Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1883)
- Date
- 1883-04-24
- Page
- Seite 274 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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274 stand die Feindseligkeit gegen Juden und Judenthum, im j nachfolgenden kritisirt er Tacitus über die neronischen Christen-; Verfolgungen und „jüdisch-christliche Dinge in römisch-heidnischer Beleuchtung." Joel stellt hier eine wichtige Thatsache heraus, nämlich, daß der Judenhaß nicht aus dem Leben, sondern aus der Literatur entstanden ist. Es läßt sich hierfür Zeit und Stunde noch heute Nachweisen: „Sein Ursprungsland ist Aegypten, wo man nach Bekanntschaft unt der dort übersetzten griechischen Bibel es als eine Kränkung der nationalen Gefühle empfand, daß die Aegyp. ticr bei der Bolkswerdung Israels eine so wenig schmeichel-; hafte Rolle sollten gespielt haben." Der Berf. weist dies an j den „unsläthigen Entstellungen" der mosaischen Erzählung i vom Auszug aus Egypten und an Tacitus selbst nach. So! ist auch aus der späteren Literatur der viel bedenklichere! Judenhaß zweiter Serie, der mittelalterliche, und ebenso der! gegenwärtige entsprungen. Außer einigen Nachträgen schließt j das Buch mit „Proben von falschen Anschuldigungen gegen die Juden, welche vor einer ernsten Kritik nicht bestehen können". Wußte doch die Apokalypse noch von keinem Berräther unter den zwölf Aposteln, und hat Volkmar erwiesen, daß Judas eine zur Zeit der Entfremdung von den Juden erdichtete Figur sei. Der Verf. untersucht hier das Martyrium des Polycarp, an welchem den Juden in falschester Weise ein Antheil aufgebürdet worden, die Greuel, welche die Juden in Cyrene, Cypern und anderswo verübt haben sollen und die eine Erfindung des Mönches Xiphilinus am Ende des 11. Jahrhunderts waren, der einen Auszug aus Dio Cassius machte und hineintrug, was er wollte. — Wir haben hier nur den Inhalt des an wichtigen Untersuchungen so reichen Buches skizzirt. Ueberall erweist sich das reiche Wissen und die scharfsinnige Kritik des Autors. Was wir gewünscht hätten, ist, daß der Verf. in einem besonderen Schlußwort die hauptsächlichsten Resultate seiner Untersuchungen mit der ihm eigenen Klarheit zusammengestellt hätte, was nicht blos dem Laien, sondern auch dem kundigeren Leser Uebersicht und Verständniß erleichtert hätte. — i tu w cjyuac vlc fj t&w. Deutschland.! Berlin, 12. April. (Privatmitth.) Der am 10. d. statt-, gefundenen Feier des 50jährigen Bestandes der Baruch' Auerbach'schen Waisen-Erziehungs-Anstalt für Knaben wohnte auch das Kronprinzliche Paar an, und besichtigte nach dem Redeacte die Räumlichkeiten und Einrichtungen des Hauses. Es ist dies ein abermaliger Beweis für die wohlwollende und humane Gesinnung des hohen Paares, welche auf confesfionelle Unterschiede keinen Werth legt. Wir können um so mehr die besten Hoffnungen für die Zukunft hegen. Wir geben Ausführlicheres über die Feier in unsrem Feuilleton, fügen aber hier die Rede an, welche bei derselben Herr Geh. Oberregierungsrath Herwig zur Begrüßung der Anstalt hielt. Er sagte: „Diese Anstalt und die Feier, die sie heute begeht, ist ein beredtes Zeugniß dafür, daß gemeinnützige Unternehmungen, mit starkem Willen begonnen und mit geschickter und ausdauernder Hand geleitet, stets ihres Erfolges in den Mauern unserer Stadt sicher sind. Gerade bei Ihrer Anstalt ist ein Vergleich zwischen sonst und jetzt sehr lehrreich. Bor 50 Jahren die engen Räume zweier ärmlicher Miethsstuben in einem Miethshause, jetzt ein großes, stattliches Haus, zweckmäßig und theilweise sogar prachtvoll eingerichtet; vor 50 Jahren den schüchternen Versuch, um nicht zu sagen das Wagniß eines einzelnen Mannes, der statt Geldes nur den heißen Drang zu helfen und ein reges Gottj vertrauen besaß, jetzt wohl die reichste Stiftung der Stadt; j vor 50 Jahren ein dunkler, unbeachteter Anfang, heute die hohe Huld, mit welcher die allerhöchste Protection Ihr Streben fördert. Die hohe Bedeutung, welche diese Thatsache für das öffentliche Jntereffe hat, liegt darin, daß das deutsche Culturleben sich in hervorragendem Maße die Vervollkommnung der Erziehung und des Unterrichts zur Aufgabe stellt und die zu erreichenden Grenzen und Ziele immer weiter hinausrückt, immer höher steckt. Es ist gewiß recht bezeichnend für die Art unseres Volkes und seinen Werth verbürgend, daß es bei dieser Endlosigkeit idealer Arbeit niemals ermüdet, daß es sich durch schweren Druck niemals in seinen Anstrengungen hat irre machen lasten. Und in diesem Punkt > setzt die Bedeutung Ihrer Stiftung für das öffentliche Jntereffe ein. Ihre Arbeitserfüllung, Ihre Pflege des Unterrichts und der Erziehung, an sich ein löblicher Selbstzweck, erleichtert das Gemeinwesen, indem Sie von seinen Schultern einen Bruchtheil jener Last auf sich nehmen. Daß Sie dabei Ihre Aufgaben innerhalb confessioneller Grenzen erfüllen, mindert den Werth Ihrer Arbeit durchaus nicht. Denn der tolerante preußische Staat läßt innerhalb des Rahmens seiner Gesetze der Entwickelung der Individuen freien Spielraum und betrachtet die Bethätigung ihrer Kräfte mit Wohlwollen. Ein neuer Beweis dieses Wohlwollens liegt darin, daß Se. Majestät geruht hat, dem Vorsteher dieser Anstalt, als dem Sohne des Stifters und Erben seiner Arbeit, sowie Herrn Jacob Israel als demjenigen Vorstandsmitgliede, welchem eine besondere Verantwortlichkeit obliegt, den Kronenorden