000 Einwohnern gründen. Die Gegend ist genügend bewässert und trägt Zucker, Reis, Roggen, Getreide, Mais rc. Alle Früchte, die des Südens wie die des Nordens, wachsen auf diesen fruchtbaren Feldern. Eine Eisenbahn ist in der gewählten Region geplant und wir hoffen, daß sie noch ehe zwei Jahre vergangen sind, durch unser Territorium gehen wird. Die Produkte werden alsdann leicht zum Markt gebracht werden können. Wir haben die Ueberzeugunz, daß Ihr Blatt, das so gut die jüdischen Interessen vertritt, durch seine weite Verbreitung zum Erfolge unseres guten Werkes beitragen wird. Jsaac P. Nathano. St. Paul, 30. März. Der „Occident" enthält in seiner heutigen Nummer einen Bericht des Rev. vr. Wechsler von hier, welcher in Bezug auf die russischen Flüchtlinge und deren Colonisation interessant ist. vr. Wechsler hat sich mit rühmlichem Eifer dieser Unglücklichen angenommen. Die Anzahl der russischen Flüchtlinge in St. Paul belief sich Anfangs auf 600, minderte sich aber nach und nach auf 300. Von diesen waren nur wenige Handwerker und für die übrigen fand sich während des Winters keine Beschäftigung. Sie mußten deshalb vollständig unterhalten werden, was, abgesehen von den Opfern, welche die dortigen Israeliten brachten, nur durch Beihülfe des Londoner Manfion House und des Berliner Comites möglich war. Er bemerkt dabei, daß die Orthodoxen und die Landsleute der Flüchtlinge nichts hierzu beigetragen haben. Der erfreulichste Theil des Berichtes betrifft die Colonie, die im vorigen Juni nahe bei der Stadt Bismarck, im Territorium Dakota gegründet worden, und zwar in einer sehr schönen und sehr fruchtbaren Gegend. Anfänglich aus zehn Familien bestehend, hat sich die Anzahl verdoppelt und beträgt jetzt 100 Seelen. Jede Familie erhielt 160 Akres Gouvernementsland, so daß die Colonie ungefähr 3000 Akres besitzt, ebenso ein angemessen gebautes Haus. An Utensilien bekamen sie so viel unsere beschränkten Mittel erlaubten. Die Colonisten zeigten sich fleißig und einsichtig, und die wenigen, welche sich für Ackerbauarbeiten nicht geeignet zeigten, werden aus der Colonie entfernt und durch andere ersetzt. Gern würde man die Colonie noch um 10 — 15 Familien vergrößern, wenn nicht die Mittel dazu fehlten. Allerdings müssen wenigstens noch 5 Monate die Colonisten noch unterstützt werden; alsdann werden die Ansiedler sich selbst erhalten können, vr. Wechsler beweist dies durch die Fortschritte, die jene bereits gethan. Er hält es für sehr bedauerlich, daß man nicht von vornherein viel mehr auf Colonisation bedacht gewesen wäre, als auf Unterbringung der Flüchtlinge in anderer Weise. Eine Million Dollars sei resultatlos ausgegeben, die, wenn sie zum größten Theile für Agrikultur ausgegeben worden, die schönsten Früchte getragen hätte. Er meint, daß gut ein Viertel der Flüchtlinge zu erfolgreichen Farmers hätten gemacht werden können. Jndeß sei es immerhin noch möglich, recht viel zu diesem Zwecke zu thun, wenn nur die Sache richtig angefaßt und der Erfolg bekannt gemacht wird, der mit den Colonien erzielt worden ist, welche in angemessener Weise angelegt worden. — Das Rabbiner-Seminar in Cincinnati hat in diesem Jahre zwei Zöglinge zu Rabbinern promovirt, Israel Aaron und Joseph Krauskopf. Beide haben bereits Anstellung erhalten. „ Bonn, 27. April. (Notizen.) Man schreibt aus Weimar vom 21. April: Im Weimarischen ist die Stelle eines Landrabbiners, die den Charakter eines Staatsamtes hat, seit zwei Monaten unbesetzt; das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht den jüdischen Religionsgemeinden zu und Haben dieseelben durch ihre Vorstände heute den bayerischen Districtsrabbiner vr. Salzer einstimmig gewählt. — In Kairo starb am 4. d. M. der Bankier Menahem Catlavi Bey, der „egyptische Rothschild", siebzig Jahre alt. Seinem Leichen-