Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 291 (sequence 9)
- Language
- German
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291 men die alten auf. Die Zahl der jüd. Jugend in den mitt- Geistlichen weit stärker im nihilistischen Lager vertreten sind, leren Lehranstalten soll auf 15°/0 reduciri werden; das ist als die der anderen Bolksklassen rc. rc., das wollen die Herren die neue „Gsero", welche nun aus zuständigem Orte ausnicht einsehen. Ebenso stichhaltig ist ein anderes Motiv, gebrütet wird und bald zur öffentlichen Kenntniß kommen nach welchem die Regierung deswegen genöthigt wäre, der soll. Die Vertreibung der Juden, die sich in unserer Rest- Zahl der jüdischen Schüler in den öffentlichen Lehranstalten denz auf nicht ganz legitime Weise aufhalten, ist die ausgeein Maximum zu setzen, weil die jüdische die christliche wärmte alte „Gsero", welche nun Hunderte Familien ins Jugend in den Lehranstalten verdränge. Wie Letzteres mögtiefste Elend treibt, trotz des Circulärs unsers Ministers lich sei, da Aufnahme, Versetzung und Absolvirung in allen des Inneren, nach welchem die bis zum 30. April 1880 im russischen Schulen vom Examen bedingt sind, und das gc- Ansiedlungsrayon wohnhaft gewesenen Juden der Aufenthalt sammte.Lehrpersonal in denselben ausschließlich aus Nichtim letzteren gestattet wird. juden besteht, darnach fragt Niemand. Gilt es ja doch nur, Tempora mutantur . . .! Wie lange ist es her, daß die Juden zu bedrücken. von allen Seiten den russischen Juden Abneigung gegen europäische Civilisation zum Borwurf gemacht wurde, daß man in dieser Abneigung eben den Krebsschaden der Judenfrage Hiernach waren in den Provinzen, in welchen Juden woh- Die alte Moskauer Antisemitin, die wertja, sucht letzteres Motiv durch Zahlen zu bekräftigen. sah, daß die russische Publicistik alle möglichen Mittel in Vorschlag brachte, vermöge welcher die Juden für allgemeine Bildung gewonnen werden sollten, daß die Regierung Commissionen einsetzte, um Pläne zu schmieden, die Juden zu civilisiren. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, wie die Polizei, angeführt vom Schul-Jnspector oder Director, die „Chedorim", „Jeschiboth", ja sogar Privathäuser überfiel, wo Kinder im Schulalter sich befanden, um zu revidiren, ob sie auch alle die örtliche öffenlliche Lehranstalt besuchten, wozu man verpflichtet war. Seit dieser Zeit sind kaum drei Lustra verstrichen, und schon dient gerade das Entgegengesetzte den Juden zum Vorwurf, und die russische Publicistik wie die Regierung denken nur daran, wie der wachsenden Frequenz der jüdischen Schuljugend in allen öffentlichen Lehranstalten ein Damm zu setzen sei, weil man in ihr den Ursprung alles Unheils, an welchem der russische Staat und das russische Volk gegenwärtig laboriren, erblicken will. Mir wird von nen, unter 72,116,537 Seelen 2,759,824 Juden; die Gymnasien und Progymnasien wurden 1870 von 36,470 Schülern besucht, worunter 2045 Juden, 1877 von 49,412, worunter 4913 Juden, und 1881 von 60,242 Schülern, worunter 7413 Juden. Hiernach waren die Juden überhaupt 3,8 Proc. der Gesammtbevölkerung, unter den Schülern der Gymnasien und Progymnasien 1870: 5,9 0,°, 1877: 9,9 o <, und 1881: 12° io. — Die S. I., welche in diesem Zuwachs der jüd. Jugend in den Gymnasien keine geringere Gefahr (!!) für Rußland sieht, als die, daß, wenn es so weiter fortgehe, es nothwendig dazu kommen werde, daß mit der Zeit fämmtliche Katheder, sämmtliche gerichtliche und medizinische Aemter, sämmtliche Functionen, für welche Leute mit Bildung erforderlich sind, aus Juden übergehen werden, übersieht, will nicht einsehen, daß dies Decennium, von welchem besagte Tabelle spricht, schon deswegen nicht maßgebend ist, weil in ihm die russiverbürgter Seite mitgetheilt, daß das Project zur Bcschränj schen Juden öffentliche Schulen zn besuchen überhaupt ankung der Zahl der jüdischen Schüler in den mittleren Lehrgefangen haben und so mußte nothwendig ein Wachsthum anstalten auf 15 Proc. unter anderem folgendermaßen motizu bemerken sein. Dazu kommt noch die Einführung allge virt wird: Der gläubige Jude sei gegen allgemeine Bildung meiner Wehrpflicht, welche, Dank der sehr bedeutenden Pri- und allgemeine Lehranstalten eingenommen, er könne, so lange! vilegien, die sie denjenigen zuerkennt, welche eine öffentliche er auf religiösem Boden fußt, sich nicht entschließen, seine Schule absolvirt haben, der Frequenz in den Letzteren mäch Kinder den öffentlichen Schulen anzuvertrauen. Der Jude, tigen Vorschub leistet. Außerdem ist die gegenwärtige Stelwelcher sich dazu entschließt, sei eo ipso gegen seine Religion lung der russischen Juden eine solche, daß es für sie nur gleichgültig, sei einfach — Atheist. Die Kinder solcher Atheij einen einzigen Ausweg von der allgemeinen und allseitigen sten sind in dieser Beziehung ihren Vätern gleich; wenn solche Bedrückung giebt — die Aneignung der in so vieler Bejunge Atheisten in bedeutender Anzahl mit christlichen Kinziehung privilegirten allgemeinen Bildung. Wären die Inden dern gleichen Alters auf einer und derselben Schulbank sitzen, der übrigen Bevölkerung gleichgestellt, so wäre wohl ihr Zuso müssen sie einen verderblichen Einfluß auf die Letzteren drang zu den öffentlichen Lehranstalten ein weit geringerer ausüben. Daher der Nihilismus. Daß dieser Nihilismus gewesen, was allerdings von nicht antisemitischem Standpunkte weit älter ist als der Schulbesuch der jüdischen Jugend, daß zu bedauren wäre. in den russischen geistlichen Seminarien, wo kein Jude be Der ..Verein zur Verbreitung der Bildung unter den greiflicher Weise zu finden ist, der Nihilismus weit mehr Juden in Rußland" hat soeben zwei recht umfassende Werke, grassirt, als in allgemeinen Schulen, daß die Kinder russischer die jüdische Geschichte betreffend, herausgegeben, für welche 18