Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 292 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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292 er volle Anerkennung verdient; nämlich den fünften Band väterlichen Hause eine vorzügliche Erziehung und graduirte „Grätz Geschichte d. I." in mustergiltiger russischer Ueberschon 1643 zum Baccalaureus und im folgenden zum Magister setzung, mit zahlreichen circa 250 kritischen und ergänzenden „of Arts“, nachdem er eine goldene Medaille für eine ma- Anmerkungen von unserem rühmlichst bekannten Orientalisten thematische Arbeit erhalten. Nnnmehr widmete er sich dem Dr. A. Harkavi, der als Bibliothekar der kaiserlichen össent- Studium der Rechtswissenschaft und wurde im Mai 1847 lichen Bibliothek die volle Möglichkeit hatte, viele noch nicht zur Barre in Lincoln's Inn berufen. Seine Talente und sein herausgegebene Handschriften und bibliographische Raritäten zu benutzen, die vielleicht Hrn. Prof, unzugänglich blieben.; Ueber den Werth dieser Anmerkungen, welche in der „Revue des etuäes .suives" erscheinen, werden wohl competente Fachmänner nicht versäumen, ihr Urtheil abzugeben. Jedenfalls hat besagter Band Grätz' in der vor mir liegenden Ausgabe eine wesentliche Bereicherung erfahren, für welche der gelehrte Autor selbst Herrn A. H. erkenntlich sein wird. Doch besteht das Verdienst des Herrn A. H. nicht blos in den erwähnten Anmerkungen, sondern auch im ganzen Unternehmen, Gr. Gesch. d. I. dem russischen Publikum zuzuführen, wie auch in der Redaction der Uebersetzung, die fast ausschließlich auf Pr. H. lag, was ihm — wie ich genau weiß — sehr viel zu schassen machte. Hrn. Pr. Harkavi's Verdienst ist auch die vom Verein z. B. d. B. besorgte Ausgabe eines anderen historischen Werkes von großer Bedeutung, nämlich: die ersten 2 Bände des „Russisch-jüdischen Archiv's. Documente und Materialien zur Geschichte der Juden in Rußland — Band I und II: Documente und Rcgeste zur Geschichte der lithauischen Juden (1388—1569). Gesammelt und heraus - gegeben von S. A. Berschadsky. Ausgabe des Vereins zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland, St. Petersburg 1882." Das Verdienst des Hrn. Pr. H. besteht hier nicht blos darin, daß er als höchst verdienstvolles und sehr thätiges Vorstandsmitglied des in Rede stehenden Vereins es durchgesetzt hat, daß letzterer die schweren Kosten der Herausgabe übernahm, sondern auch den gelehrten jungen Sammler und Herausgeber stets mit nützlichem Rath zur Seite stand. Rumänien. Buckarest, im April. (N. fr. Pr.) Ende dieses Monats werden die jüngeren Israeliten aus Rumänien in Fokschani in der Moldau einen mehrtägigen Congreß abhalten, welcher sich unter Anderm speciell mit der Frage beschäftigen wird, in welcher Weise den mittellosen Israeliten die Auswanderung aus Rumänien erleichtert werden kann. Bonn, 20. April. (Notizen.) Wir haben bereits den Tod des vorzüglichen und verdienstvollen Glaubensgenossen Sir George Jessel in London gemeldet, und mögen hier einige Angaben aus der Lebensgeschichte des Verewigten folgen. Er war der Sohn des Kaufmanns Zacharias Nathaniel Jessel und in London 1824 geboren. Er genoß in seinem streng sittlicher Lebenswandel zogen die Aufmerksamkeit der Regierung auf ihn und 1865 wurde er zum „Queen’s Couasel and a Bencher of his Inn* ernannt. Zum Senator der Universität London erwählt, wurde er 1868 von den Liberalen in Dover ins Parlament gewählt. Im November 1871 wurde er Solicitor-General, und im Februar 1872 in den Ritterstand erhoben. Endlich im August 1873 wurde er jurn „Master of the Rollfs* also zum zweithöchsten Richter in England erhoben, zugleich zum Mitglied des königlichen Privatrathes. Aus allen diesen hohen Stufen der Gesellschaft bewahrte und bethätigte Sir George Jessel seine treue Anhänglichkeit au der väterlichen Religion, und ist deshalb sein Tod ein zwiefacher Verlust für seine Glaubensgenossen. — Aus Pest wird uns geschrieben: Se. Majestät der König wendete dem israelitischen Frauenverein in Ofen eine Spende von 10O Gulden zu. — Der Rabbiner von Goltsch-Jenikau (Böhmen), Herr Zacharias Spitz, der im vorigen Jahre sein 25 jähriges Amtsjubiläum gefeiert hat, ist am 6. d. M. verschieden. Bonn, 20. April. (Literarische Notizen.) Es ist anerkennenswerth, daß der „Jllustrirte israelitische Bolkskalender für das Jahr 5644", den Jakob W. Pascheles in Prag herausgiebt, bereits jetzt erschienen ist. Außer dem Kalender und dem Verzeichnisse der Jahrmärkte (allerdings nur der österreichischen) bringt das Büchlein den Schluß der mit großem Fleiße gearbeiteten historischen Darstellung des Kreisrabb. G. Klemperer „das Rabbinat zu Prag" und zwar von Jecheskel Landau an, „Prager Ghettogeschichten von Bernhard Auerbach" und sonstige Kleinigkeiten. Vom Rhein, 12. April. (Musikalisches.) Einstimmige Gesänge und Recitative, componirt von Cantor I. Mannheim in Landsberg a. W. — Zu wiederholten Malen haben wir uns aus Zweckmäßigkeitsgründen für den einstimmigen Gemeindegesang in dieser Zeitg. ausgesprochen und den mehrstimmigen Kunstgesang, der durchaus nicht vernachlässigt werden soll, nur bei besonderen festlichen Gelegenheiten empfohlen. Die veralteten Braunschweiger Gesäuge, das Gesangbuch von Liebling und Jacobsohn (und wenn man will, auch das Buch vou Tintner), vor Allem aber der Kol rinnah utfillah von Lewandowski sind Beiträge zum Gemeindegesang. Diese sind immerhin mehr oder minder hierzu zu verwerthen, wenn man die zweite, resp. dritte Stimme streicht. Und in der That: es fehlt uns noch immer das rechte Gesangbuch für den einstimmigen Gemeindegesang