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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-24 · Heft 17 (24.4.1883) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 17 (24.4.1883)
Date
1883-04-24
Page
Seite 279 (sequence 13)
Language
German
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279 Berlin beschäftigt und leitete von 1829—52 als Rector die sam Begonnenen aus den Händen zu winden, und setzte ihm jüdische Knabenschule. In dieser Stellung lernte er die auch sonst allerhand Hindernisse entgegen, worauf er, um die traurige Lage der die Schule besuchenden Waisenkinder Unabhängigkeit seiner Anstalt von der Gemeinde besser zu kennen und wurde aufs Lebhafteste davon ergriffen. Die Waisenpflege beschränkte sich damals in der jüdischen Gemeinde darauf, daß für monatlich je 3 Thaler aus der Gemeindekaffe die Waisenkinder bei Familien untergebracht wurden. Es läßt sich denken, daß zur Ausnahme von Waisenkindern zu diesem Preise nur die dürftigsten Familien sich bereit finden ließen. Den armen Kindern wurde die schlechteste Kost gereicht, und sie wurden zu den verschiedensten Dienstleistungen, ja oft zum Betteln benutzt. Da beantragte Auerbach bei dem jüdischen Gemeinde-Vorstand, daß ihm zwei kleine Hinterstübchen auf dem Hose des Schulgebäudes, Rosenstraße Nr. 12, welche bis dahin an arme Leute vcrmiethet geweserk waren, zur Aufnahme von Waisen aus der Gemeinde unentgeltlich eingeräumt, und daß die je 3 Thaler monatlich, welche für die Unterbringung der Kinder bei fremden Leuten gezahlt wurden, ihm ausgezahlt würden. Für dieses Geld wollte er die Kinder beköstigen, alles Uebrige aber, was zu ihrer anständigen Erhaltung nöthig wäre, bei mildthätigen Menschen sich zusammenbitten. Aber erst nach mehrsachen Abweisungen, und nachdem Auerbach die Inhaber der betreffenden Wohnung für die Aufgabe derselben aus eigener Tasche entschädigt, ging der Gemeindevorstand auf seine Vorschläge ein. Alles, was derselbe für das Zustandekommen des menschenfreundlichen Unternehmens that, bestand sonach, da das Geld so wie so hätte gezahlt werden müffen, in der Gewährung eines dürftigen Lokals, das Auerbach auch noch aus seine Kosten wohnlich einrichten und mit Mobilien und Wirthschastsgeräth ausstatten mußte. Ja, man legte seinem Unternehmen, das man als eine Schwärmerei, als eine Unmöglichkeit betrachtete, obwohl man ihn persönlich hochachtete, allerlei Hinderniffe entgegen, weil man fürchtete, daß er die Gemeinde dadurch compromittiren würde. Auerbach aber, obwohl selbst fast ohne Mittel, ging unbeirrt vorwärts. Er wußte in den vornehmsten und reichsten jüdischen Familien, namentlich unter Frauen, von denen er eine Anzahl als Ehrenmütter seiner Waisen creirte, sich Gönner und Beförderer seiner Anstalt zu verschaffen, die er am 30. April 1S33 mit vier Waisenknaben eröffnete. Schon nach Jahresfrist vermochte er einen Bericht zu veröffentlichen, welcher ein fundirtes Vermögen der Anstalt von 2400 Thlr. nachwies. Dennoch erfuhr er von dem damaligen Gemeinde-Vorstand, dem er in seiner Stellung als Schulrector untergeben war, fordauernde Mißbilligung und Anfeindung.*) Man versuchte, ihm die Leitung des so müh- 1) Um dies zu begreifen, muß man sich erinnern, daß der damalige (souveräne) Vorstand der Gemeinde, «die an Größe charakterisiren, derselben, statt des Namens „Waisen-Erziehungs-Institut der jüdischen Gemeinde", die Bezeichnung „Jüdisches Waisen - Erziehungs - Institut" beilegte. Nach zwei Jahren war das fundirte Vermögen der Anstalt schon auf 4250 Thlr., ein Jahr später auf 6725 Thlr. und wieder über ein Jahr aus 8300 Thlr. gewachsen. Auerbach's Zuversicht belohnte sich. In den mißlichsten und bedrängtesten Lagen wurde ihm oft auf fast wunderbare Weise Aushilfe und Unterstützung, worüber er selbst in seiner Geschichte der ersten 25 Jahre seiner Anstalt zum Theil in rührender Weise berichtet. Am 22. April 1838 wurde die Anstalt staatlich anerkannt, indem ihr die Rechte einer juristischen Person verliehen wurden. Sie begab sich durch das behördlicherseits bestätigte Statut unter die Oberaufsicht der dem Schulwesen Berlins Vorgesetzten Staatsbehörde, wodurch ihre Unabhängigkeit von dem jüdischen Gemeindevorstande definitiv wurde. Dafür ließ dieser die bisher gemachten Geldzahlungen für die Waisenkinder aufhören. Dennoch wuchs die Anstalt in progressiver Weise. Der Bermögensstand der Anstalt, die bereits 18 Zöglinge zählte, betrug damals 30,817 Thlr. Was zu ihrem völligen Gedeihen noch fehlte, war ein eigenes Heim. Zum 1. April 1853 wurden der Anstalt die Localitäten, welche sie in dem Gemeindehause Rosenstraße Nr. 12 theils unentgeltlich, theils zu einer mäßigen Miethe inne hatte, „behufs erforderlicher Bauveränderungen des Hauses" gekündigt, wie schon vorher Auerbach seine Stelle als Rektor der jüdischen Knabenschule gekündigt und entzogen worden war. Man entschloß sich, trotzdem nur wenige Mittel verfügbar waren, zum Ankauf eines eigenen Hanfes und kaufte das Grundstück Oranienburger Straße Nr. 38, wo gegenwärtig die Anstalt noch blüht und gedeiht. Um einen Begriff von ihrem Wachsthum aus kleinen Anfängen zu großen Resultaten zu geben, setzen wir hierher noch einige Angaben aus dem letzten (1882er) Jahresbericht: Tie Anstalt zerfällt in zwei getrennte Abtheilungen, ein Knaben- und ein Mädchen-Waisenhaus. Ersteres besteht seit 5u, letzteres seit ungefähr 40 Jahren. In dem Knaben- Waisenhaus befinden sich 52, in dem Mädchen-Waisenhaus gegen die gegenwärtige noch gering war, da deren Wachsthum erst mit dem Gesetze von 1847 begann), auch durch andere Thatsachen seine Engherzigkeit und Beschränktheit bekundet hat. So kam er mit der äußersten Freundlichkeit dem Projekt des Redacteurs d. Bl. zu einer jüd.-theol. Fakultät entgegen, forderte aber erst die obrigkeit liche Erlaubniß, und als der Redacteur diese erlangt hatte, verweigerte der Vorstand jede Mitwirkung, da man „erst für die Armen sorgte." während er notorisch die Armenpflege gänzlich vernachlässigte, und schnitt damit dem Unternehmen jede Aussicht auf den nprvn-- rerum, das nöthigc GeU> ab.

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