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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-05-08 · Heft 19 (8.5.1883) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 19 (8.5.1883)
Date
1883-05-08
Page
Seite 309 (sequence 11)
Language
German
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309 Der Artikel schließt mit den Worten:! „Als Graf D. A. Tolstoi Minister der Bolksaufklärung war, hat er gelegentlich seiner Besuche in südruffischen Gymnasien mehr als einmal erklärt, daß für ihn kein nationaler und confessioneller Unterschied der Schüler bestehe, sondern; daß das Maßgebende nur ihre Erfolge seien. Es ist noth-! wendig, daß diese Ansicht in der Praxis im weitesten Sinne bethätigt werde, daß unsere Pädagogen und Administratoren sie sich zu eigen machten — das wird sicher beffere Resultate haben, als Beschränkungen der Schüleranzahl der einen oder anderen Confession." Petersburg, 21. April Auf Verfügung des Ober-Commandos dürfen nach der deutschen „Pet. Ztg." die Mannschaften jüdischer Confeffion an den Tagen des 22., 23., 26. und 29. April, des Paffa-Festes wegen, zu keinerlei Dienstleistungen herangezogen werden. Dem zeitweiligen Petersburger Kaufmann Kaplun ist nach demselben Blatte gestattet worden, an der Fontauka für die Zeit der jüdischen Ostern ein Speisehaus zur unentgeltlichen Speisung jüdischer Untermilitärs und armer Juden einzurichten. Petersburg, 23. April. Zum Nachfolger des vcrstordenen Makoff als Präsident der Juden-Commission ist Graf P. A. Schuwaloff bestimmt. Riga, 18. April. Nach der vor etwa 16 Monaten vorgenommenen allgemeinen Volkszählung ist die deutsche Bevölkerung daselbst auf 66,775 angewachsen (1667:43,980). Der „Hamb. Corr." fügt hinzu: „Zählt man denselben die 14,222 deutsch-redenden und deutsch-gebildeten Juden hinzu (1867 betrug die Zahl der Juden bloß 5,254), so ist das deutsche Element ebenso stark, als dasjenige der Russen (31,976) und der Letten (49,974) zusammengenommen." Wir sehen also hier die polnischen Juden zu den Deutschen gerechnet, während die deutschen Antisemiten die deutschen Juden nicht einmal zu den Deutschen rechnen wollen. Es kommt immer darauf an, wie etwas opportun erscheint. Palästina. Samaria, im März. Der „Colonist" Nr. 13 schreibt, wofür wir ihm die Verantwortlichkeit überlaffen: Die Colonie Samarin prangt bereits in herrlichem Frühlings-Schmucke. Aufgeschoffene Saaten und blühende Bäume erfreuen das Herz der Eingewanderten und geben ihnen Muth, sich der ihnen bis dahin zum Theil ungewohnten Beschäftigung mit Lust immerfort zu widmen. Geben ihnen ja die prangenden Saatfelder, durch ihren Fleiß hervorgerufen, schon jetzt den Beweis der Möglichkeit, ihr weiteres glückliches Fortkommen zu finden. Die neuen Bauern sind guter Dinge und mit ihrem Schicksale zufrieden. Nach beschloffenem rüstigem Tagewerke mit Pstug und Spaten versammeln pe sich zum Abendgebete, nach welchem sie sich mit Gesang in ihre Wohnräume verfügen, um auszuruhen und um neugestärkt am anderen Morgen sich früh zur Arbeit zu begeben. Nachdem die Felder schon früher durch sie von Steinen gereinigt worden, haben die Colonisten damit begonnen, die Wege zu ebenen und ist ein Theil gegenwärtig damit beschäftigt, über einen Berg eine Chauffee zu bauen, zur größten Verwunderung der Araber. Auch dürfte sich in den nächsten Wochen daselbst ein noch regeres Treiben entwickeln, indem bereits Baumeister beordert find, die nöthige Anzahl Häuser und Stallungen aufzubauen. Trotz der schwierigen ungewohnten Feldarbeit und mancher Entbehrungen ist der Gesundheitszustand vortrefflich. Alle sind des Lobes voll über das milde Klima. Etwa 1 Stunde Weges von Samarin liegt am Carmel die Höhle des Propheten Elijahu, welche von einigen Ansiedlern besucht wurde. Die Eingewanderten sind bereits Alle als türkische Unterthanen eingetragen worden und sind glücklich, dem rumänischen Drucke entrückt zu sein. Daß die Behörde auch bereit ist, ihre neuen Unterthanen vor Unglimpf zu schützen, beweist folgender Vorfall. Als mehrere Colonisten von Samarin durch ein arabisches Dorf gingen, wurde einer von ihnen von einem Steinwurf getroffen. Auf geschehene Anzeige wurde der Behörde drr Scheik (Gemeinde-Borsteher) des Ortes verhaftet und in eine verhältnißmäßig hohe Geldstrafe genommen, da nach den dortigen Landesgesetzen der Scheik für die schlechte Aufführung seiner Untergebenen aufkommen muß. Amerika. Linares, Provinz Nuevo-Leon (Mexico), 17. März. Unter diesem Datum enthalten die Arch. isr. eine Zuschrift, die wir hier wiedergeben, weil die Frage der Colonisation noch immer eine schwebende ist. Sie lautet: „Unser lebhafter Wunsch wäre, daß die Emigranten in Menge in unsere Provinz kämen, wenn sich eine anständige israelitische Gesellschaft bei uns bilden soll. Bon diesem Resultate hängt die Zukunft der Betheiligten und der Republik ab. Mit Vergnügen sehen wir Eingeborene also den Zufluß von Emigranten ohne Unterschied der Religion wie der Nationalität sich hierher wenden, denn wir haben jetzt eingesehen, daß die Ankunft von Ausländern das einzige Mittel ist, um unserem Vaterlande Ansehen zu verschaffen und ihre Lage zu verbeffern. Unsere Regierung ist geneigt, diese Bewegung zu begünstigen, indem sie den Ein gewanderten Unterstützungen ertheilt. Unter solchen Berhältniffen würde es nicht schwer fallen, zu schnellem Wohlstände zu gelangen. Damit die Angelegenheit reussire, müßten diejenigen, welche sich entschlossen haben, sich hier niederzulaffen, mir Zeugniffe über ihre Moralität zuschicken, sowie eine Liste, welche ihre Namen, die ihrer Frauen und Kinder enthielte. Sobald ich in Besitz dieser Documente gekommen, würde ich darauf bedacht sein, das 19*

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