Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Folge gegeben werden, daß jene Anzeige einen Anklagebeschluß' Sinn und der Anständigkeit des Volkes vertrauen. Die noch nicht provozirt hatte. Hetzer trugen nicht Scheu, mittelst ihrer mordbrennerischen Eine „dritte Tißa-Eßlarer Affaire", eine neue Blutbe- Plakate zu verkünden: /.Der König habe bereits angeordnet, schuldigungs-Anklage, hat die vorige Woche zu Tage gefördaß die Schächter gehenkt werden, und auch die Regierung dert. In Neutra wurde nämlich der Versuch gemacht, das! sei nicht dagegen." Verschwinden eines Christen-Mädchens wieder den Juden zur | Nyiregyhaza, 17. April. Ignaz Klein aus Tißa-Eßlar, Last zu legen. Die bei der israel. Wittwe Engel in Neutra > der wegen des Verdachtes, an dem angeblichen Leichenschmugbedienstete Maria Rendek verschwand am Dienstag spurlos gel betheiligt gewesen zu sein, vier Monate lang in Unteraus ihrem Dienstorte. Kaum wurde auf die allsogleich er-' suchungshaft sich befunden, wurde heute vom Untersuchungsstattete Anzeige das Verschwinden des Mädchens bekannt, als richter Megyeri in Angelegenheit der Disziplinär-Untersuchung sich auch schon in den unteren Bolkskreisen eine lebhafte Be" gegen Bari vernommen. Megyeri las Klein das von diesem wegung bemerkbar machte. Das plötzliche Verschwinden wurde mit den bevorstehenden jüdischen Ostern in Verbindung gebracht und die „Blutbeschuldigung" eifrig kolportirt. Gewissenlose Hetzer suchten den Vorfall auszubeulen und die Erregung insbesondere bei der in der Stadt verkehrenden Landbevölkerung zu steigern und die Anverwandten des Mädchens versuchten die Gelegenheit zu benützen, um von der Dienstgeberin derselben Geld zu erhalten. Seitens der Stadthauptmannschaft wurden allsogleich Recherchen gepflogen und nachdem sich das in gesegneten Umständen besindliche Mädchen bei früheren Anläffen geäußert hatte, sich das Leben nehmen zu wollen, wurde auf polizeiliche Anordnung auch das Bett der Neutra untersucht. Heute Morgens entdeckte seinerzeit eingereichte Majestätsgesuch vor, welches seitens der Kabinetskanzlei dem Ministerium und von diesem dem hiesigen Gerichte mit der Weisung übersendet wurde, die Sache streng zu untersuchen. Klein bekräftigte heute die im Majestätsgesuche ausgeführten Thatsachen, die in Folgendem bestehen: „Ta Klein, von Bari, als dem damaligen Untersuchungsrichter befragt, betheuerte, vom Leichenschmuggel nichts zu wißen, nannte Bari ihn einen Schuft und Bluthund und erging sich in fürchterlichen Drohungen gegen ihn. Als Klein auch weiterhin leugnete, schlug ihn Bari mit der Faust auf die Brust; dann ließ er ihn nach Tißa-Lök schleppen, in die Gartenwohnung des Stuhlrichters. Bay sagte ihm -iort eine Aussage vor, welche Klein nicht als unwahr erklärte. der Geliebte der Rendek auf dem Heuboden das Mädchen darauf ließ man durch Karancsai ein Schaff Waffer bringen, und stellte es der Stadthauptmannschaft zur Verfügung. Neben der Rendek wurde ein Topf mit einer trüben Flüssigkeit vorgefunden. Vorläufig befindet das Mädchen sich im polizeilichen Gewahrsam. Pest» 17. April. (Privatmitth.) Der weitläufige Anklageakt stützt sich lediglich auf die Aussage des damals noch nicht dreizehnjährigen Moritz Scharf; alles andere ist von keiner Bedeutung. Wir heben noch hervor, daß in der eventuell anzuberaumenden Schlußverhandlung Ober-Staatsanwalt-Substitut Eduard Szeiffert die Anklage vertreten wird. Derselbe übernahm jedoch diese jedenfalls sehr schwierige Aufgabe nur unter der Bedingung, wenn ihm volle freie Hand gelaffen werde und welches Klein austrinken sollte. So er sich weigerte, wurde er geschlagen, so lange bis er endlich ohnmächtig uiederstürzte. Klein beruft sich auf die Panduren Vay's, die dem Vorgänge angewohnt. Megyeri nahm Klein's Aussage zu Protokoll und bedeutete ihm, er solle sich von Tißa-Eßlar nicht entfernen, da er binnen Kurzem neuerdings vorgeladen werde." Lemberg, 14. April. Das hiesige Magistrats-Präsidium hat den jüdischen Cultusrath in Lemberg in Kenntniß gesetzt, daß der in der vorjährigen Rabbiner-Versammlung auf Antrag des verstorbenen Abgeordneten Schreiber beschloffene Entwurf eines Organisations - Statuts für die jüdischen Cultusgemeinden in Galizien die Genehmigung des Ministeriums er, je nach dem Ergebniffe der Verhandlung, ebenso einen nicht erhalten habe. Motivirt wird dieser abweisliche Be- Strafantrag als auch den Antrag zur Einstellung des Ber- J scheid damit, daß gewisse reactionäre Bestimmungen des gefahrens stellen könne. Die Schlußverhandlung dürfte anfangs Juni stattfinden. Die Antisemiten thun alles Mögliche, um die Einwohner im Voraus einzunehmen, die Zeugen zu bestimmen und Lügen zu verbreiten. So berichtet man aus Nyiregyhaza vom 16. d. Heute Morgens wurden zahlreiche gedruckte und geschriebene Plakate vorgefunden, die namentlich an die Häuser und Läden von Juden angeklebt worden waren und zu Mord und Todtschlag gegen die Juden auffordern. Nichtsdestoweniger zeigen die jüdischen Einwohner sich furchtlos, weil sie dem nüchternen dachten Statuten-Entwurfes mit dem Artikel 14 des Staatsgrundgesetzes im Widerspruche stehen. Rußland. St. Petersburg, 16. April. (Privatmitth.) Während unsere Lage durch die Judenkrawalle und Brandstiftungen und die verschiedenen temporären und permanenten „ Gseroth" der Regierung eine unerträgliche geworden ist und alle jüdischen Publicisten und Patrioten sich den Kopf zerbrechen, wie unserem unglücklichen Volke in seiner so tiefen Roth zu helfen, brüten unsere Feinde über neuen Plänen und war-