Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 285 (sequence 3)
- Language
- German
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285 Nicht minder erweisen die gesetzlichen Bestimmungen, daß von einer Verschmelzung der Juden und der Samaritaner durchaus nicht die Rede sein kann. So war das von einem Samaritaner geschlachtete Vieh nur erlaubt, wenn der Israelit beim Schlachten gegenwärtig gewesen (Chull. 3, 2.); es war nicht gestattet, daß ein Samaritaner an einem Israeliten die Beschneidung verrichte (Thoseph. Abod sar. III.). Ja, man betrachtete den Cultus der Samaritaner als Götzendienst und erklärte sie für völlige Heiden (Chull. 6, 1.), so daß Cuthäer oft für Nichtjude steht. Endlich, was gerade für unseren Zweck am bedeutsamsten ist: das Kind, welches von einem Samaritaner und einer Israelitin herstammte, wurde für ein Mamser, d. i. Bastard erklärt (Jebam. 45, 1.). — Renan in dem Uebereifer, seine These zu erweisen, bezieht sich auch j auf die Vorgänge in Adiabene; er muß aber das Kapitel j des Josephus hierüber (Alterthümer XX, 2—4.) nicht durch - § lesen haben, sonst würde er von einem Uebergang des adia-! benischen Volkes in den jüdischen Stamm nicht haben sprechen können. Als nämlich der König Monobazus von Adiabene gestorben war, bewirkte dessen Wittwe Helena, daß ihr Sohn Jzates den Vorzug vor seinen Brüdern und die Königskrone gewann. Jzates war aber durch einen jüdischen Kaufmann Namens Ananias in der jüdischen Religion unterwiesen worden, und bekannte sich zu ihr, wie auch die Königin Wittwe Helena. Er trug sich daher mit der Absicht, sich beschneiden zu lassen. „Als dies der Mutter bekannt wurde, suchte sie ihn davon durch die Vorstellung abzuhalten, daß ihn dies in Gefahr bringen würde; er werde bei seinen Unterthanen großen Unwillen Hervorrufen, wenn diese vernähmen, daß er sich zu! fremden und bei ihnen ganz unerhörten Gebräuchen bekenne;' sie würden gewiß nicht dulden, daß ein Jude über sie j herrsche." Auch Ananias theilte die Ansicht der Königin! und kündigte ihm an, „er werde seinen Hof verlaffen, denn er müffe ja fürchten, selbst in Lebensgefahr zu kommen, so-1 bald die Sache ruchbar werde, weil man ihn beschuldigen! würde, den König dazu veranlaßt und ihn in solchen, seiner l unwürdigen Dingen unterrichtet zu haben." Aus diesen Worten des Josephus ergiebt sich doch wohl klar, daß eben nur der König und die nächsten Glieder seiner Familie sich dem Judenthume zugewandt hatten, das gesammte Volk aber dem feindlich gegenüber stand. Bald darauf kam ein anderer Jude aus Galiläa, Namens Eleazar, dem man besondere Kenntniß des jüdischen Gesetzes zuschrieb, nach Adiabene und fand den König das mosaische Gesetz studirend. Dieser bewog den König, die Beschneidung doch an sich vollziehen zu lasten. Als die Mutter und Ananias, erzählt Josephus weiter, dies hörten, „geriethen diese hierdurch in nicht geringe Furcht und Besorgniß, der König werde bei der Kunde von diesem Verfahren in Gefahr kommen, sein Reich zu verlieren, weil die Unterthanen gewiß keinen Herrscher über sich dulden würden, der sich ausländischen Sitten bequemt habe; sie selbst aber würden als die Urheber von Allem in ähnliche Gefahr gerathen." Josephus sieht es daher als eine besondere Schickung Gottes an, daß diese üble Folgen für Jzates nicht eintraten. Jndeß war jene Besorgniß doch nicht ohne Grund. Der Bruder des Königs Monobazus und dessen Verwandte nahmen ebenfalls die jüdischen Satzungen an; dies „ward jedoch bald im Lande bekannt und die Großen wurden darüber sehr unwillig." Sie wandten sich deshalb an den arabischen Fürsten Abias, den König zu bekriegen; „beim ersten Treffen würden sie insgesammt denselben verlassen, um ihn für den Abfall von ihren Sitten zu züchtigen." So kam es auch; aber Jzates kam rechtzeitig dahinter, ließ die Urheber des Verrathes hinrichten und schlug die Araber. Jene Großen standen aber von ihrem Vorhaben nicht ab, sondern bewogen den König der Parther, Jzates zu bekriegen, l und ihnen einen parthischen Fürsten zu geben: „Ihr jetziger I König sei ihnen verhaßt, weil er ihre herkömmlichen Satzun- >gen aufhebe und fremde Sitten angenommen habe." Ter > Partherkönig erschien zwar mit einem großen Heere an der i Grenze von Adiabene, »rußte jedoch, weil ihm die Nachricht | von einem Einfall anderer Feinde in sein Reich zukam, un! verrichteter Sache abziehen. Bald hierauf starb Jzates im j 25. Jahre seiner Regierung. Zum Könige wurde der ältere Bruder des Verstorbenen, der früher auf den Thron verzichtet hatte, Monobazus, gewählt. Auch Helena verschied bald und Monobazus sandte ihre und des Jzates Gebeine nach Jerusalem und ließ sie in den Pyramiden niederlegen, die seine Mutter in der Nähe der Stadt hatte errichten lassen. Es geschah dies in den Jahren 30—50, und wir hören niemals wieder etwas vom Judenthume in Adiabene. Wir haben den Bericht des Josephus so ausführlich wiedergegeben, um zu erweisen, daß es sich hier nur um die zufällige Bekehrung eines Königs und seiner nächsten Verwandten handelte, während das betreffende Volk gar nicht davon berührt wurde. Bon einem Eintritt der Adiabener in den jüdischen Stamm kann also nicht im Entferntesten gesprochen werden. Da Josephus der Einzige ist, der über dieses Ereigniß berichtet, so muß auch seine Darstellung als! maßgebend anerkannt werden, und diese ist hier um so entscheidender als Josephus sonst gern die Ausbreitung des jüdischen Cultus beschreibt und übertreibt. Zweifel an der Sache ist um so weniger zulässig als auch in ver Mischna ^Joma 3, 10.) vom Könige Monbas und seiner Mutter Helena erzählt wird, daß er alle Handhaben! an den am Versöhnungstage zu gebrauchenden Gcräthen aus Gold machen und sie über der Pforte des Tempels eine goldene Spiegellampe anbringen und eine goldene Tafel aufer tigen ließ, aus der der Thora-Abschnitt rvo'.o geschrieben stand. Adiabene heißt im Talmud z'!\~ r, oder zSpäter IS*