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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-04-24 · Heft 17 (24.4.1883) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 17 (24.4.1883)
Date
1883-04-24
Page
Seite 272 (sequence 6)
Language
German
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„Eigentliche Kmderschulen scheinen bei den Juden erst in die merkwürdigen Veränderungen, die in den Nationen und den letzten Jahrzehnten vor der Zerstörung Jerusalems ent-! ihrer Stellung zu einander vor sich gegangen. Ein sehr bestanden zu sein. Zur Wiederaufrichtung des Volksthums auf! gabter Glaubensgenosse, Herr Salomon Reinach, veröffentheimischer Erde konnten dieselben nicht mehr führen; denn ’ licht im ersten Märzheste der „Revue des deux mondes“ eine mit dem letzten Reste politischer Freiheit ging die Grundbe-1 ausführliche Abhandlung „Le vandalisme moderne en Orient“ dingung ihres Gedeihens verloren. Doch haben die Juden j (p. 132 ff.) in welcher er den Bandalismus schildert, der in der letzten Zeit des Alterthums, sodann durch das ganze gegenwärtig in Griechenland an den ausgegrabenen Monu- Mittelalter hindurch und bis auf die Neuzeit herauf fort-! menten des griechischen Alterthums verübt wird, und der während eine rege Thätigkeit auf allen Gebieten der Wissen-j selbst das Verhalten der Türken gegen dieselben auf den ihnen schüft entfaltet. Ueberall, wo sie in größerer Anzahl bei-. unterworfenen Gebieten übertrifft. Der Boden, aus welchem sammen wohnten, nicht bloß in Jerusalem, Alexandria,! diese der Wissenschaft und Kunst so nachtheilige Giftpflanze Babylon und anderen Städten des Orients, sondern auch in erwachsen, ist das durchaus verkehrte griechische Gesetz von den romanischen und deutschen Ländern, unterhielten sie! 1834, womit sich die Gleichgültigkeit des Volkes wie der blühende Akademien, welche die Stelle der späteren Hoch-Regierung gegen die Meisterwerke des Alterthums und die schulen vertraten. Allerdings hat auch die jüdische Gelehr- Gewinnsucht des Volkes verbindet. Nach diesem Muster hat samkeit, ebenso wie im Mittelalter die christliche, ihr scho-! die Hohe Pforte 1874 ein ähnliches verderbliches Gesetz erlastisches Zeitalter gehabt, in welchem sich die Geister abmühten, alles Denken und Leben in ein künstliches System! theologischer Satzungen zu bannen, während Jugend- und! Volksbildung auf bloße Anleitung zu einem unverstandenen! Werkdienst hinauslief. Aber im Ganzen haben die unter! allen Völkern zerstreuten Israeliten immer eine hervorragende! Begabung und ein lebhaftes Interesse für intellectuelle Arbeit an den Tag gelegt, und Jahrhunderte lang sind sie die wichttgsten Pfleger der Wissenschaften: der Mathematik, Astronomie, Medicin, Geschichte, Sprachkunde und Philosophie gewesen." „Noch jetzt zeichnen sich die Juden durch große Regsamkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens aus. Insbesondere ist auch ihre Betheilignng am Schulwesen meist eine sehr eifrige. Die Eltern hatten ihre Kinder nachdrücklch zum Lernen an und bekümmern sich sorgfältig um deren Fortschritte; die Kinder stehen nicht selten an Wißbegierde und zähem Fleißc ihren christlichen Schulgenossen voran. Auch an werkthätiger Menschenfreundlichkeit zur Erziehung der vom Schicksale oder von der Natur vernachlässigten Kinder (der Waisen, Tauben, Blinden) fehlt es den Israeliten nicht, wie ihnen überhaupt der Sinn für Humanität nur mit Unrecht abgesprochen werden kann; ist ja doch die humanste aller Religionen aus dem Judenthnm hervorgegangen. Und wenn auch dasselbe noch manche Schattenseite als Erbtheil des Stammes und als Wirkung langer Mißhandlung an sich trägt, so haben doch die modernen Völker allen Grund, an ihre eigene Brust zu schlagen und mit den Israeliten eine aufrichttge Versöhnung auf Grundlage voller Gleichberechtigung herbeizuführen." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 10. April. Das Geschick waltet oft eigenthümlich über den Völkern und bekunden nicht selten kleine Züge lassen. Es ist Einem schmerzlich, die Schilderung zu lesen, in welcher Weise z. B. die durch deutsche Arbeit und Kosten ausgegrabcnen olympischen Bildwerke dem Verderben in Kellern und auf Speichern oder finsteren, feuchten Magazinen preisgegeben, oder den aufgefundenen Bildwerken der Kopf abgesägt wird, um ihn leichter trausportiren und heimlich verkaufen zu können. Der Vers, trägt dies Alles in der wohlwollendsten Weise und mit französischer Courtoisie, jedoch prägnant und mit vielen Beispielen belegt vor. Hoffen wir, daß diese Kundgebung in der weitverbreiteten und hochgeachteten Revue auf die maßgebenden Kreise Eindruck machen und den ein- und umfichttgen Vorschlägen des Vers. Eingang schaffen werde. Wir unsrerseits bemerken nur hierbei: Wie seltsam! Ein Abkömmling des Volkes, welches aus religiösen Mottven der bildenden Kunst fern geblieben, tritt hier für diese, deren Studium er an Ort und Stelle mehrere Jahre gewidmet hat, bei den Abkömmlingen der Natton energisch ein, welche im Alterthum die Höhen dieser Kunst erreicht hatte.' Welche weltgeschichtlichen Veränderungen mußten vor sich gehen, um ein solches Berhältniß zu ermöglichen! — Im Jahrg. 1880 S. 412 referirten wir über die erste Abtheilung der verdienstvollen Schrift des Rabb. Dr. M Jotzl: „Blicke in die Religionsgeschichte zu Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts mit Berücksichtigung der angrenzenden Zeiten", sowie wir auch S. 289 eine Stelle aus derselben über die mündliche Tradition ausführlich behandelten. Dieser ersten Abtheilung, die namentlich über das Berhältniß des Talmuds zur griechischen Sprache handelt, ist jetzt eine zweite Abtheilung gefolgt: „Der Conflikt des Heidenthums mit dem Christenthume in seinen Folgen für das Judenthum." (Breslau und Leipzig, Schottländer. 1883.) Es kann uns nur zur Befriedigung gereichen, daß neuerdings jüdische Gelehrte, welche die Keuntniß des Talmuds mit der des griechischrömischen Alterthums verbinden, die Durchforschung jener

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