Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 287 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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287 gab dieser geschichtlichen Vergangenheit gegenüber ein leuch- ’ tendes Zeugniß, welche Umwandlung in Anschauung und Gesittung vor sich gegangen, und wie alle Anstrengungen derer nichtig sind, die uns in die Finsterniß der Vergangenheit zurücktreiben wollen. Der Einweihungsseier wohnten Se. Hoheit der regierende Herzog nebst höchst dessen Ge mahlin und der Prinzessin Marie (Tochter) mit großem Gefolge von Herren und Damen des Hofes, Adjutantmajor von Schleiniz, Hofmarschall von Röppert bei Sr. Hoheit, Hofmarschall von Speßhardt bei Ihrer Hoheit der Herzogin Mutter, Hofmarschall von Stein a. D., Vertreter des Ministeriums: Exzellenz von Attenhoven, Geheimer Staatsrath Heim, Geheimrath und Oberschulrath Weidemann, Schulrath und Regierungsrath Eggeling, Regierungsrath Kronacher und Regierungsrath Hoppe, Landgerichtspräsident Diez und Landgerichts-Dir. Lettkau, Oberst und Regimentskommandeur von Wülffen, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Landrath, Tirector des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Bürgerschule, der höheren Töchterschule, Postdirector, Landbaumeister, Vertreter aller S.-Meining'schen isr. Gemeinden mit ihren Lehrern und ein zahlreiches jüdisches und christliches Publikum bei. Bemerkenswerth ist, daß von den eingeladenen Geistlichen nur der katholische erschien. Die Feier selbst vollzog sich in der Weise, die bei diesem Akte üblich geworden, mit Orgelspiel, trefflichem Chorgesang und einer ausgezeichneten Predigt des Landrabbiners Di-. Dessauer, anknüpfend an I. Kön. 8, 13, und brachte den tiefsten Eindruck auf alle Anwesende hervor. Am Schluffe der Feier trat Se. Hoheitj an den Landrabbiner heran, unterhielt sich in leutseligster' Weise mit ihm über die inneren Einrichtungen des Baues, j über Chor, Gottesdienst und Orgel und sprach seine Wünsche! für das Gedeihen der Gemeinde in sehr herzlichen Worten; aus. Der Landrabbiner dankte ihm für die Huld und Auszeichnung und fügte hinzu, wie glücklich er sich fühle, unter einem so humanen Fürsten zu leben und zu wirken. Hierauf drückte der Herzog dem Landrabbiner freundlich die Hand und verließ von diesem und dem Vorstande geleitet, das Gotteshaus. Bemerken wollen wir noch zur Nachahmung seitens anderer Gemeinden, daß die Synagoge heizbar angelegt und mit guter Ventilation versehen ist. Die verschiedenen Tagesblätter der Residenz, wie die „Meininger Zei tung" und das „Meininger Tageblatt", brachten in wohlwollendster Weise ausführliche Beschreibungen der Synagoge und der Einweihungsfeier. Die in der Vorfeier und bei der Einweihung gehaltenen Reden werden im Truck erscheinen. Auf dem Tische vor der heiligen Lade liegt, namentlich zum Gebrauche für die Haphtoroth, die große Prachtbibel für Israeliten von Philippson mit den herrlichen Dorischen Illustrationen, die bei Hallberger in Stuttgart erschienen ist. Schievelbein, im April. Der deutsche Reichstag, wie jede andere parlamentarische Bürgerschaft, wird Jahr aus Jahr ein massenhaft mit Petitionen überhäuft, von denen die große Mehrheit, extravagant und ohne Sinn, in den Papierkorb zu wandern bestimmt ist. So ist aus der hiesigen evangelischen Gemeinde — bekanntlich liegt unsere Stadt in Hinterpommern und war bei den letzten Judenkrawallen der einzige Ort, wo wirkliche Verwüstungen stattfanden — eine Petition im Bureau des Reichstages eingegangen. Die Petenten verlangen kurzer Hand die Entfernung der Juden ans allen obrigkeitlichen Aemtern und die Wiedereinführung des confessionellen Eides. Wir schreiben mit Bedacht aus der evangel. Gemeinde, da die Petition lange nicht von allen evangel. Bürgern, sondern nur von Geistlichen und ihren Anhängern unterschrieben ist. Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Wenn in dem gegenwärtigen Äudenthume die Beeiferung und Thätigkeit in einem großen Maße den Veranstaltungen der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit zugewendet sind, so glaube ich, daß cs die besondere Pflicht der jüdischen Presse ist, unterstützend und fördernd auf diesem Gebiete zu wirken, und namentlich diejenigen Anstalten durch Veröffentlichung über deren Wirksamkeit und Verhältnisse in Obhut zu nehmen, welche nur durch Beihülfe von Wohlthätern sich erhalten, ohne größere eigene Fonds zu besitzen. Zu diesen gehört auch „das jüdische Kurhospital zu Warmbrunn", welches soeben seinen Bericht für die Badesaison des Jahres 1882 ausgegeben hat. Es war vier und ein halb Monate geöffnet und hat während dieser Zeit 33 unbemittelten Glaubensgenossen und zwei begleitenden Personen kostenfreie Aufnahme, Verpflegung, Bäder, ärztlichen Beistand und Medizin gewährt. Im Vorjahre hatte sich die Zahl nur auf 22 belaufen. Der Bericht fährt nun fort: „Wir constatiren hierbei mit Bedauern, daß, während die Hilfesuchenden in der Saison des Jahres 1882 gegen die des Vorjahres um 40% zugenommen, die unserer Anstalt zugewendeten Spenden von Jahr zu Jahr abgenommen haben, und wiederholen daher an wohlthätige Glaubensgenossen, insbesondere an die Vorstände jüdischer Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten die ebenso dringende als ergebene Bitte: Unsere Anstalt, welche den edlen, humanen Zweck verfolgt: armen Kranken, die in fremdem Orte, aller Hilfe entbehrend, ihre Gesundheit, ihr einziges Gut, zu erlangen suchen, während ihrer Kurzeit hilfreiche Hand zu leisten und sie mit allem Röthigen zu versorgen — einer wohlwollenden Berücksichtigung zu würdigen und sie mit milden Beiträgen zu unterstützen. Im verflossenen Jahre haben sich Einnahmen und Ausgaben noch balancirt, nämlich mit 2234 Mk. Sollte jedoch die Zahl der Hülfesuchendcn in der bevorstehenden Saison wiederum sich vergrößern, so würde ohne größere Beihülfe von Gemeinden und Privaten ein